Steirischer Handel 2026: Reales Minus trotz Umsatzplus
Im ersten Halbjahr 2026 erwirtschaftete der steirische Handel 18,2 Milliarden Euro Umsatz - ein nominelles Plus von 1,7 Prozent. Nach Abzug der Preissteigerungen bleibt jedoch ein reales Minus von 1,2 Prozent, das vor allem den Einzelhandel und Graz als größtes Handelszentrum der Steiermark trifft.
Der steirische Handel hat im ersten Halbjahr 2026 einen Gesamtumsatz von 18,2 Milliarden Euro erzielt. Auf den ersten Blick scheint das erfreulich: Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem nominellen Plus von 1,7 Prozent. Doch hinter der Zahl verbirgt sich eine ernüchternde Realität. Bereinigt um die Preissteigerungen von 2,9 Prozent im Handel ergibt sich ein reales Umsatzminus von 1,2 Prozent.
Nominelles Wachstum, realer Rückgang
Gerhard Wohlmuth, Obmann der Sparte Handel der WKO Steiermark, kommentiert die Zahlen unmissverständlich: „18,2 Milliarden Euro Umsatz klingen auf den ersten Blick erfreulich. Entscheidend ist aber, was nach Abzug der Preissteigerungen bleibt - und hier liegt der steirische Handel aktuell unter dem Vorjahr." Zur Lage der Betriebe fügt er hinzu: „Eine Krisenstimmung ist vielleicht übertrieben, aber eine sehr angespannte Lage ist es absolut, weil ja sehr viele Betriebe Liquiditätsschwierigkeiten haben."
Differenziert nach Teilbranchen zeigt sich ein uneinheitliches Bild. Der steirische Einzelhandel kam im ersten Halbjahr auf rund 6,2 Milliarden Euro Umsatz, liegt aber ebenso wie der Großhandel real im Minus. Lediglich die Kfz-Wirtschaft verzeichnet ein reales Wachstum. Im Einzelhandel legt vor allem der Spiel- und Sportwarenhandel zu, während der Uhren- und Schmuckhandel deutliche Rückgänge verbucht. Der Verbraucherpreisindex lag im ersten Halbjahr bei 3,0 Prozent; die Preise im Einzelhandel stiegen mit 2,0 Prozent vergleichsweise moderat, im Großhandel hingegen mit 3,9 Prozent deutlich stärker.
Österreich auf EU-Schlusslicht-Position
Der Befund ist kein steirisches Sonderproblem. Österreichweit verzeichnete die Handelsbranche im ersten Halbjahr 2026 inflationsbereinigt ein Umsatzminus von 0,7 Prozent - nachdem 2025 erstmals seit 2021 ein reales Wachstum von 0,4 Prozent erzielt worden war. Unter den 27 EU-Staaten rangiert der heimische Einzelhandel damit auf Platz 25. Peter Voithofer vom Institut für Österreichs Wirtschaft (iföw) sieht kaum Licht am Ende des Tunnels: „Viele Indikatoren sind eher negativ, und es ist auch kein unmittelbarer Konjunkturaufschwung zu erwarten."
Als Ursachen gelten internationale Konfliktherde, die für anhaltende Unsicherheit sorgen, sowie ein neuerlicher Anstieg der Energiekosten. WKO-Handelsobmann Rainer Trefelik verwies zudem darauf, dass sich die strukturelle Schwäche der Branche „eigentlich seit 2019" durch den heimischen Handel ziehe - die kurze Erholungsphase 2025 war damit nur eine Episode.
Graz und der steirische Arbeitsmarkt unter Druck
Für Graz als größtes Handelszentrum der Steiermark bedeutet das reale Umsatzminus vor allem für den innerstädtischen Einzelhandel anhaltenden Kostendruck bei stagnierenden Absatzmengen. Auch der steirische Arbeitsmarkt spürt die Schwäche der Branche: Im ersten Halbjahr 2026 waren knapp 41.000 Personen beim AMS als arbeitslos gemeldet, ein Anstieg von 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders betroffen sind Frauen, bei denen der Anstieg mit 7,3 Prozent deutlich stärker ausfiel - ein Spiegelbild der Tatsache, dass der Handel eine frauendominierte Branche ist.
Die WKO Steiermark sieht die steirische Wirtschaft zwar als grundsätzlich resilient, ein Aufschwung ist laut aktuellem Wirtschaftsbarometer jedoch nicht in Sicht. Viele Unternehmen würden mit hohem Einsatz arbeiten, ohne dass die entsprechende Gewinnspanne erzielt werden könne.