Wasserstoffmotor TU Graz: Klimafreundlicher Strom am Campus
Die Technische Universität Graz hat am 31. August 2026 einen neuen Wasserstoffmotor in Betrieb genommen, der klimafreundlichen Strom und Abwärme direkt für den Campus liefert und als Ausgleich für Schwankungen im Stromnetz dienen soll.
Die Technische Universität Graz hat am 31. August 2026 einen neuen Wasserstoffmotor offiziell in Betrieb genommen. Das Aggregat, entwickelt am Large Engines Competence Center (LEC) der TU Graz unter Leitung von Projektleiterin Nicole Wermuth, soll eine klimafreundliche Alternative zu Gas- und Kohlekraftwerken darstellen und künftig Schwankungen im Stromnetz ausgleichen.
Motor läuft in Minuten hoch
Der entscheidende Vorteil des neuen Wasserstoffmotors liegt in seiner Reaktionsgeschwindigkeit: Wenn erneuerbare Energien wie Wind- oder Solarstrom kurzfristig nicht ausreichend verfügbar sind, kann der Motor binnen Minuten hochfahren und so Engpässe im Netz überbrücken. Wermuth erläutert das Prinzip so: „Wenn nicht genug Strom im System ist, dann können die Motoren in Minuten hochlaufen und damit das Energiesystem stützen, indem sie zusätzlichen Strom produzieren und damit ausgleichen, was eventuell in dem Moment gerade an Windkraft oder an Solar nicht produziert wird."
Der Motor ist bereits vollständig in das Energienetz des TU-Graz-Campus integriert. Strom und Abwärme werden direkt vor Ort genutzt. TU-Rektor Horst Bischof betont die Bedeutung für die Nachhaltigkeitsstrategie der Universität: „Die Abwärme und der Strom, der hier generiert wird, nutzen wir direkt am Campus und tragen damit erheblich zur Nachhaltigkeit bei."
Infrastruktur mit 10 Millionen Euro Bundesförderung
Die technische Grundlage bildet das Wasserstoff-Elektrolyse-Testzentrum am Campus Inffeldgasse, das mit einer Bundesförderung von 10 Millionen Euro finanziert wurde. Im Vollbetrieb produziert die Anlage bis zu 50 Kilogramm grünen Wasserstoff pro Stunde, der bei 80 bar in einem 190-Kilogramm-Tank gespeichert wird. Die Infrastruktur gilt als in Österreich einzigartig für die Entwicklung und Erprobung von Wasserstofftechnologien im industriellen Maßstab. Neben Großmotoren werden dort auch Turbinen, Wasserstoffbrenner und Brennstoffzellen-Stacks unter realitätsnahen Bedingungen getestet.
Eng verzahnt mit dem Testzentrum ist das HyCentA - die einzige außeruniversitäre Forschungseinrichtung Österreichs, die sich seit 2005 ausschließlich der Erforschung grüner Wasserstofftechnologien widmet und heute als COMET-K1-Kompetenzzentrum geführt wird. Gemeinsam mit dem LEC und dem BEST-Zentrum positioniert sich der Campus Inffeldgasse damit EU-weit unter den Top drei im Bereich Wasserstoffforschung. Insgesamt arbeiten rund 160 Wissenschaftlerinnen und Wissenschafter an der TU Graz an Erzeugung, Speicherung, Transport und Nutzung von Wasserstoff.
Steiermark als Wasserstoff-Vorreiter
Der neue Wasserstoffmotor ist eingebettet in eine breitere Strategie der Steiermark als Wasserstoff-Standort. Die Wasserstoffforschung an der TU Graz und der Montanuniversität Leoben wurde zuletzt mit 17 Millionen Euro gestärkt. Gemeinsam mit Oberösterreich und Kärnten treibt die Steiermark das EU-weite Wasserstoff-Valley voran. Der Grazer Campus liefert damit ein konkretes Vorzeigeprojekt: Jahrelanger Grundlagenaufbau mündet nun in einen Motor, der heute bereits klimafreundlichen Strom für den laufenden Betrieb einer der größten technischen Universitäten Österreichs bereitstellt. Als nächster Schritt wird auch ein Einsatz der Technologie in der Schifffahrt geprüft.