Graz erzählt 2026: Letztes Festival nach 39 Jahren
Nach 39 Jahren findet das Storytelling-Festival „Graz erzählt" vom 21. bis 25. Mai 2026 ein letztes Mal statt. Drastische Förderkürzungen des Landes Steiermark machten eine Fortführung unmöglich.
Nach 39 Jahren geht eine Ära zu Ende: Das Austrian International Storytelling Festival „Graz erzählt" findet vom 21. bis 25. Mai 2026 ein letztes Mal in Graz statt. Was 1987 von Erzähler und Märchendichter Folke Tegetthoff gegründet wurde und sich zum größten internationalen Storytelling-Festival Europas entwickelt hatte, kann in seiner bisherigen Form nicht weitergeführt werden. Anschließend folgt vom 29. bis 30. Mai 2026 noch „Bruck erzählt" als regionales Pendant.
Förderkürzungen als Auslöser
Die Entscheidung zum Ende fiel bereits Ende Jänner 2026. Als Hauptgrund nennt Festivalintendantin Tessa Erker-Tegetthoff, die das Festival seit fünf Jahren leitet, eine drastische Kürzung der Landesförderung der Steiermark. Dem Festival fehlen dadurch rund 100.000 Euro im Budget - eine Größenordnung, die für ein unabhängiges Kulturformat dieser Struktur nicht mehr tragbar war. Zahlreiche Veranstaltungsorte in der Steiermark, von Bad Radkersburg bis Weiz, mussten in der Folge aus dem Programm gestrichen werden, womit die gesamte Struktur des Festivals wegbrach.
Erker-Tegetthoff erklärte dazu: „Was 1987 mit dem Traum meines Vaters begonnen hat, den ich vor fünf Jahren weiterträumen bzw. fortsetzen durfte, endet hier. Eine Entscheidung, die ich rational treffen musste, weil die Bedingungen, um Kultur entstehen zu lassen, fehlen. Was bleibt sind Tausende Geschichten, wunderschöne Ideen und unzählige Brücken, die damit geschlagen wurden."
Bürgermeisterin Elke Kahr bestätigte, dass die Stadt Graz finanzielle Mittel für ein 40. Festival reserviert hätte, den gesamten Ausfall jedoch trotz aller Bemühungen nicht auffangen konnte.
Abschlussprogramm unter dem Motto „#dreamstories"
Die letzte Ausgabe präsentiert sich mit dem Motto „#dreamstories" und einem dichten Programm: 24 Künstlerinnen und Künstler aus acht Ländern gestalten die Abschiedsausgabe. Zu den zentralen Programmpunkten zählt die „Lange Nacht der Geschichten" am 22. und 23. Mai im Schauspielhaus Graz, bei der internationale Erzählerinnen und Erzähler ihre Kunst mit Musik, Tanz und Artistik verbinden. Am Mariahilferplatz ist die interaktive Kunstinstallation „Graz träumt" zu erleben, die Träume als Bilder und Klänge erfahrbar macht. Weiters stehen eine Schlössertour zu Burg Rabenstein und Schloss Dornhofen sowie ein Familienfest am Thalersee auf dem Programm.
Symptom eines breiteren Kulturabbaus
Das Ende von „Graz erzählt" steht nicht allein: Auch das Spring Festival 2026 musste abgesagt werden. Beide Fälle verdeutlichen die konkreten Folgen von Kultureinsparungen in der Steiermark für etablierte, überregional wahrgenommene Formate. „Graz erzählt" hatte die steirische Landeshauptstadt über fast vier Jahrzehnte als internationale Hauptstadt der Erzählkunst positioniert.
Erker-Tegetthoff betonte dennoch, das letzte Festival nicht als bloßen Abschluss zu verstehen: „Diese Ausgabe ist daher kein Abschied, sondern eine Einladung: noch einmal zusammenzukommen, zuzuhören und Geschichten zu teilen." Weitere Informationen zum Programm finden sich auf der Website des Austrian International Storytelling Festival.