Mehrwertsteuer 2026: Grundnahrungsmittel ab Juli günstiger
Ab 1. Juli 2026 gilt in Österreich ein neuer Mehrwertsteuersatz von 4,9 Prozent auf ausgewählte Grundnahrungsmittel wie Brot, Milch, Eier und Gemüse. Auch Grazerinnen und Grazer spüren die Entlastung ab sofort an der Supermarktkasse.
Mit dem heutigen 1. Juli 2026 tritt in Österreich eine deutliche Entlastung beim täglichen Einkauf in Kraft: Die Bundesregierung senkt die Mehrwertsteuer auf ausgewählte Grundnahrungsmittel dauerhaft von 10 auf 4,9 Prozent. Die gesetzliche Grundlage dafür wurde am 10. Juni 2026 im Bundesgesetzblatt kundgemacht, nachdem der Nationalrat am 21. Mai 2026 mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen die entsprechende Novelle zum Umsatzsteuergesetz beschlossen hatte.
Welche Produkte sind betroffen?
Der neue Steuersatz gilt konkret für Milch, Butter, Eier, Reis, Weizenmehl, Nudeln und Brot sowie für die meisten Gemüsesorten einschließlich Tiefkühlgemüse und für gängiges Stein- und Kernobst. Eine Besonderheit gilt bei Brot und Gebäck: Enthält ein Produkt mehr als fünf Prozent Fett in der Trockenmasse, bleibt der bisherige Steuersatz von 10 Prozent bestehen. Liegt der Fettgehalt darunter, greift der neue Satz von 4,9 Prozent. Der Satz wurde bewusst knapp unter der EU-rechtlichen Fünf-Prozent-Schwelle angesetzt, um die Vorgaben des Europarechts einzuhalten.
Ersparnis und fiskalische Auswirkungen
Laut Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl sollen private Haushalte durch die Senkung im Durchschnitt rund 100 Euro pro Jahr einsparen. Eibinger-Miedl bezeichnete die Maßnahme als „einen weiteren konkreten Schritt zur Bekämpfung der Teuerung" und verwies auf Expertenschätzungen, wonach die Inflationsrate bei vollständiger Weitergabe der Entlastung um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte sinken könnte. Für den Staatshaushalt bedeutet die Reform Mindereinnahmen von rund 400 Millionen Euro pro Jahr.
Der österreichische Lebensmittelhandel hat angekündigt, die steuerliche Entlastung vollständig und unmittelbar an die Konsumentinnen und Konsumenten weiterzugeben. Ob diese Zusage flächendeckend eingehalten wird, werden Preisbeobachtungen in den kommenden Wochen zeigen.
Politischer Hintergrund
Den formellen Ausgangspunkt bildete der Ministerratsbeschluss vom 28. Jänner 2026. Die Bundesregierung reagierte damit auf eine Phase außergewöhnlich hoher Lebensmittelinflation: In den Jahren 2022 und 2023 hatte die Teuerung bei Nahrungsmitteln mit bis zu 17 Prozent im Jahresvergleich deutlich über der allgemeinen Inflationsrate gelegen. Kai Jan Krainer (SPÖ) betonte im Nationalrat, die Halbierung der Mehrwertsteuer auf ausgesuchte Lebensmittel sei neben der Deckelung von Mieten und der Spritpreisbremse ein weiterer Schritt zur Inflationsbekämpfung, die für die Bundesregierung „eine der wichtigsten Aufgaben" darstelle. Kritischer äußerte sich Abgeordnete Fürtbauer, die von einer „komplizierten Regelung" sprach - etwa weil zwar Roggenbrot, nicht aber Roggenmehl begünstigt werde.
Bedeutung für Graz
Für Grazerinnen und Grazer macht sich die Änderung ab sofort an der Supermarktkasse bemerkbar. Wer täglich Brot, Milch, Eier oder heimisches Gemüse kauft, zahlt auf diese Produkte künftig rund die Hälfte weniger Mehrwertsteuer. In einer Stadt wie Graz, in der ein vergleichsweise hoher Anteil einkommensschwacher Haushalte lebt, ist die sozialpolitische Dimension der Maßnahme besonders spürbar: Günstigere Grundnahrungsmittel entlasten vor allem jene, die einen größeren Teil ihres Einkommens für Lebensmittel aufwenden müssen.
Weiterführende Informationen zu den betroffenen Produktgruppen und zur rechtlichen Grundlage stellt das Bundesministerium für Finanzen auf seiner Website bereit.