A+CHIS: Grazer Unis entwickeln KI für Diabetes-Infos
TU Graz, Uni Graz und Med Uni Graz haben gemeinsam das adaptive KI-System A+CHIS entwickelt, das Diabetes-Patienten individuelle Gesundheitsinformationen liefert - abgestimmt auf ihr persönliches Vorwissen und ihre kognitive Belastbarkeit.
Drei Grazer Universitäten haben ein adaptives KI-gestütztes Informationssystem für Diabetes-Patienten entwickelt. TU Graz, Uni Graz und Med Uni Graz präsentieren mit A+CHIS - kurz für Adaptive Consumer Health Information System - eine digitale Lösung, die Gesundheitsinhalte automatisch an das individuelle Vorwissen und die kognitive Belastbarkeit der Nutzenden anpasst.
Maßgeschneiderte Informationen statt Einheitsbroschüre
Im Klinikalltag bleibt oft wenig Zeit für ausführliche Gespräche, und Standardbroschüren oder Webseiten berücksichtigen individuelle Vorkenntnisse kaum. A+CHIS adressiert genau diese Lücke: Das System analysiert anonymisierte Interaktionsdaten wie Mausbewegungen oder Scrollverhalten und erkennt so, wie viel Detailtiefe eine Person erfassen kann. Inhalte werden daraufhin wahlweise als einfache Schlagwortwolke, als Infografik oder als vertiefender Fachtext dargestellt.
Projektleiter Tobias Schreck vom Institute of Visual Computing der TU Graz formuliert das Ziel klar: „Unser Ziel war es, medizinische Evidenz so zu vermitteln, dass sie wirklich verstanden wird und nicht nur gelesen." Psychologe Dietrich Albert von der Uni Graz ergänzt, dass dabei „individuelle Situation, das individuelle Vorwissen - ob korrekt oder inkorrekt - der Person und ihr ganz spezifisches Informationsbedürfnis sowie ihre persönlichen Ziele in Betracht gezogen werden" müssten.
Schutz vor fehlerhaften KI-Ausgaben
Eine zentrale Herausforderung bei KI-basierten Gesundheitssystemen ist die Gefahr sogenannter Halluzinationen - also sachlich falscher Ausgaben. A+CHIS begegnet diesem Problem, indem es ausschließlich Materialien verwendet, die von der Med Uni Graz nach definierten Qualitätskriterien geprüft wurden. Mithilfe von Large Language Models agiert das System zusätzlich als digitaler Gesprächspartner: Es beantwortet nicht nur Fragen, sondern erkennt auch Bestätigungsfehler und zeigt alternative Perspektiven auf.
Die wissenschaftliche Grundlage lieferte eine Studie mit 250 Teilnehmenden, die es ermöglichte, kognitive Überlastung verlässlich zu identifizieren. Das Projekt wird vom FWF gefördert.
Relevanz für Graz und die Steiermark
Der epidemiologische Kontext unterstreicht die Dringlichkeit: In Österreich ist etwa jeder fünfte Erwachsene von einer Vorstufe der Zuckerkrankheit betroffen, rund drei Prozent haben noch nicht diagnostizierten Diabetes. Gleichzeitig verfügen kaum 30 Prozent der österreichischen Bevölkerung über eine gute Gesundheitskompetenz. Für die Steiermark bedeutet A+CHIS damit unmittelbares Potenzial - etwa in Grazer Krankenhäusern, Arztpraxen oder bei Versicherungen.
Das System ist bewusst nicht auf Diabetes beschränkt: Die Projektergebnisse werden als Open-Source-Code veröffentlicht und lassen sich auf alle medizinischen Themenbereiche übertragen. Im Frühjahr 2026 startete bereits ein Citizen-Science-Folgeprojekt, das die Vermittlung vertrauenswürdiger Gesundheitsinformationen weiter erforschen soll. Graz positioniert sich damit als Standort für KI-gestützte Gesundheitskommunikation mit überregionaler Strahlkraft.
Weitere Informationen zum Projekt veröffentlichte die Universität Graz auf ihrer offiziellen Neuigkeiten-Seite.