Stadion Liebenau: Planungsbeschluss im Mai 2026 erwartet
Die Machbarkeitsstudie zum Ausbau des Stadions Graz-Liebenau liegt vor. Stadt Graz, SK Sturm und GAK haben sich auf ein Konzept geeinigt - der Planungsbeschluss soll im Mai 2026 im Gemeinderat fallen.
Die jahrelange Debatte um das Stadion Graz-Liebenau nähert sich einem entscheidenden Moment: Nachdem die von der Stadtbaudirektion erstellte Machbarkeitsstudie vorliegt und sich Stadt Graz, SK Sturm Graz und GAK 1902 auf eine gemeinsame Perspektive geeinigt haben, soll im Mai 2026 der Planungsbeschluss im Grazer Gemeinderat fallen. Das geht aus einer Aussendung der Stadt Graz hervor.
Abgespeckte Lösung: 60 bis 70 Millionen Euro statt 150 Millionen
Die ursprüngliche Machbarkeitsstudie, die im Oktober 2024 im Gemeinderat beschlossen und von der Stadtbaudirektion ausgearbeitet wurde, bezifferte die Gesamtkosten für einen vollständigen Ausbau auf rund 150 Millionen Euro. Dieser Betrag umfasst Planung, Bau und notwendige Grundstücksankäufe. Die nun von der Rathauskoalition aus KPÖ, Grünen und SPÖ angestrebte Lösung sieht ein reduziertes Investitionsvolumen von 60 bis 70 Millionen Euro vor, um die wichtigsten Ziele zu erreichen: eine Kapazitätserweiterung auf rund 20.000 Sitzplätze und die Herstellung der Champions-League-Tauglichkeit.
Konkret geplant sind laut Stadtportal die Absenkung des Rasens, die Erneuerung der Stadiontechnik sowie Verbesserungen an Fassade und Stadionvorplatz. Das Stadion, das seit dem 1. März 2026 wieder seinen historischen Namen Stadion Graz-Liebenau trägt - der Sponsorvertrag mit der Merkur Versicherung lief Ende Februar 2026 aus - bietet derzeit rund 15.400 Sitzplätze.
Eigentum bleibt öffentlich - Land Steiermark als Miteigentümer gefordert
Wie die Stadt Graz mitteilt, soll das Stadion im öffentlichen Eigentum verbleiben, während SK Sturm und GAK umfassende Rechte zur Nutzung und Vermarktung gegen eine Jahrespacht erhalten. Das von den Vereinen eingebrachte Konzept, das ihnen weitreichende Verfügungs- und Eigentumsrechte eingeräumt hätte, lehnte die Stadt ab: Es verstoße gegen Subventions- und Wettbewerbsrecht.
Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) machte zugleich deutlich: Sollte keine Einigung zustande kommen, werde die Stadt das Stadion mit rund 30 Millionen Euro sanieren, um den laufenden Betrieb zu sichern. Vizebürgermeisterin Judith Schwentner (Grüne) kündigte an, den Planungsbeschluss noch vor dem Sommer in den Gemeinderat einzubringen - vorausgesetzt, Land und Vereine tragen das Vorhaben mit.
Eine zentrale Bedingung bleibt die finanzielle Beteiligung des Landes Steiermark: Die Stadt sieht vor, dass das Land Miteigentümer der Stadion Verwaltungs GmbH und des Stadions selbst wird. Ohne substanzielle Landesmittel sei die Modernisierung nicht möglich, heißt es aus dem Rathaus. Ende Jänner 2026 nahmen erstmals auch hochrangige Vertreter der Landesverwaltung an den Arbeitsbesprechungen teil.
Betrieb soll sich selbst tragen - Fußball allein reicht nicht
Finanzstadtrat Manfred Eber (KPÖ) betonte, dass sich das Projekt langfristig selbst tragen müsse. Mit Fußballspielen allein lasse sich der Betrieb nicht finanzieren. Künftige Veranstaltungsformate wie Kongresse, Firmenfeiern oder Bälle sollen das Stadion wirtschaftlich absichern. Große Konzerte bleiben laut Stadt aufgrund von Lärmbelastung und Rasenproblemen ein heikles Thema.
NEOS-Gemeinderat Philipp Pointner begrüßte zwar die Bewegung in der Sache, mahnte aber ein tragfähiges Betreiberkonzept ein: Die Stadtregierung müsse sicherstellen, dass für die Stadt am Ende zumindest eine schwarze Null stehe - angesichts der angespannten Stadtfinanzen sei das unabdingbar.
UVP-Frage und weitere Hürden noch offen
Ob für den Umbau eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) notwendig wird, ist noch nicht geklärt. Die Stadt bereitet einen Feststellungsantrag an das Land Steiermark vor. Eine UVP würde den gesamten Prozess um mindestens zwei Jahre verlängern. Kritisch dürften dabei vor allem die Flächenerweiterung und die Parkplatzsituation werden. Laut Machbarkeitsstudie soll eine Schallfassade verhindern, dass Anrainerinnen und Anrainer durch erhöhtes Lärmaufkommen zusätzlich belastet werden.
Bereits im September 2025 erwarb die Stadt ein rund 6.166 Quadratmeter großes Grundstück am Zoisweg in unmittelbarer Stadionnähe um knapp sechs Millionen Euro - unter anderem für zusätzliche Stellplätze für TV-Übertragungswagen, die zuletzt ein K.o.-Kriterium der UEFA für die Champions-League-Zulassung waren. Klar ist: Die Stadionfrage in Graz beschäftigt die Stadtpolitik seit Jahren - nach dem heurigen Entscheidungsjahr soll nun noch vor den nächsten Gemeinderatswahlen Klarheit herrschen.
Stand: 26. April 2026