GRAZ JOURNAL

Arnold Schwarzenegger und Graz: Herkunft, Museum, Stadion

Arnold Schwarzenegger wurde 1947 in Thal bei Graz geboren. Sein Elternhaus ist seit 2011 Museum, das Grazer Stadion trug bis 2005 seinen Namen.

· 10 Min. Lesezeit · Von
Arnold Schwarzenegger und Graz: Herkunft, Museum, Stadion

Herkunft: Thal bei Graz

Thal ist eine eigenständige Marktgemeinde im Bezirk Graz-Umgebung, die unmittelbar an den Grazer Stadtbezirk Eggenberg grenzt. Der Ort ist heute für die Thalersee-Seepromenade, das von Ernst Fuchs gestaltete Kirchenfenster in der Pfarrkirche St. Jakob und eben für Schwarzeneggers Geburtshaus bekannt. Schwarzeneggers Vater Gustav war Gendarmeriepostenkommandant in Thal, seine Mutter Aurelia (geb. Jadrny) führte den Haushalt. Der ältere Bruder Meinhard kam 1946 zur Welt, Arnold ein Jahr später.

Das Haus, in dem die Familie wohnte, liegt in der Gemeindelage „Thal 145". Es handelt sich um ein ehemaliges Forsthaus der Grafen Herberstein, in dem die Familie Schwarzenegger als Untermieter lebte. Das Gebäude steht heute genau dort, wo Arnold die ersten knapp zwanzig Jahre seines Lebens verbrachte, und ist als solches noch weitgehend original erhalten - einer der Gründe, warum das Museum so unmittelbar wirkt. Die Marktgemeinde Thal hat dem Ort eine ausführliche Seite gewidmet (thal.gv.at: Arnold Schwarzenegger Museum), auf der auch die Geschichte des Hauses dokumentiert ist.

Die Kindheit Schwarzeneggers fiel in die unmittelbare Nachkriegszeit. Die Steiermark war bis 1955 teilweise britische, teilweise sowjetische Besatzungszone, die Wirtschaft lag am Boden, Gewalt in der Familie war laut Schwarzeneggers späteren Darstellungen Alltag. Gustav Schwarzenegger war wie Millionen Österreicher seiner Generation ehemals Mitglied der NSDAP - ein Befund, den Arnold selbst später vom Simon Wiesenthal Center prüfen ließ. Die Erinnerung an den Vater ist in den Gesprächen mit dem Sohn regelmäßig ambivalent: Pflichtgefühl, Härte, Sport, aber auch emotionale Kälte.

Die sportliche Ausbildung: Graz-Liebenau und Thal

Anders als bei vielen legendenhaften Erzählungen ist der Einstieg in das Bodybuilding gut dokumentiert. Mit 14 Jahren begann Arnold Schwarzenegger im Fitnessstudio Putzinger in Graz mit systematischem Gewichtstraining. Ab 1962 trainierte er regelmäßig im Athletic-Union-Studio im Stadion Liebenau, dem zentralen Sportkomplex im Süden von Graz. Der damalige Trainer Kurt Marnul, ein mehrfacher österreichischer Meister im Bodybuilding, wurde für Schwarzenegger Mentor und Förderer. Die Stadt Graz zählt Schwarzenegger heute zu ihren bedeutenden Persönlichkeiten und widmet ihm einen eigenen Eintrag auf ihrem Stadtportal, der seine wesentlichen biografischen Eckdaten festhält (graz.at: Arnold Schwarzenegger).

Schwarzenegger absolvierte 1965 seinen Militärdienst beim österreichischen Bundesheer in der Belgier-Kaserne in Graz-Wetzelsdorf und brach den Dienst auf, um an der Junioren-Europameisterschaft im Bodybuilding in Stuttgart teilzunehmen, die er gewann. Die Eigenmächtigkeit brachte ihm eine Woche Militärarrest ein. 1966 gewann er den Titel „Mr. Europe", 1967 in London den Titel „Mr. Universe" (Amateur). Damit war er mit 20 Jahren der jüngste Mr. Universe der Geschichte. 1968 emigrierte er in die USA, wo er bei Joe Weider unter Vertrag genommen wurde und Schritt für Schritt die amerikanische Bodybuilding-Szene übernahm.

Das Arnold Schwarzenegger Museum in Thal

Am 30. Juli 2011 - dem 64. Geburtstag Schwarzeneggers - übergab die Marktgemeinde Thal das Haus Thal 145 offiziell seiner neuen Nutzung als Museum. Die feierliche Eröffnung mit Schwarzenegger selbst fand am 7. Oktober 2011 statt. Anwesend waren unter anderem der damalige Bundeskanzler Werner Faymann und der damalige steirische Landeshauptmann Franz Voves. Zur Eröffnung wurde eine überlebensgroße Bronzestatue des Bildhauers Ralph Crawford vor dem Haus enthüllt, die Schwarzenegger in Bodybuilder-Pose zeigt. Das Museum ist das weltweit einzige offizielle Schwarzenegger-Museum und wird von ihm persönlich unterstützt.

Das Haus ist heute auf vier Stockwerken als Ausstellung gestaltet. Im Erdgeschoss sind die originalen Wohnräume der Familie zu sehen, teilweise mit Möbeln aus den 1940er- und 1950er-Jahren, die das beengte Leben einer Gendarmeriefamilie in der Nachkriegszeit dokumentieren. Weiter oben zeigt die Ausstellung die drei Karrieren Schwarzeneggers: Bodybuilding, Hollywood und Politik. Zu den Exponaten gehören Trainingsgeräte aus seiner Grazer Zeit, Filmkostüme (darunter Originale aus „Terminator 2" und „Conan der Barbar"), Dokumente aus der Gouverneurszeit und sein 1997 geschenkter amtlicher Panzer, ein M47 Patton der österreichischen Armee, den er später in den USA aufstellen ließ. Die offizielle Museumsseite (arnieslife.com: Arnold Schwarzenegger Museum) enthält aktuelle Öffnungszeiten, Eintrittspreise und Anfahrtsinformationen.

Die Anreise von Graz aus führt in der Regel über die Buslinie 85 von Peter-Rosegger-Straße bzw. Eggenberg nach Thal, Alternative Autofahrt etwa zwölf bis fünfzehn Minuten vom Grazer Hauptplatz. Der Eintritt liegt Stand Frühjahr 2026 bei 10,00 Euro für Erwachsene, ermäßigt 8,00 Euro. Ein Besuch dauert je nach Interesse eine gute Stunde und kombiniert sich gut mit einem Spaziergang rund um den Thalersee, der nur wenige hundert Meter entfernt liegt.

Das Liebenauer Stadion und die Namensfrage

Die komplizierteste Passage in der Beziehung zwischen Graz und Schwarzenegger ist die Geschichte des Stadionnamens. Am 9. Juli 1997 wurde das neu errichtete Liebenauer Stadion unter dem Namen „Arnold-Schwarzenegger-Stadion" eröffnet. Anlass war eine Würdigung des berühmtesten Graz-Bezugs Österreichs. Die Benennung war politisch nicht unumstritten - Todesstrafe, Sozialabbau und die Unterschiede zwischen kalifornischer Republikaner-Politik und grün-sozialer Stimmung in Graz sorgten über die Jahre für Spannungen.

Am 12. Dezember 2005 lehnte Gouverneur Schwarzenegger das Gnadengesuch des zum Tode verurteilten Bandenmitgliedsgründers Stanley „Tookie" Williams ab. Williams wurde am 13. Dezember 2005 in San Quentin hingerichtet. In Graz rief die Entscheidung massive Proteste hervor, Grazer Politiker aller Parteien forderten, dem Stadion den Namen Schwarzenegger zu entziehen. Bevor es zur offiziellen Entscheidung der Stadt kam, handelte Schwarzenegger selbst: In einem Brief an den damaligen Bürgermeister Siegfried Nagl forderte er am 19. Dezember 2005, seinen Namen unverzüglich vom Stadion und allen offiziellen Grazer Kontexten zu entfernen. Er gab in diesem Schreiben ausdrücklich auch den Ehrenring der Stadt Graz zurück, den er 1999 erhalten hatte. Der zeitliche Ablauf ist auf den Nachrichten-Archivseiten der damaligen Berichterstattung gut dokumentiert, etwa bei der steirischen ORF-Archivmeldung zur „Causa Schwarzenegger".

Das Stadion wurde daraufhin in „Stadion Graz-Liebenau" zurückbenannt, 2006 als „UPC-Arena" vermarktet und trägt seit März 2016 den Sponsorennamen „Merkur Arena". Rechtlich ist es nach wie vor das Liebenauer Stadion, das 1997 als städtisches Fußballstadion neu errichtet wurde und rund 15.400 Sitzplätze umfasst. Es ist die Heimspielstätte des SK Sturm Graz und nach Renovierungen auch des GAK 1902. Die Episode mit dem Namen Schwarzenegger gehört zur Stadiongeschichte, ist aber seit 2005 ein abgeschlossenes Kapitel.

Spätere Besuche und steirische Auszeichnungen

Trotz der Stadion-Episode ist die Beziehung zwischen Graz und Schwarzenegger nicht abgerissen. Zur Eröffnung des Museums 2011 kehrte Schwarzenegger demonstrativ nach Thal zurück und nahm vom Land Steiermark einen „Großen Ehrenring" des Landes in Empfang. Auch in den folgenden Jahren besuchte er mehrmals seine Heimatregion, etwa 2015 anlässlich einer Veranstaltung seiner Klimaorganisation R20 Austrian World Summit, die seither jährlich im Juli in Wien und gelegentlich in Graz und Umgebung stattfindet. Die Konferenz ist auf der offiziellen Seite des Austrian World Summit dokumentiert und vereint internationale Klimapolitiker, Wirtschaftsvertreter und Aktivistinnen.

2017 wurde ein zweiter, privaterer Grund für einen Grazer Besuch öffentlich bekannt: Schwarzenegger kehrte zum Grab seiner Mutter Aurelia zurück, die 1998 in Graz gestorben war und auf dem Friedhof in Weiz beigesetzt ist. Sein Vater Gustav war bereits 1972 verstorben, sein Bruder Meinhard 1971 bei einem Autounfall in Kitzbühel. Die Familie Schwarzenegger lebt heute nicht mehr in Thal - das Museum ist damit auch eine Spurenfestlegung einer abgeschlossenen Familiengeschichte.

Graz als Teil seiner öffentlichen Biografie

Schwarzenegger hat in zahlreichen Interviews und in seiner 2012 erschienenen Autobiografie „Total Recall: Die wahre Geschichte meines Lebens" seine Grazer Jahre detailliert beschrieben. Er nennt Thal und Graz regelmäßig als prägend für seine Disziplin, seine Sturheit und die Überzeugung, dass schwere Arbeit sich auszahlt. Gleichzeitig stellt er Österreich in seinen Erzählungen als Ort dar, den er bewusst verließ, weil er die Wahl sah zwischen der begrenzten Zukunft eines Provinzsportlers und der globalen Bühne, die ihm das Bodybuilding-Magazin mit den Bildern von Reg Park und Steve Reeves eröffnet hatte.

Für die Stadt Graz ist Schwarzenegger heute eine Marketingfigur mit Sprengstoff. Die offiziellen Stellen sprechen neutral und sachlich von ihm, das Museum in Thal wird als Sehenswürdigkeit genannt, es gibt aber keine Straße, keinen Platz und keine Statue mit seinem Namen im Grazer Stadtgebiet. Anders als bei Peter Rosegger oder Johannes Kepler hat die Stadt keine kulturelle Pflegerolle übernommen. Die Ehrung bleibt dem Museum in Thal und dem Land Steiermark überlassen, die zentralen Grazer Orte seiner Biografie - das Studio im Liebenauer Stadion, die Wohnung in Eggenberg, die ersten Wettkampforte - sind heute nicht beschildert.

Wichtige Stationen seines Lebens mit Graz-Bezug

JahrEreignis
30. Juli 1947Geburt in Thal 145 bei Graz
1961Erste Trainingsbesuche im Grazer Fitnessstudio Putzinger
1962Regelmäßiges Training im Athletic-Union-Studio im Liebenauer Stadion
1965Militärdienst in Graz-Straß, Sieg bei Junioren-EM Stuttgart
1966Titel „Mr. Europe" in Deutschland
1967„Mr. Universe" (Amateur) in London mit 20 Jahren
1968Emigration in die USA
9. Juli 1997Eröffnung des Liebenauer Stadions als „Arnold-Schwarzenegger-Stadion"
1999Verleihung des Ehrenrings der Stadt Graz
19. Dezember 2005Schwarzenegger entzieht der Stadt die Namensrechte, gibt den Ehrenring der Stadt zurück
30. Juli 2011Übergabe des Elternhauses Thal 145 als Museum
7. Oktober 2011Offizielle Eröffnung des Arnold Schwarzenegger Museums in Thal

Ein Rundgang auf Schwarzeneggers Spuren

Wer Schwarzeneggers Grazer Spuren heute abgehen möchte, kann einen halben Tag einplanen und drei bis vier Stationen verbinden. Ausgangspunkt ist Thal 145, das Geburtshaus und heutige Museum. Von dort führt die Route zurück in die Stadt, am Thalersee und an der Eggenberger Pfarrkirche vorbei zur Merkur Arena im Stadtbezirk Liebenau, der früheren Wirkungsstätte. Der sogenannte „Arnie's Life"-Skulpturenweg rund um den Thalersee wurde 2011 anlässlich des Museumsjubiläums angelegt und führt an mehreren Infotafeln zu Schwarzeneggers Kindheit und Jugend vorbei. Die Gesamtstrecke rund um den See beträgt etwa 2,4 Kilometer und ist auf der Seite der Marktgemeinde Thal dokumentiert.

Eine zweite Etappe führt in die Grazer Innenstadt. Am Hauptplatz und am Rathaus ist Schwarzenegger selbst nicht offiziell vertreten, aber im Souvenirhandel der Herrengasse tauchen regelmäßig Terminator-Figuren und Bodybuilding-Poster auf. Im Joanneumsviertel, dem musealen Zentrum der Stadt, ist Schwarzenegger keine eigene Ausstellung gewidmet - hier steht die klassische steirische Kulturgeschichte im Vordergrund. Wer die dritte Station sucht, findet sie in Weiz, etwa 30 Kilometer nordöstlich von Graz: den Friedhof, auf dem Aurelia Schwarzenegger bestattet ist. Für Schwarzenegger-Fans ist das eine stille, aber gerade deswegen angemessene Schlussstation.

Was vom „Terminator" in Graz bleibt

Die Bilanz der Grazer Jahre ist gemischt. Schwarzenegger hat Graz als jungen Mann verlassen, ist nie zurückgekehrt, um hier zu leben, und hat die Stadt 2005 in einer politischen Eskalation öffentlich distanziert. Gleichzeitig bleibt Thal seine unbestrittene Heimat, das Museum ist inzwischen eine stabile touristische Einrichtung mit etwa 40.000 Besucherinnen und Besuchern pro Jahr, und die steirische Identität bleibt in seinen Auftritten spürbar - bis in den amerikanisch gefärbten Akzent seines Deutschen, das er in Interviews mit ORF und Kleiner Zeitung noch immer verwendet.

Die Frage, ob Schwarzenegger ein Grazer ist, lässt sich sachlich beantworten: Er ist in Thal geboren, die Gemeinde gehört nicht zur Stadt Graz, sondern zum Bezirk Graz-Umgebung. Der gängige Sprachgebrauch „Arnold aus Graz" verbindet beide Orte, weil Thal für Außenstehende zur Metropolregion Graz zählt und Schwarzenegger seine sportliche Ausbildung in Graz selbst erhielt. Wer den genauen Punkt sucht, an dem sein Weg begann, findet ihn in Thal 145 - einem Forsthaus der Grafen Herberstein, in dem ein Mann geboren wurde, der heute Hollywood-Ikone, ehemaliger Gouverneur und Klimaaktivist zugleich ist.

Die Kombination aus lokaler Herkunft und globaler Reichweite ist selten, und sie wirkt in Graz weiter, auch ohne dass die Stadt sie aktiv inszeniert. Schwarzenegger ist kein Held, den Graz wie einen eigenen Sohn zelebriert. Er ist eine Figur am Rand, dessen Elternhaus zum Pilgerort geworden ist, dessen Stadionnamen die Stadt über Nacht verlor, und dessen steirische Wurzeln in jeder Biografie erwähnt werden müssen. Das ist weder Personenkult noch Verdrängung, sondern eine sachliche Einordnung - und genau diese Nüchternheit macht die Beziehung zwischen Graz und dem berühmtesten Sohn seiner Nachbargemeinde so aufschlussreich.

Mehr aus Menschen