Der Schöckl: Seilbahn, Wanderwege und das Plateau
1.445 Meter, sieben Minuten Gondelfahrt, 40 Kilometer Wege am Berg. Was die Auffahrt kostet, wie lange der Aufstieg dauert und was am Plateau auf Sie wartet.
Der Berg, an dem Graz seine Sonntage verbringt
Der Schöckl steht mit 1.445 Metern als letzter größerer Gipfel am Südostrand des Alpenhauptkamms, bevor das Land zum Flachland hin abfällt. Genau diese Lage macht ihn aus: Von oben sieht man an klaren Tagen bis ins Burgenland und nach Slowenien, und weil davor nichts mehr kommt, fangen sich am Plateau Winde, die andere Berge nie erreichen. Sein Name ist älter als jede Tourismusbroschüre - er taucht 1147 als „Monssekkel" auf und geht auf eine slawische Wurzel zurück.
Verwaltet wird der Berg von der Gemeinde St. Radegund bei Graz, gut 15 Kilometer nordöstlich der Stadt. Die Grazer fahren hinauf, seit es die Straßenbahn ins Umland gibt, und sie tun es zu jeder Jahreszeit: im Sommer wegen der Kühle, im Herbst wegen der Fernsicht, im Winter wegen der Chance, über dem Nebel zu stehen, der im Grazer Becken tagelang liegen bleibt.
Mit der Seilbahn in sieben Minuten hinauf
Die Schöckl Seilbahn ist das Verbindungsstück zwischen Tal und Plateau und wird von der Holding Graz betrieben. Die Sechser-Gondelbahn überwindet auf 2,1 Kilometern Strecke 655 Höhenmeter und braucht dafür rund sieben Minuten bis zur Bergstation auf 1.436 Metern. Pro Jahr befördert sie etwa 180.000 Gäste. Zwei Gondeln sind für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste eingerichtet, drei weitere nehmen Fahrräder mit - Downhiller müssen ihr Rad also nicht schieben.
Die Betriebszeiten wechseln mit der Saison: Von Mai bis Oktober fährt die Bahn Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr, an Samstagen, Sonntagen, Feiertagen und in den Sommerferien bis 18 Uhr. Von November bis April gilt täglich 9 bis 16:30 Uhr. Bei schlechter Wetterlage steht die Bahn, und im Frühjahr fällt sie für die vorgeschriebene Revision einige Wochen aus - ein Blick auf die Seite der Schöckl Seilbahn der Holding Graz vor der Fahrt lohnt sich also.
Was die Auffahrt kostet
| Einzelkarte | Berg- und Talfahrt | Berg- oder Talfahrt |
|---|---|---|
| Erwachsene | 19,40 € | 10,40 € |
| Ermäßigt (Senioren, Studierende, Alpenverein, Familienpass) | 17,30 € | 9,10 € |
| Kinder von 6 bis 18 Jahren | 8,60 € | 5,20 € |
| Gruppen ab 15 Personen, Erwachsene | 14,70 € | 8,30 € |
| Gruppen ab 15 Personen, Kinder | 7,40 € | 4,70 € |
Kinder unter sechs Jahren fahren gratis, ebenso Assistenzhunde und Kleintiere in Transportboxen; für alle anderen Hunde gelten Maulkorb- und Leinenpflicht. Wer öfter kommt, greift zur Mehrfahrtenkarte: Sechs Berg- und Talfahrten kosten 104,70 Euro, fünfzehn 232,60 Euro, jeweils sechs Monate gültig und nicht übertragbar. Wer mit der Seilbahn fährt, parkt gratis.
Für Downhill-Fahrer gibt es eigene Radkarten: vier Stunden mit Rad kosten 37,70 Euro, die Tageskarte 42,40 Euro, die einzelne Bergfahrt 15,70 Euro; für Kinder mit Rad sind es 21,50, 26,90 und 8,80 Euro. Die Monatskarte für Berg- und Talfahrt liegt bei 83,60 Euro. Alle Tarife stehen auf der Preisseite der Holding Graz, Stand August 2026.
Zu Fuß hinauf: rund zweieinhalb Stunden
Der klassische Aufstieg beginnt bei der Talstation in St. Radegund und folgt dem Weg Nr. 6 durch den Wald. Die Tour ist 5,44 Kilometer lang, überwindet 619 Höhenmeter und dauert etwa zweieinhalb Stunden; sie führt über Wurzeln und felsiges Gelände und gilt als mittelschwer. Unterwegs zweigen Wege zum Schöcklkreuz und zur Wallerhütte ab. Viele gehen hinauf und fahren mit der Bahn zurück, was den Knien einen 600-Meter-Abstieg erspart und mit 10,40 Euro für die Talfahrt zu Buche schlägt.
Insgesamt liegen rund 40 Kilometer Wander- und Spazierwege am und um den Berg, dazu eine Orientierungslaufstrecke am Plateau. Wer nicht klettern will, sondern spazieren, findet oben den barrierefreien Rundweg „Wege für ALLE", der ohne Stufen um das Plateau führt. Weitere Strecken in und um die Stadt stehen in unserer Übersicht zum Laufen in Graz.
Das Stubenberghaus: Österreichs einzige denkmalgeschützte Schutzhütte
Oben angekommen steht man vor einem Haus mit ungewöhnlichem Status. Das Stubenberghaus wurde 1889/90 errichtet und ist nach eigener Angabe die einzige denkmalgeschützte alpine Schutzhütte Österreichs. Eigentümer ist die Sektion Graz des Alpenvereins, geführt wird es von der Pächterfamilie Brauchart.
Die Öffnungszeiten folgen dem Berg: In der Sommersaison von Mai bis September ist Montag, Mittwoch und Donnerstag von 9 bis 17 Uhr offen, Freitag bis Sonntag und an Feiertagen von 8 bis 17:30 Uhr, Dienstag ist Ruhetag. Von Oktober bis April gilt Mittwoch und Donnerstag 9 bis 16:30 Uhr, Freitag bis Sonntag 8 bis 17 Uhr, geschlossen ist Montag und Dienstag. Übernachten kann man ebenfalls, die Zimmer sind auf der Seite des Stubenberghauses beschrieben. Wer den Sonnenaufgang über dem Nebelmeer sehen will, hat damit die einfachste Lösung - andere Aussichtspunkte listet unser Beitrag zum Sonnenuntergang in Graz.
Der Hexenexpress und der Rest des Plateaus
Die Sommerrodelbahn „Hexenexpress" ist für viele Familien der eigentliche Grund für die Auffahrt. Sie ist 1.000 Meter lang, führt von der Bergstation hinunter zur Halterhütte, hat sieben Kurven und zwei Jumps und erlaubt bis zu 40 km/h, wobei jeder selbst bremst. Sie läuft von Mai bis Oktober, Montag bis Freitag von 10 bis 16:30 Uhr, an Wochenenden, Feiertagen und in den Sommerferien bis 17:30 Uhr. Die Karten gibt es nur oben am Berg.
Für die Mitfahrt gelten klare Regeln: Kinder unter vier Jahren dürfen nicht mitfahren. Ab vier Jahren und bis zu einer Körpergröße von 135 Zentimetern nur gemeinsam mit einer erwachsenen Person, ab 135 Zentimetern allein, sofern das Kind die Bremse über die gesamte Abfahrt selbst bedienen kann. Bei Regen oder dichtem Nebel steht die Bahn.
Daneben liegt ein Disc-Golf-Parcours mit 18 Körben, der sich als Rundweg um den Gipfel zieht: 3,5 Kilometer, 300 Höhenmeter, etwa zweieinhalb Stunden. Wurfscheiben bekommen Sie gegen 10 Euro Einsatz bei den Gasthöfen am Berg sowie an Berg- und Talstation. Der Motorikparcours „Balance" mit zehn Modulen ist frei zugänglich und kostet nichts, er liegt fünf Gehminuten von der Seilbahn entfernt. Und für alle, die gern suchen: Am Schöckl sind 25 Geocaches versteckt, zwölf weitere in St. Radegund.
An der Talstation steht seit Juli 2016 der Kletterpark Schöckl, ein Waldhochseilgarten mit vier Parcours in Höhen von 2 bis 12 Metern, darunter ein Tarzanschwung und ein Sprung ins Leere aus rund sechs Metern. Die letzte Einschulung findet immer zwei Stunden vor Betriebsschluss statt, die Zeiten wechseln stark mit der Saison und stehen auf der Seite des Kletterparks Schöckl. Wer lieber an der Wand hängt, findet Alternativen in unserer Übersicht zum Klettern in Graz. Die Familienangebote der Stadt sammelt der Beitrag Graz mit Kindern.
Räder, Drachen, Gleitschirme
Der Schöckl ist einer der wenigen Berge, an dem Wandern, Downhill und Flugsport gleichzeitig stattfinden. Rund um den Berg führt der Panorama-Radrundweg über 38 Kilometer, dazu kommt eine MTB-Strecke über 8 Kilometer und die Trail Area Schöckl mit mehreren Downhillrouten, für die die Seilbahn die Räder hinaufbringt. Routen für den Alltag in der Stadt stehen in unserem Beitrag zum Radfahren in Graz.
In der Luft ist noch mehr los: Mit mehr als 4.000 Starts pro Jahr zählt der Schöckl zu den meistfrequentierten Drachen- und Paragleit-Fluggebieten Europas. Der Grund ist wieder die Lage am Übergang vom Alpenrand ins Flachland, die für Streckenflüge taugt. Wer an einem thermikstarken Nachmittag oben steht, sieht die Schirme in Serie abheben.
Die härteste Teststrecke der Autoindustrie
Ein Teil des Berges ist für den öffentlichen Verkehr gesperrt, und das aus einem Grund, der Graz seit über hundert Jahren begleitet. Der Weg vom Tal zum Gipfel dient der Autoindustrie als Erprobungsstrecke: knapp sechs Kilometer mit Steigungen bis zu 60 Prozent und Seitenneigungen bis zu 40 Prozent. Bereits im Sommer 1909 kletterte ein Puch 18/22 HP erstmals hinauf, später folgten Haflinger und Pinzgauer.
Heute schickt Magna Steyr die Mercedes G-Klasse auf denselben Weg. Vor dem Serienstart muss ein Modell rund 5.000 Kilometer am Schöckl absolvieren, was laut Hersteller etwa 400.000 Kilometern unter normalen Alltagsbedingungen entspricht. Der ÖAMTC hat die Strecke in seiner Reportage „Die grüne Hölle der Steiermark" beschrieben. Wandernde merken davon wenig - die Teststrecke verläuft abseits der markierten Wege.
Die Hexe im Wetterloch
Zum Berg gehört eine Sagenfigur, die bis heute in Namen und Werbung steckt: die Schöcklhexe. Der Überlieferung nach haust sie in einem Wetterloch am Berg und braut dort das Wetter zusammen, das sie als Nebel, Regen, Schnee oder Hagel über das Land schickt. Beschrieben wurde sie als alte, grobknochige, spindeldürre Frau mit langem grauem Haar. Die regionale Sagensammlung von meinbezirk.at zu den Mythen rund um den Schöckl erzählt mehrere Varianten. Dass die Sommerrodelbahn Hexenexpress heißt, ist also kein Marketingeinfall aus dem Nichts.
Anfahrt und Parken
Mit den Öffis führt der RegioBus 250 ab Graz zur Haltestelle „St. Radegund Seilbahn Talstation" - die Fahrt ab dem Zentrum dauert je nach Startpunkt etwa 40 bis 50 Minuten. Die Verbindungen stehen in der Freizeitdatenbank der Verbundlinie, Tickets und Zonen erklärt unser Öffi-Guide für Graz.
Mit dem Auto fahren Sie über St. Radegund zur Talstation in der Schöcklstraße 23. Der Parkplatz ist für Seilbahnfahrgäste kostenlos. Wer den Berg an einem Sommerwochenende ansteuert, sollte früh dran sein - die Gemeinde wirbt seit Jahren dafür, mit dem Bus zu kommen, weil die Zufahrt an Schönwettertagen an ihre Grenzen stößt. Weitere Ziele im Umland stehen in unserer Übersicht der Ausflugsziele rund um Graz, winterliche Alternativen im Beitrag Graz im Winter. Stand August 2026.