GRAZ JOURNAL
wirtschaftaktuelles

Chicken Watcher: Graz entwickelt KI für den Hühnerstall

Die FH Campus 02 in Graz hat gemeinsam mit der steirischen novu.track GmbH den „Chicken Watcher" zur Marktreife gebracht - ein KI-gestütztes System zur Früherkennung von Krankheiten in Geflügelbetrieben. Der Vertrieb startet in Österreich, Deutschland und Polen.

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Das Department Automatisierungstechnik der FH Campus 02 in Graz hat ein intelligentes Überwachungssystem für Geflügelbetriebe zur Marktreife geführt: Der sogenannte Chicken Watcher analysiert mithilfe von 360°-Bildauswertung und Künstlicher Intelligenz den Gesundheitszustand sowie das Verhalten von Hühnern in Echtzeit - und soll Krankheiten frühzeitig erkennen, bevor sie sich in einer Herde ausbreiten.

Vier Kameras, eine Waage, ein Algorithmus

Technisch besteht das System aus vier Kameras, einer integrierten Waage und einer ausgeklügelten Analysesoftware. Die Tiere betreten die erhöhte Messplattform dabei freiwillig. „Die Hühner bewegen sich freiwillig auf dieser erhöhten Position, weil sie sich dort wohlfühlen. Und bei Betreten dieser Plattform untersucht das System quasi von vier Seiten das Huhn und misst zugleich das Gewicht", erläutert Florian Macher-Stangl vom Department Automatisierungstechnik der Campus 02.

Entwickelt wurde das Produkt in Kooperation mit der novu.track GmbH aus Judenburg, die sich auf neuartige Sensor- und Softwarelösungen für die Landwirtschaft spezialisiert hat. Die FH Campus 02 unterstützt das Unternehmen bei der Identifikation von Optimierungspotenzialen sowie der elektromechanischen Weiterentwicklung des Geräts. Ein wesentliches Ziel der Zusammenarbeit ist es, die Widerstandsfähigkeit des Systems gegen Umwelteinflüsse in Mastbetrieben zu erhöhen - denn Kameras müssen auch bei Staub und Schmutz wartungsfrei funktionieren. Hinzu kommt eine besondere Herausforderung: Die sprichwörtliche Neugier der Hühner, die dazu neigen, bewegliche oder wurmartig aussehende Bauteile sofort zu demontieren.

Zielgruppe: Großbetriebe mit Tausenden Tieren

Der Chicken Watcher richtet sich vor allem an große Geflügelbetriebe. „Bei Einheiten mit 20.000, 40.000, 60.000 Hühnern wird die Technik sicher interessant, weil der Landwirt dann nicht mehr die Möglichkeit hat, das ganze Herdenmanagement zu bewirtschaften", so die Einschätzung aus dem Projektumfeld. Für solche Betriebsgrößen sei eine automatisierte, KI-gestützte Früherkennung von Anomalien im Tierverhalten kaum durch manuelle Kontrollen zu ersetzen.

Der Vertrieb startet zunächst in Österreich und Deutschland; in Polen werden bereits Vertriebspartner aufgebaut. Dass das Produkt internationales Potenzial hat, zeigte sich bereits 2023, als novu.track mit dem Chicken Watcher den 3. Platz beim Constantinus Award errang - einer der renommiertesten österreichischen Auszeichnungen für IT- und Unternehmensberatungsprojekte.

Campus 02 als Motor steirischer KMU-Innovation

Der Chicken Watcher steht exemplarisch für die enge Verzahnung der FH Campus 02 mit steirischen Klein- und Mittelbetrieben. Rektorin Kristina Edlinger-Ploder beschreibt den Ansatz so: „Unsere Forschung ist konsequent an den Bedürfnissen der Wirtschaft ausgerichtet und beschäftigt sich mit neuen Technologien oder innovativen Geschäftsmodellen. Gemeinsam mit Unternehmen entwickeln wir Lösungen, die wissenschaftlich fundiert sind und gleichzeitig unmittelbar in der Praxis wirken." Laut Edlinger-Ploder werden an der Hochschule jährlich bis zu 200 Unternehmen unterstützt - von der Prototypen-Entwicklung bis hin zu spezifischen Fragen im Anlagenbau. Mit dem nun anlaufenden internationalen Vertrieb des Chicken Watchers kann ein in Graz mitentwickeltes Agrar-KI-Produkt erstmals den europäischen Markttest bestehen.