GRAZ JOURNAL
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Männlichkeit im Wandel: Neue Studien, neue Rollenbilder

Eine Schweizer Studie aus 2026 zeigt starke Verunsicherung bei jungen Männern, während österreichische Einrichtungen wie der Dachverband Männerarbeit Österreich und der VMG Steiermark mit Beratung, Forschung und neuen Lehrgängen gegensteuern.

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Was bedeutet es heute, ein Mann zu sein? Diese Frage steht im Mittelpunkt einer breiten gesellschaftlichen Debatte, die durch eine Schweizer Studie aus dem Jahr 2026 neue Brisanz erhält. Unter dem Titel „Männlichkeit im Wandel" wurden 6.000 Personen zwischen 18 und 64 Jahren befragt - mit teils alarmierenden Ergebnissen, besonders bei der jüngsten Altersgruppe.

Junge Männer zwischen Verunsicherung und Rückschritt

Laut der Studie, auf die Elli Scambor, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Dachverbands Männerarbeit Österreich, verweist, gab jeder zweite Befragte der 18- bis 24-Jährigen an, echte Männer würden an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Über 47 Prozent dieser Altersgruppe stimmten der Aussage zu, Gewalt müsse manchmal sein. Parallel dazu beobachtet Erich Lehner, Vorstandsvorsitzender des Dachverbands, ein Erstarken der sogenannten Manosphere - ein loses, vorwiegend antifeministisches Netzwerk, das vor allem online junge Männer anspricht. Auch der ÖGB warnt bei Männern der Generation Z (1995-2012) vor einem Rückschritt in Richtung Zwangskontrolle und konservativer Rollenbilder.

Die Daten aus österreichischen Paarhaushalten unterstreichen, wie ungleich Alltagsaufgaben nach wie vor verteilt sind: Frauen leisten 64 Prozent der Hausarbeit und 63,8 Prozent der Kinderbetreuung - selbst dann, wenn beide Partner gleich viel erwerbstätig sind. Bei der Organisation von Arztterminen für Kinder übernimmt mehr als jede zweite Frau diese Aufgabe allein oder überwiegend, bei Männern ist es lediglich jeder Fünfte.

Fürsorge als Schutzfaktor

Elli Scambor betont die andere Seite des Wandels: „Männer, die sich aktiv an Kinderbetreuung, Hausarbeit und emotionaler Beziehungsarbeit beteiligen, berichten häufiger von partnerschaftlicher Zufriedenheit, egalitären Geschlechterhaltungen und einer hohen Qualität familiärer Beziehungen." Männliche Fürsorgeorientierung gelte zudem als bedeutsamer Schutzfaktor gegen Gewalt in Familie und Partnerschaft. Erich Lehner ergänzt: „Wer Gewalt gegen Frauen nachhaltig verhindern will, muss Männer erreichen, die Verantwortung für ihr Verhalten übernehmen müssen. Gleichzeitig müssen wir Männer in Krisen unterstützen und Räume für Burschen schaffen, in denen sie frühzeitig Unterstützung erfahren und vielfältige Formen von Männlichkeit entwickeln können."

Graz und Steiermark als Zentrum der Männerarbeit

In der Steiermark ist der Verein für Männer- und Geschlechterthemen Steiermark (VMG) mit den Bereichen Männerberatung, Burschenarbeit, Gewaltarbeit und dem Institut für Männer- und Geschlechterforschung seit Jahren aktiv. Ab Oktober 2026 startet der VMG einen neuen Fachlehrgang unter dem Titel „Jungen*arbeit - Geschlechterfokussierte und intersektionale Praxis für Gesundheit und Gewaltprävention" (2026/2027). Auf Bundesebene betreibt der Dachverband Männerarbeit Österreich seit zehn Jahren Präventionsarbeit gegen männliche Gewalt; seit fünf Jahren steht zudem die Krisenhelpline Männerberatung 24/7 zur Verfügung.

Auch wissenschaftlich ist das Thema in Graz fest verankert: Die Universität Graz hat für das Studienjahr 2026/27 Lehraufträge im Bereich Geschlechterstudien ausgeschrieben, und die Koordinationsstelle für Geschlechterstudien und Gleichstellung sowie die Professur „Soziologie der Geschlechterverhältnisse" am Institut für Soziologie forschen zu Fragen rund um Geschlechterrollen und Gleichstellung. Forschung und Praxis greifen damit in der steirischen Landeshauptstadt besonders eng ineinander.