GRAZ JOURNAL

Die Lurgrotte: Zwei Eingänge, eine Höhle

Neun Tage eingeschlossen, ein Tropfstein von Weltrekordformat und zwei Eingänge, die verschiedene Betreiber haben. Alle Preise, Führungszeiten und was Sie in Semriach und Peggau jeweils zu sehen bekommen.

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Die Lurgrotte: Zwei Eingänge, eine Höhle

Eine Höhle, zwei Betriebe

Die Lurgrotte ist die größte wasserdurchströmte Tropfsteinhöhle Österreichs und zieht sich unterirdisch zwischen den Ortschaften Semriach und Peggau durch den Berg. Was viele erst vor Ort merken: Es gibt zwei getrennte Eingänge mit zwei verschiedenen Betreibern, unterschiedlichen Preisen, unterschiedlichen Öffnungszeiten und unterschiedlichen Höhepunkten. Wer nur „Lurgrotte" ins Navi tippt, landet unter Umständen auf der falschen Seite des Bergs - beide Adressen lauten Lurgrottenstraße 1, die eine in 8102 Semriach, die andere in 8120 Peggau.

Der Semriacher Eingang liegt rund 25 Kilometer nördlich von Graz und führt zu den bekannten Formationen: dem Großen Dom und dem „Riesen". Der Peggauer Eingang liegt an der Bahnstrecke im Murtal und bietet dafür den längsten führbaren Höhlenweg Österreichs. Beide Seiten sind für sich einen Ausflug wert, und beide sind bei Schlechtwetter ein Ziel, das unabhängig vom Wetter funktioniert - unter Tage regnet es ohnehin.

Neun Tage in der Höhle

Die älteste bekannte Darstellung der Höhle stammt aus den Jahren 1601 bis 1605; schon damals vermutete man, dass der Lurbach unterirdisch von Semriach nach Peggau fließt. Urkundlich erwähnt wird die Grotte erstmals 1822. Als Entdecker gilt Max Brunello, der am 1. April 1894 den Großen Dom erreichte.

Berühmt wurde die Höhle noch im selben Jahr durch ein Unglück. Am 29. April 1894 stiegen sieben Höhlenforscher trotz starker Regenfälle ein und wurden vom steigenden Wasser neun Tage lang eingeschlossen. Was daraufhin passierte, hat die Höhle weltbekannt gemacht: An der Rettungsaktion beteiligten sich nach Darstellung des Peggauer Betriebs über 1.000 Helfer, darunter Bergknappen und ein eigens angereister Taucher aus Triest, während rund 7.000 Schaulustige vor dem Eingang warteten. Alle sieben kamen lebend heraus.

Von Peggau aus war die Höhle zunächst gar nicht zugänglich, weil der Schmelzbach den Weg blockierte. Erst nach 1913 senkte ein Entwässerungsstollen den Wasserspiegel um sieben Meter und öffnete auch diese Seite. Die erste vollständige Durchquerung gelang am 13. Februar 1935: Für die rund sechs Kilometer brauchten die Forscher 17 Stunden. Nach zwanzig Jahren Wegebau konnten geführte Gruppen die Höhle ab 1963 in drei bis vier Stunden durchqueren.

Damit war 1975 Schluss. Ein Jahrhunderthochwasser, das über 10.000 Liter pro Sekunde mit sich führte, zerstörte die Weganlagen. Führungen durch die gesamte Lurgrotte gibt es seither nicht mehr und werden auch nicht angeboten. Heute sind auf der Semriacher Seite wieder zwei Kilometer begehbar; die Höhle gehört dort nach wie vor der Familie Schinnerl, die sich seit fünf Generationen um Ausbau und Erhalt kümmert. Die Etappen stehen auf der Geschichtsseite der Lurgrotte Semriach und ausführlicher noch bei der Lurgrotte Peggau.

Geführt wird übrigens seit 1895, damals noch auf Wegen, die mit den heutigen wenig zu tun hatten. Die Lurgrotte gehört damit zu den ältesten Schauhöhlen des Landes, und weil an den Steiganlagen über Jahrzehnte gebaut, zerstört und wieder gebaut wurde, sieht man die Erschließungsgeschichte beim Gehen bis heute.

Der Eingang Semriach: Großer Dom und „Riese"

Die Highlights, für die die Lurgrotte bekannt ist, liegen ausschließlich auf der Semriacher Seite. Dazu zählen der „Große Dom", einer der größten Höhlendome Mitteleuropas, und der „Riese", nach Angabe des Betreibers der größte freihängende Tropfstein der Welt. Im Dom gibt es zusätzlich ein Licht- und Klangerlebnis, das die Größe des Raums erst richtig zeigt.

Die Führung dauert ab fünf Erwachsenen rund 70 Minuten, bei zwei bis vier Erwachsenen etwa 55 Minuten. Ein Besuch ist ausschließlich im Rahmen einer geführten Tour möglich, Treffpunkt ist zehn Minuten vor Beginn beim Eingang.

Semriach, Preise 2026EinzelGruppe ab 20 Personen
Erwachsene12,00 €10,00 €
Kinder8,00 €7,00 €
Studierende10,00 €-

Inhaber der GenussCard kommen gratis hinein. Gruppen ab zehn Personen sollten sich anmelden, um Wartezeiten zu vermeiden. Die Preise und Führungsdauern stehen auf der Preisseite der Lurgrotte Semriach.

Führungszeiten in Semriach

Im Sommerbetrieb von 15. April bis 31. Oktober starten täglich Führungen um 11:00, 14:00 und 15:30 Uhr. In der Hochsaison vom 11. Juli bis 6. September 2026 kommen zusätzliche tägliche Termine um 9:40 und 12:40 Uhr dazu.

Im Winterbetrieb von 2. November bis 14. April wird nur am Wochenende geführt: samstags um 14:00 Uhr, sonntags um 11:00 Uhr. In den Weihnachtsferien vom 27. Dezember bis 6. Jänner gibt es täglich eine Führung um 11:00 Uhr. Geschlossen bleibt die Höhle am 1. November sowie am 25. und 26. Dezember. Wer im Winter mit einer kleinen Gruppe kommt, sollte vorher anrufen: Termine außerhalb der regulären Zeiten sind ab fünf Erwachsenen möglich, telefonisch unter +43 664 3497219.

Eine Besonderheit ist die Abenteuertour um 50 Euro pro Person, die ausschließlich im Winterbetrieb angeboten wird - keine Spazierführung, sondern eine Tour abseits der ausgebauten Wege.

Der Eingang Peggau: zwei Kilometer Führungsweg

Auf der Peggauer Seite liegt mit über zwei Kilometern der längste führbare Höhlenweg Österreichs. Hier gibt es zwei Varianten, und der Unterschied ist erheblich: die einstündige und die zweistündige Führung. Im Eintritt enthalten sind außerdem der Besuch des Höhlenmuseums und des Urgeschichtlichen Museums Peggau.

Peggau, Preise 20261 Stunde2 Stunden
Erwachsene12,00 €17,00 €
Jugendliche 15 bis 17 Jahre8,50 €11,50 €
Kinder8,00 €11,00 €
Erwachsene, Gruppe ab 2010,00 €15,00 €
Kinder, Gruppe ab 207,00 €9,00 €

Gratis hinein kommt man auch hier mit der GenussCard sowie mit dem Vorteilsprogramm der Energie Steiermark. Bezahlt wird bar oder mit Bankomatkarte, Reisegruppen können per Voucher oder Rechnung abrechnen. Alle Tarife stehen auf der Preisseite der Lurgrotte Peggau.

Die Saison läuft von 1. April bis 31. Oktober. Im April und ab Anfang September wird von Montag bis Freitag um 11, 13 und 15 Uhr geführt, an Wochenenden und Feiertagen stündlich von 10 bis 15 Uhr. Von 5. Juli bis 7. September gilt der Stundentakt von 10 bis 15 Uhr an allen Tagen. Ab 1. November ist die Lurgrotte Peggau grundsätzlich geschlossen, es gibt aber an den Wochenenden im November, Dezember, Jänner, Februar und März jeweils Führungen um 11 Uhr, sofern mindestens fünf Erwachsene zusammenkommen. In den Wintermonaten ist der Betrieb nur Montag bis Freitag von 10 bis 15 Uhr am Handy erreichbar, unter +43 680 2324281. Auch hier gibt es eine Abenteuerführung, von Dezember bis März, fünf bis sechs Stunden lang, um 80 Euro pro Person.

Mit Kindern, Kinderwagen und Hund

Der Semriacher Eingang ist der familienfreundlichere von beiden. Hunde an der Leine sind willkommen, und vom Parkplatz bis zur halben Führungsstrecke sind keine Stufen zu bewältigen - für Kinderwagen, ältere Gäste und Gruppen mit eingeschränkter Mobilität ein Argument, das kaum eine Schauhöhle bieten kann.

Unabhängig vom Eingang gilt: In der Höhle ist es dauerhaft kühl und feucht, auch wenn draußen 33 Grad herrschen. Eine Jacke gehört also selbst im Hochsommer ins Gepäck, dazu Schuhe mit Profil, weil die Wege nass sind. Genau deshalb ist die Lurgrotte einer der wenigen Ausflüge, die im Hochsommer und bei Dauerregen gleichermaßen funktionieren - mehr Ideen für graue Tage stehen in unserem Beitrag Graz bei Regen, weitere Familienziele unter Graz mit Kindern.

Die Fledermäuse im Winterquartier

Was viele Besucher nicht wissen: Die Lurgrotte ist eines der größten Winterquartiere für höhlenüberwinternde Fledermäuse der Steiermark. Häufigster Wintergast ist die Familie der Hufeisennasen, die kopfüber und in ihre Flughäute gehüllt frei von der Decke hängt. Die Kleine Hufeisennase wiegt zwischen 3,5 und 10 Gramm bei 19 bis 25 Zentimetern Flügelspannweite und kann bis zu 21 Jahre alt werden - das Durchschnittsalter liegt allerdings bei nur zweieinhalb bis drei Jahren. Die Große Hufeisennase bringt 17 bis 34 Gramm auf die Waage und wird über 30 Jahre alt.

Alle heimischen Fledermäuse sind reine Insektenfresser und vertilgen in einer Nacht bis zu einem Viertel ihres Körpergewichts an Gelsen, Motten und Faltern. Trotzdem stehen sämtliche in Österreich heimischen Arten auf der Roten Liste. Für Besucher heißt das vor allem eines: Im Winter ist Ruhe geboten, weil jedes Aufwecken die Tiere Energiereserven kostet, die sie bis zum Frühjahr brauchen. Wer mehr darüber wissen will, findet die Zusammenstellung auf der Fledermausseite der Lurgrotte Peggau, die auch die fledermauskundlichen Exkursionen im Mittelsteirischen Karst dokumentiert. Praktisch trifft sich das mit dem Betrieb: Genau in der Zeit, in der die Tiere hängen, ist der Peggauer Eingang ohnehin nur an einzelnen Wochenenden in Betrieb.

Anfahrt und Kombination

Nach Semriach fährt man von Graz aus rund eine halbe Stunde über Weinitzen oder über Peggau; der Betreiber weist darauf hin, dass die Höhle auch über den Verkehrsverbund und das Carsharing-System tim erreichbar ist. Peggau liegt direkt an der Bahnstrecke Graz-Bruck, was diesen Eingang zur einzigen Schauhöhle der Region macht, die sich bequem ohne Auto erreichen lässt - eine gute Kombination für alle, die den Ausflug mit einer Wanderung im Murtal verbinden wollen.

Wer beide Seiten sehen will, plant zwei getrennte Besuche: Die Durchquerung von einem Eingang zum anderen ist seit dem Hochwasser 1975 nicht mehr möglich. Ein Tag mit Führung in Semriach und anschließendem Besuch des Urgeschichtlichen Museums in Peggau ist trotzdem machbar, wenn man die Führungszeiten beider Betriebe vorher abgleicht. Weitere Ziele in Fahrweite stehen in unserer Übersicht der Ausflugsziele rund um Graz und im Beitrag Graz im Sommer. Stand August 2026.

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