aktuellespolitik

Schulfassade Wies: Land blockiert Begrünungsprojekt

Die Marktgemeinde Wies im Bezirk Deutschlandsberg will ihr Schulzentrum per Fassadenbegrünung kühlen - doch das Land Steiermark lehnt das wissenschaftlich begleitete Projekt ab. Bürgermeister Josef Waltl geht nun mit dem Fall an die Öffentlichkeit.

· Von

Die Marktgemeinde Wies im Bezirk Deutschlandsberg steht vor einem fertigen Klimaschutzprojekt - und einer Blockade durch das Land Steiermark. Bürgermeister Josef Waltl will die Volksschule, die Mittelschule und die Musikschule der Gemeinde durch eine vollflächige Fassadenbegrünung kühlen. Das Projekt war EU-gefördert, vom ansässigen Regionalmanagement abgesegnet und wird wissenschaftlich von der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) begleitet. Ein Pilotprojekt wurde bereits umgesetzt. Dennoch stößt die Initiative bei der zuständigen Landesabteilung auf strikte Ablehnung.

Klare Absage aus Graz

Aus einem Gespräch in Graz nahm Waltl eine unmissverständliche Botschaft mit: „Nein, wir wollen das nicht. Das war eine klare Aussage auch in einem Gespräch in Graz. Wir wollen das nicht." In einem anschließenden Schreiben empfahl das Land der Gemeinde, stattdessen Bäume zu pflanzen. Der Haken daran: Direkt neben dem Schulgebäude verläuft die Sulm. „Wir sollen Bäume pflanzen, und anscheinend wissen die in Graz nicht einmal, dass zwei Meter neben der Schule die Sulm verläuft - ich kann nicht mitten in einem Fluss Bäume pflanzen", so Waltl.

Besonders irritiert zeigte sich der Bürgermeister über eine Formulierung im Landesschreiben, wonach der Klimawandel ein städtisches Phänomen sei und die entsprechende Erwärmung am Land nicht existiere. „Mir bleibt einfach nur der Mund offen, wenn ich so etwas lese", sagte Waltl. Die Gemeinde legte auf Anforderung des Landes auch eine Wirtschaftlichkeitsrechnung vor - ohne dass dies zu einer Kursänderung geführt hätte.

Pressekonferenz soll Druck aufbauen

Um das Projekt dennoch voranzutreiben, trat Waltl am 23. September 2026 vor die Presse. Ziel der Pressekonferenz sei es, das Vorhaben samt allen aufgetretenen Schwierigkeiten öffentlich darzulegen und das Land Steiermark zum Einlenken zu bewegen. Eine offizielle Stellungnahme der zuständigen Landesabteilung lag zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht vor.

Der Konflikt bekommt durch die Hitzewelle im Sommer 2026 zusätzliches Gewicht: In den Monaten Juni und Juli herrschten auch in vielen steirischen Schulen unerträgliche Temperaturen, was den Bedarf nach baulichen Kühlmaßnahmen deutlich unterstrichen hat.

Widerspruch zur Grazer Förderpolitik

Der Fall offenbart einen auffälligen Widerspruch innerhalb der Steiermark. Die Stadt Graz fördert seit 1. Januar 2026 aktiv Fassadenbegrünungen an privaten und öffentlichen Gebäuden - die entsprechende städtische Förderaktion läuft bis Ende des Jahres. Im Grazer Schulbau, etwa bei der Volksschule Bertha Von Suttner und der Mittelschule Albert Schweitzer im Bezirk Gries, wird Fassadenbegrünung ausdrücklich als zukunftsweisendes Instrument eingesetzt. Während die Landeshauptstadt das Instrument also aktiv vorantreibt, blockiert die für Wies zuständige Landesabteilung ein gleichartiges Projekt in einer steirischen Gemeinde.

Für die Marktgemeinde Wies bedeutet die anhaltende Ablehnung nicht nur einen bürokratischen Rückschlag, sondern auch den drohenden Verlust der ursprünglich vorgesehenen EU-Förderung. Wie es mit dem Projekt weitergeht, hängt nun davon ab, ob das öffentliche Echo auf die Pressekonferenz das Land Steiermark zu einer Überprüfung seiner Haltung bewegt.