Graz ist eine Fußballstadt. Wer an einem Spieltag durch die steirische Landeshauptstadt geht, sieht Schwarz-Weiß und Rot-Weiß – die Farben von Sturm Graz und dem GAK, den beiden großen Traditionsvereinen der Stadt. Ihre Rivalität reicht über 100 Jahre zurück und macht das Grazer Derby zu einem der emotionalsten Duelle im österreichischen Fußball.
Beide Vereine teilen sich die Merkur Arena im Bezirk Liebenau – das größte Fußballstadion der Stadt und eine der modernsten Arenen des Landes. Wenn hier Derby-Tag ist, bebt das Stadion.
SK Sturm Graz: Die Schwoazen
Der SK Sturm Graz ist einer der erfolgreichsten Fußballvereine Österreichs und mit über 20.000 Mitgliedern einer der größten Sportvereine des Landes. Die Vereinsfarben Schwarz-Weiß brachten den Spielern den Spitznamen „die Schwoazen" ein.
SK Sturm Graz
Gründung: 1909 (statutengemäß 31. März 1912)
Farben: Schwarz-Weiß
Spitzname: Die Schwoazen
Mitglieder: 20.400 (Stand: Juni 2025)
Heimstätte: Merkur Arena (16.364 Plätze)
Hauptsponsor: Puntigamer (seit 1996)
Web: sksturm.at
Erfolge und Titel
Sturm Graz hat in den letzten Jahren eine beeindruckende Erfolgsgeschichte geschrieben. Die wichtigsten Titel:
| Wettbewerb | Titel | Jahre |
|---|---|---|
| Österreichischer Meister | 5× | 1997/98, 1998/99, 2010/11, 2023/24, 2024/25 |
| ÖFB-Cupsieger | 7× | 1995/96, 1996/97, 1998/99, 2009/10, 2017/18, 2022/23, 2023/24 |
| Double | 2× | 1998/99, 2023/24 |
| Supercup | 3× | – |
Europäische Erfolge
Sturm Graz ist Österreichs erfolgreichster Champions-League-Teilnehmer. In der Saison 2000/01 beendete die Mannschaft die Gruppenphase als Gruppensieger und zog in die Zwischenrunde der besten 16 Mannschaften Europas ein – ein bis heute unerreichter Erfolg für einen österreichischen Verein.
- Champions League Gruppenphase: 1998/99, 1999/2000, 2000/01 (Gruppensieger!), 2024/25 (Ligaphase)
- Europa League Gruppenphase: 2009/10, 2011/12, 2021/22, 2022/23, 2023/24, 2025/26
- UEFA-Cup Viertelfinale: 1983/84
- Europapokal der Pokalsieger Viertelfinale: 1975/76
In der Saison 2024/25 qualifizierte sich Sturm als Meister automatisch für die erstmals ausgetragene Ligaphase der Champions League. Die Heimspiele mussten aufgrund von UEFA-Anforderungen im Wörthersee Stadion in Klagenfurt ausgetragen werden. Unvergessen bleibt die „schwarz-weiße Völkerwanderung" mit rund 6.000 Sturm-Fans zum Auswärtsspiel nach Dortmund.
Geschichte: Von der Gruabn zur Merkur Arena
Die Wurzeln des SK Sturm reichen bis ins Jahr 1909 zurück, als im Grazer Augarten die „Grazer Fußballmannschaft Sturm" gegründet wurde. Die statutengerechte Vereinsgründung erfolgte am 31. März 1912 im Hotel Goldene Birn.
Die legendäre „Gruabn" – der Sturm-Platz an der Ecke Jakominigürtel/Klosterwiesgasse – war von 1919 bis in die 1990er-Jahre die Heimstätte des Vereins. Die 1934 errichtete Holztribüne existiert noch heute und dient als Trainingsgelände. Seit 1997 spielt Sturm in der Merkur Arena.
„Sturm ist seit 1966 ohne Unterbrechung in der höchsten Spielklasse vertreten – als einziger Verein außerhalb Wiens."
Grazer AK 1902: Die Roten
Der Grazer AK (offiziell GAK 1902) ist der ältere der beiden Grazer Traditionsvereine und galt historisch als der „Nobelklub" der Stadt – während Sturm eher die Arbeiterschaft ansprach. Die Vereinsfarben sind Rot-Weiß.
GAK 1902
Gründung: 1902 (Neugründung 2012 als GAK 1902)
Farben: Rot-Weiß
Spitzname: Die Roten, Rotjacken
Heimstätte: Merkur Arena
Web: gak.at
Geschichte und Wiederaufstieg
Der ursprüngliche GAK war einer der erfolgreichsten österreichischen Vereine der Nachkriegszeit: dreimal Meister (1994/95, 2003/04), viermal Cupsieger. 2007 kam jedoch der tiefe Fall: Der Verein ging insolvent und wurde aufgelöst.
2012 wurde der GAK 1902 neu gegründet und musste ganz unten – in der untersten Liga – wieder anfangen. Schritt für Schritt kämpfte sich der Verein zurück: 2019 der Aufstieg in die 2. Liga, 2024 die Rückkehr in die Bundesliga. Ein beeindruckendes Comeback einer der großen Traditionsvereine Österreichs.
Das Grazer Derby: Eine Rivalität seit über 100 Jahren
Die Rivalität zwischen Sturm und GAK ist älter als die Republik Österreich. Bereits 1921 kam es zu den ersten Duellen – und schon damals ging es heiß her. Ein Zeitungsbericht nannte ein Spiel 1929 die „Schlacht in der Körösistraße": Drei Spieler wurden ausgeschlossen, vier mussten verletzt vom Platz.
Das Derby hat über die Jahrzehnte nichts an Intensität verloren. Bei der Stadioneröffnung 1997 gewann Sturm das erste Spiel in der neuen Arena mit 4:0 gegen den GAK – Roman Mählich schoss bereits in der dritten Minute das erste Tor. Am 7. Dezember 2025 sahen 17.425 Zuschauer das Derby – ein neuer Rekord für die Merkur Arena.
Derby-Rekorde in der Merkur Arena
- Höchster Zuschauerschnitt: 17.425 (7. Dezember 2025)
- Erstes Tor im Stadion: Roman Mählich (3. Minute, 9. Juli 1997)
- Ergebnis Stadioneröffnung: GAK 0:4 Sturm (9. Juli 1997)
Die Merkur Arena: Heimat beider Vereine
Die Merkur Arena im Bezirk Liebenau ist seit 1997 das gemeinsame Zuhause von Sturm und GAK. Mit einer Kapazität von 16.364 Plätzen (bei Bundesligaspielen) ist sie das größte Fußballstadion der Stadt und eines der modernsten Österreichs.
Geschichte des Stadions
Das Stadion wurde auf dem Gelände des 1951 eröffneten Bundesstadions Liebenau errichtet. Der Neubau erfolgte 1994–1997 und wurde ursprünglich nach Arnold Schwarzenegger benannt, der aus einem Vorort von Graz stammt. 2005 entzog Schwarzenegger selbst die Namensrechte, nachdem er als Gouverneur von Kalifornien umstrittene Entscheidungen getroffen hatte. Seit 2016 trägt das Stadion nach dem Sponsor den Namen Merkur Arena.
| Merkur Arena – Fakten | |
|---|---|
| Kapazität | 16.364 Plätze (Bundesliga) |
| Eröffnung | 9. Juli 1997 |
| Lage | Bezirk Liebenau, Ivica-Osim-Platz 1 |
| Eigentümer | MCG Graz |
| Namensgeschichte | Arnold-Schwarzenegger-Stadion (1997–2005), UPC-Arena (2005–2016), Merkur Arena (seit 2016) |
Anreise zum Stadion
- Öffentlich: Straßenbahnlinie 4 oder 13 bis Haltestelle „Stadion Liebenau" (Endstation Linie 4)
- Auto: A2 Abfahrt Graz-Ost, Richtung Zentrum auf der Liebenauer Hauptstraße
- Parken: Stadion-Parkgarage mit 650 Stellplätzen oder Park & Ride am Murpark
Tickets und Preise
Tickets für Sturm-Spiele sind online im Fanshop auf shop.sksturm.at erhältlich sowie im Fanshop in der Hans-Sachs-Gasse 8 in der Innenstadt. Die Preise liegen zwischen €18 und €28 für Sitzplätze, die Fankurve ist etwas günstiger. Bei hochkarätigen Spielen (z.B. gegen Wiener Vereine) sind die Preise leicht erhöht.
Tickets für GAK-Spiele können online oder am Spieltag direkt an der Stadionkasse gekauft werden.
Die Saison 2024/25: Sturms Titelverteidigung
Die Saison 2024/25 war für Sturm Graz eine Achterbahnfahrt. Noch vor der Winterpause verließen mit Sportdirektor Andreas Schicker und Trainer Christian Ilzer zwei prägende Figuren den Verein – begleitet von mehreren Schlüsselspielern.
Doch das Team bewies Charakter: Unter dem neuen Trainer Jürgen Säumel, einer Vereinslegende, spielte sich Sturm wieder an die Spitze. In einem der spannendsten Titelrennen der Geschichte sicherten sich die Schwarz-Weißen mit einem 1:1 am letzten Spieltag gegen den WAC den fünften Meistertitel der Vereinsgeschichte.
Die Saison wurde in einer Dokumentarserie „Champions. Aus dem Sturm geboren." verewigt – über 200 Minuten, die die außergewöhnliche Spielzeit vom Dortmund-Auftritt bis zum nervenzerfetzenden Finale festhalten.
Mehr als nur Fußball
Die Merkur Arena ist nicht nur Spielstätte, sondern auch Veranstaltungsort für Konzerte, Firmenevents und sogar Nationalmannschaftsspiele. Stars wie Tina Turner, Metallica, AC/DC und Herbert Grönemeyer haben hier gespielt.
Direkt neben dem Fußballstadion liegt die Merkur-Eisarena mit 4.126 Plätzen – Heimat der Graz 99ers, des Grazer Eishockey-Vereins.
Fazit: Fußball als Lebensgefühl
Fußball in Graz ist mehr als Sport – es ist Identität. Die Rivalität zwischen Sturm und GAK spaltet Familien und Freundeskreise, verbindet aber gleichzeitig die Stadt. Ob Schwarz-Weiß oder Rot-Weiß: An einem Spieltag wird Graz zur Fußballstadt.
Sturm Graz schreibt gerade Geschichte: Fünf Meistertitel, zweimal das Double, regelmäßige Auftritte in Europa – und eine Fanbasis, die zu den leidenschaftlichsten des Landes gehört. Gleichzeitig zeigt der GAK, dass Traditionsvereine auch nach dem tiefsten Fall wieder auferstehen können.
Wer Graz verstehen will, muss ein Derby erlebt haben. Die Atmosphäre in der Merkur Arena, wenn 17.000 Fans ihre Mannschaft anfeuern, ist elektrisierend. Und ganz egal, wie das Spiel ausgeht: Danach wird gemeinsam in den Kneipen der Stadt gefeiert – oder getrauert.