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Schlossberg Graz: Die nie eroberte Festung

Schlossberg Graz: Die nie eroberte Festung

Welche Stadt kann sich rühmen, mitten in der Altstadt einen grünen, wanderbaren Berg zu besitzen? Graz kann. Der Schlossberg erhebt sich 123 Meter über dem Hauptplatz und zieht die Menschen das ganze Jahr über an: im Frühling mit frischem Grün, im Sommer mit schattigen Wegen und Open-Air-Veranstaltungen, im Herbst mit seiner Farbenpracht, im Winter als Fluchtpunkt vor dem Grau der Stadt.

Oben angekommen erwartet Sie ein 360-Grad-Panorama über die roten Ziegeldächer der UNESCO-Welterbe-Altstadt, die Hügel der Umgebung und – bei klarer Sicht – die Alpen. Frisch Verliebte wissen das schon lange: Der Schlossberg gilt als romantischer Treffpunkt Nummer eins in Graz.

Die Geschichte: Von Gradec bis Guinness

Der Name „Graz" selbst verdankt sich dem Schlossberg. Im 12. Jahrhundert stand hier eine kleine Burg, die der Siedlung am Fuß des Berges ihren Namen gab – abgeleitet vom slowenischen „gradec" für „kleine Burg". Ab 1544 ließ der italienische Baumeister Domenico dell'Allio die Anlage zu einer mächtigen Renaissancefestung ausbauen.

Das Ergebnis war beeindruckend: Die Festung auf dem Schlossberg wurde nie erobert – und ist deshalb im Guinness-Buch der Rekorde als stärkste Festung aller Zeiten eingetragen. Selbst Napoleon scheiterte 1809 an den Mauern. Erst als er Wien besetzte und mit der Zerstörung der Hauptstadt drohte, ergab sich Graz. Die Festungsanlagen wurden geschleift – bis auf zwei Türme, die die Grazer Bürger freikauften: den Uhrturm und den Glockenturm.

Der Freikauf von 1809

Die Grazer Bürger zahlten exakt 2.987 Gulden und 11 Kreuzer für den Uhrturm – heute umgerechnet etwa 90.000 Euro. Eine Investition, die sich gelohnt hat: Der Turm ist heute das meistfotografierte Motiv der Stadt.

Die Teufelssage

Die Entstehung des Schlossbergs erklärt eine alte Sage: Der Teufel hatte den Grazern versprochen, ihren Hausberg Schöckl noch höher zu machen – im Tausch gegen die Seele des ersten Menschen, der den erhöhten Gipfel besteigt. Als er mit einem riesigen Felsbrocken aus Afrika über Graz flog, sah er unter sich eine Prozession. Es war Ostersonntag – ein Tag, an dem der Teufel keine Macht über Menschen hat. In seinem Zorn schleuderte er den Felsen auf die Stadt. Der zerbrach in zwei Teile: Der größere wurde zum Schlossberg, der kleinere zum Austein, auf dem heute der Kalvarienberg steht.

Der Uhrturm: Das Wahrzeichen

Der 28 Meter hohe Uhrturm ist das unbestrittene Wahrzeichen von Graz. Weithin sichtbar thront er auf dem südlichen Ende des Schlossbergs, mit seinen über fünf Meter großen Zifferblättern und vergoldeten Zeigern. Doch irgendetwas stimmt hier nicht – wer genauer hinschaut, bemerkt: Die Zeiger sind vertauscht!

Der Grund ist praktischer Natur: Ursprünglich gab es nur einen großen Stundenzeiger, damit man die Zeit auch aus der Ferne ablesen konnte. Als später die Minutenzeiger hinzukamen, behielt man die Größenverhältnisse bei. So zeigt der große Zeiger die Stunden, der kleine die Minuten – umgekehrt als gewohnt. Ein Kuriosum, das für manchen verwirrten Uhrenvergleich sorgt.

Das Uhrwerk von 1712, gebaut von Michael Sylvester Funck, funktioniert noch heute – seit Mitte des 20. Jahrhunderts elektrisch betrieben. Die älteste Glocke im Turm stammt aus dem Jahr 1382 und schlägt noch immer die Stunden.

Der Glockenturm und die „Liesl"

Der 38 Meter hohe Glockenturm von 1588 beherbergt die drittgrößte Glocke der Steiermark: die „Liesl". Der Überlieferung nach wurde sie aus 101 türkischen Kanonenkugeln gegossen – und schlägt deshalb dreimal täglich genau 101 Mal: um 7:00, 12:00 und 19:00 Uhr. Im Kellergeschoss des Turms befindet sich ein ehemaliges Verlies.

Die Wege nach oben

Es gibt mehrere Möglichkeiten, den Schlossberg zu erklimmen – für jeden Geschmack und jede Kondition:

Aufstieg Dauer/Details Preis
Kriegssteig 260 Stufen, im 1. WK in den Fels gehauen Gratis
Schlossbergweg Serpentinenweg vom Karmeliterplatz Gratis
Schlossbergbahn Standseilbahn, 1,5 Min., 60% Steigung € 3,20 (Öffi-Ticket)
Schlossberglift Glaslift durch den Berg, 30 Sekunden € 2,50

Die Schlossbergbahn: Seit 1894

Die Schlossbergbahn ist selbst eine Attraktion. Seit 1894 befördert die Standseilbahn Fahrgäste auf den Berg – und überwindet dabei eine Steigung von 60 Prozent. Fun Fact: Was haben Graz und die Niagarafälle gemeinsam? Beide setzen auf Standseilbahnen.

Die modernen Wagen mit Glasdächern bieten einen spektakulären Panoramablick auf die Altstadt. Die Bahn fährt alle 15 Minuten, bei Bedarf auch öfter. Alle Tickets der Graz Linien (Zone 1) sind gültig – auch das KlimaTicket.

Öffnungszeiten Schlossbergbahn

  • April–September: Mo–Do 9–24 Uhr, Fr–Sa 9–2 Uhr, So/Feiertag 9–24 Uhr
  • Oktober–März: Mo–Do 10–24 Uhr, Fr–Sa 10–2 Uhr, So/Feiertag 10–24 Uhr
  • Talstation: Kaiser-Franz-Josef-Kai 38

Der Schlossberglift

Wer es noch schneller will: Der Schlossberglift bringt bis zu 15 Personen in 30 Sekunden durch das Innere des Berges nach oben. Die Glaskabinen bieten einen bizarren Blick auf die bunt beleuchteten Stollen. Besonders praktisch für Eltern mit Kinderwagen oder Menschen mit eingeschränkter Mobilität.

Das Stollensystem: 6 Kilometer unter der Erde

Was viele nicht wissen: Der Schlossberg ist durchzogen von einem über 6 Kilometer langen Stollensystem. Während des Zweiten Weltkriegs mussten Zwangsarbeiter diese Gänge anlegen, die mit bereits bestehenden Naturstollen verbunden wurden. Sie dienten als Luftschutzbunker für bis zu 40.000 Menschen, als Kommandozentrale und Lazarett.

Heute beherbergen die Stollen einige der spannendsten Attraktionen des Schlossbergs:

  • Dom im Berg: Eine einzigartige Veranstaltungshalle für Konzerte, Theater und Events – tief im Berg gelegen
  • Schlossbergrutsche: Mit 175 Metern die höchste Underground-Rutsche der Welt (ab 1,30 m Körpergröße)
  • Grazer Märchenbahn: 35 Minuten Fahrt durch märchenhafte Stationen – Hexenreich, Schatzhöhle, Märchenwald

Sehenswürdigkeiten am Berg

Neben Uhrturm und Glockenturm gibt es auf dem Schlossberg zahlreiche weitere Kleindenkmäler zu entdecken:

  • Hackher-Löwe: Denkmal für Major Franz Xaver von Hackher, der 1809 mit einer Handvoll Soldaten die monatelange Belagerung durch die Franzosen standhielt
  • Große Zisterne: Ein 16 Meter tiefer Kessel mit 900.000 Litern Fassungsvermögen, erbaut im 16. Jahrhundert
  • Türkenbrunnen: 94 Meter tief bis zum Grundwasser der Mur – versorgte die Burg während Belagerungen
  • Stallbastei: Reste der Festungsanlage mit Kanonenhütte
  • Steinerner Hund: Unterhalb des Uhrturms – erinnert an die Legende, wie ein Hund 1481 die Kaisertochter Kunigunde vor einer Entführung bewahrte
  • Chinesischer Pavillon: Mit Bischofsstuhl und Türkenstuhl

Gastronomie mit Aussicht

Vom Biergarten bis zum Haubenrestaurant ist am Schlossberg für jeden Geschmack gesorgt. Das aiola upstairs am Fuß des Uhrturms bietet nicht nur eine Haube im Gault&Millau, sondern auch einen der spektakulärsten Ausblicke der Stadt. Bei schönem Wetter verschwinden die Glasfronten im Boden und geben den Blick auf das Panorama frei.

Direkt bei der Bergstation der Schlossbergbahn lädt das Schlossberg Restaurant zur Einkehr – ideal nach dem Aufstieg oder vor dem Abstieg.

Events am Schlossberg

Der Schlossberg ist auch ein beliebter Veranstaltungsort. Die Kasematten – die ehemaligen Festungsgewölbe – dienen als eine der schönsten Freilichtbühnen Europas, bei Regen sogar überdacht. Im Sommer finden hier Konzerte, Theateraufführungen und das traditionelle Kasematten-Kino statt.

Auch der Dom im Berg ist ein gefragter Eventort für besondere Anlässe – von Firmenevents bis zu Konzerten zeitgenössischer Musik.

Praktische Informationen

Attraktion Preis Erwachsene Preis Kinder
Schlossbergbahn (Einzelfahrt) € 3,20 € 1,60
Schlossberglift (Einzelfahrt) € 2,50 € 1,80
Kombiticket Bahn + Lift € 4,70 € 3,00
Schlossbergrutsche € 3,00 € 3,00
Märchenbahn € 6,00 € 4,00

Tipps für Ihren Besuch

  • Graz Card: Freie Fahrt mit Schlossbergbahn und vielen weiteren Attraktionen
  • Beste Zeit: Sonnenuntergang für magisches Licht über der Stadt
  • Führungen: Juni bis Oktober, samstags um 17:00 Uhr
  • Radfahren: Am Schlossberg nicht erlaubt
  • Hunde: Willkommen, für Bahn/Lift Ticket erforderlich (€ 1,60)

Aktuell: Brückensanierung bis März 2026

Hinweis für Besucher: Die Schlossbergbahn-Brücke wird derzeit saniert. Die Bahn fährt wie gewohnt, und alle Hauptwege am Schlossberg sind offen. Lediglich die Brücke selbst und angrenzende Wege bleiben bis März 2026 gesperrt.

Fazit: Graz von oben

Der Schlossberg ist mehr als eine Sehenswürdigkeit – er ist das grüne Herz von Graz. Ob zum Spazierengehen, für den romantischen Sonnenuntergang, zum Entdecken der Geschichte oder einfach für den besten Blick über die Stadt: Ein Besuch auf dem Schlossberg gehört zu jedem Graz-Aufenthalt. Und mit seinen vielen Aufstiegsmöglichkeiten, von sportlich bis bequem, ist er für jeden zugänglich.

Nehmen Sie sich Zeit, wandern Sie die verschlungenen Wege, entdecken Sie die Kleindenkmäler und genießen Sie den Panoramablick. Der Schlossberg erzählt auf Schritt und Tritt von der bewegten Geschichte der Stadt – und ist gleichzeitig ein lebendiger Ort, an dem Grazer und Gäste zusammenkommen.