GRAZ JOURNAL

Der Grazer Stadtpark: 22 Hektar auf dem alten Exerzierplatz

Rund 2.000 Bäume in 150 Arten, ein Brunnen von der Wiener Weltausstellung und ein Kunsthaus, das seit 1959 im Park sitzt. Was der größte Park der Stadt zu bieten hat und wie er entstand.

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Der Grazer Stadtpark: 22 Hektar auf dem alten Exerzierplatz

Der größte Park der Stadt

Der Stadtpark umfasst 22 Hektar und liegt unmittelbar östlich der Altstadt, zwischen Opernring, Glacisstraße und Universitätsviertel. Er ist die größte öffentliche Parkanlage der Stadt, und seine Lage erklärt, warum praktisch jeder Weg vom Zentrum Richtung Universität durch ihn hindurchführt.

KennzahlAngabe
Fläche22 Hektar
Bäumerund 2.000
Baumartenrund 150
Ruhebänkerund 600, aus Gusseisen
Naturschutzseit 1987
Denkmalschutzseit 2002

Die Kombination aus Natur- und Denkmalschutz ist ungewöhnlich und hat praktische Folgen: Jede Sanierung, jede Neupflanzung und jede Umgestaltung muss beiden Regelwerken genügen. Ein Baum ist hier nicht nur ein Baum, sondern Teil eines geschützten historischen Gestaltungskonzepts.

Vom Schussfeld zum Park

Die Fläche war jahrhundertelang absichtlich leer. Als Glacis vor den Festungsmauern durfte dort nichts stehen, was einem angreifenden Feind Deckung geboten hätte. Als Kaiser Joseph II. Graz 1782 zur „offenen Stadt" erklärte, verlor das Schussfeld seinen Zweck - das Militär nutzte es fortan als Exerzierplatz.

Die Umwandlung betrieb Bürgermeister Moritz Ritter von Franck. Bereits 1862 hatte die Stadt versucht, die Glacisflächen zu erwerben, die 1784 von den steirischen Landständen ersteigert worden waren. Erst Ende 1868 kam ein Tausch mit der Militärverwaltung zustande: Die Stadt übernahm das Glacis, das Militär bekam dafür den Feliferhof als Schießplatz, den die Kommune eigens angekauft hatte. Ein Reichsgesetz vom 22. November 1868 schrieb fest, dass auf den Gründen ein öffentlicher Park anzulegen sei und dort ohne staatliche Zustimmung nichts gebaut werden dürfe - mit Ausnahme eines Kursalons.

1869 wurde der Park begründet und ein „Verein zur Stadtverschönerung in Graz" gegründet, der Organisation und Finanzierung übernahm. 1870 setzte der Bürgermeister den ersten Spatenstich und pflanzte den ersten Baum. Schon 1872 war die Umgestaltung abgeschlossen - vier Jahre vom Exerzierplatz zum fertigen Park. Die historische Einordnung hat ORF Steiermark zum 150-Jahr-Jubiläum aufgearbeitet.

Das Bauverbot und sein erster Bruch

Der interessanteste Satz im Gründungsgesetz ist der über das Bauverbot. Auf den Glacisgründen durfte ohne staatliche Zustimmung nichts errichtet werden, mit einer einzigen Ausnahme: einem Kursalon. Genau den hatte Moritz von Franck im Sinn, als er dem Gemeinderat am 28. Dezember 1868 seinen Plan vorlegte - Graz fehlte damals ein großräumiger Veranstaltungssaal, und der Park sollte ihn mitliefern.

Das Versprechen der unbebauten Fläche hielt keine drei Jahre. Bereits 1871 ging die Regierung davon ab: Karl von Stremayr, Minister für Kultus und Unterricht, schlug vor, den Neubau der Universität auf den stadtseitigen Teilen des Stadtparks zu errichten. Dass das Universitätsviertel heute unmittelbar an den Park grenzt, ist die späte Folge dieser Debatte.

Ein weiteres Argument der Gründerzeit klingt aus heutiger Sicht drastisch: Mitte 1870 lag die Sterblichkeitsziffer in Graz lokal höher als in der Reichshauptstadt Wien. Vom Park erhoffte man sich ausdrücklich eine Besserung der Gesundheitsverhältnisse - Grünraum galt als Sanitätsmaßnahme, nicht als Freizeitangebot.

Ein englischer Garten mit exotischen Bäumen

Der Verschönerungsverein wollte ausdrücklich keinen barocken Ziergarten, sondern einen Naturpark nach Art eines englischen Gartens. Im Vordergrund stand dabei das Interesse an seltenen, exotischen Gehölzen - eine Attraktion für das flanierende Bürgertum des 19. Jahrhunderts. Auf den einstigen Wällen und Dämmen legte man Doppelalleen an, die bis heute die Grundstruktur der Wege vorgeben.

Die botanische Hauptattraktion ist die monumentale Kaukasische Flügelnuss, die wie einige andere Bäume noch aus der Gründungszeit stammt. Insgesamt stehen im Park rund 150 verschiedene Baumarten - eine Zahl, die für einen innerstädtischen Park in dieser Größe außergewöhnlich ist und direkt auf die Sammelleidenschaft der Gründergeneration zurückgeht.

Auch die Beleuchtung erzählt Geschichte: Die ursprünglichen Gaslaternen wurden in den 1970er-Jahren auf Strom umgerüstet, die alten gusseisernen Stelen blieben dabei erhalten. Wer abends durch den Park geht, geht also unter Masten aus dem 19. Jahrhundert. Wie sich der Park in die übrige Grünraumlandschaft einfügt, zeigt der Überblick zu den Parks in Graz.

Der Stadtparkbrunnen

Das Zentrum der Anlage bildet der Stadtparkbrunnen, und er ist ein Zufallsfund der Kulturgeschichte. Das Objekt war ein Exponat der Wiener Weltausstellung 1873, ausgezeichnet mit einem Ehrendiplom für Kunstguss. Entworfen hat die Brunnenskulptur der französische Bildhauer Jean-Baptiste-Jules Klagmann, gegossen wurde sie in der Werkstatt des Bronzefabrikanten Antoine Durenne.

Nach der Ausstellung war der Brunnen zu verkaufen, und mehrere Städte bewarben sich. Der Wiener Gemeinderat lehnte den Kauf im Mai 1874 ab. Graz griff zu: 30.000 Gulden, zahlbar in zehn Jahresraten. Am 19. August 1874 traf die Anlage in fünf Bahnwaggons in Graz ein. In Betrieb genommen wurde sie am 4. Oktober 1874 - dem Namenstag von Kaiser Franz Joseph I., nach dem der Brunnen später auch benannt wurde. Im Eröffnungsmonat lief das Wasser täglich nur eine Stunde, von 16 bis 17 Uhr.

Im Becken stehen acht Bronzefiguren. Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Brunnen beschädigt und wurde durch Spenden der Grazer Bevölkerung wiederhergestellt - 1952 ging er erneut in Betrieb. Der Blick vom Brunnen Richtung Westen zum Uhrturm ist eines der meistfotografierten Motive der Stadt.

Denkmäler und Kunst im Park

Im 20. Jahrhundert wurde der Park zu einer Art Freilichtgalerie der steirischen Kulturgeschichte ausgebaut. Aufgestellt wurden unter anderem Büsten von Peter Rosegger, Robert Stolz, Johannes Kepler und dem Dichter Robert Hamerling.

Dazu kommen drei Objekte, die aus dem Rahmen fallen:

  • Denkmal für Moritz Ritter von Franck, geschaffen 1899 von Edmund Hellmer - dem Bildhauer, der auch das Wiener Goethe-Denkmal entwarf.
  • „Styria" von Hans Brandstetter, 1891 für die Hauptbrücke geschaffen. Beim Brückenneubau 1964 abgetragen, seit 1970 steht die Figur im Stadtpark.
  • „Brunnenwerk" von Serge Spitzer, 1985, im Volksmund „Rostiger Nagel" - die moderne Gegenposition zum historistischen Prunkbrunnen daneben.

Eine Eiche wurde zu Ehren des Parkgründers gesetzt und heißt bis heute Franckeiche. Weitere Denkmäler und Bauten der Stadt stehen in der Übersicht der Sehenswürdigkeiten in Graz.

Das Forum Stadtpark

Nahe dem Zentrum des Parks steht ein Gebäude, das aus dem ehemaligen Stadtparkcafé hervorgegangen ist: das Forum Stadtpark, seit 1959 ein Ort für interdisziplinäre künstlerische Experimente und organisiert als unabhängiger Verein. Gleich daneben wurde bereits 1877 ein Musikpavillon errichtet.

Das Haus arbeitet heute in sieben Sparten: bildende Kunst, Design, Gesellschaftspolitik, Literatur, Musik, Performance sowie Stadt und Raum. Die Programmverantwortlichen werden für maximal acht Jahre bestellt, insgesamt sind gut 40 Personen regelmäßig dort tätig. Bemerkenswert für Besucher: Die meisten Veranstaltungen finden bei freiem Eintritt statt. Was gerade läuft, steht auf der Seite des Forum Stadtpark.

Was rund um den Park liegt

Der Stadtpark hat keine klare Kante, sondern geht in mehrere Stadtquartiere über - und das prägt, wer sich in welchem Abschnitt aufhält:

  • Im Westen schließt der Opernring an, dahinter beginnt die Innenstadt mit Oper und Herrengasse. Dieser Abschnitt ist der belebteste, weil er auf der Hauptachse zwischen Zentrum und Park liegt.
  • Im Norden steht das Paulustor, eines der wenigen erhaltenen Stücke der alten Grazer Stadtbefestigung, mit der Veranstaltungswiese daneben. Dass ausgerechnet dort ein Stadttor steht, ist kein Zufall: Der Park liegt exakt auf jener Linie, die das Tor einst verteidigte.
  • Im Osten liegt das Universitätsviertel. Entsprechend hoch ist der Anteil Studierender, die den Park zwischen zwei Lehrveranstaltungen nutzen.
  • Im Süden grenzen Verwaltungsbauten an, darunter Einrichtungen der Landespolizeidirektion Steiermark.

Für die Orientierung ist der Brunnen der beste Ankerpunkt: Von dort führen die Doppelalleen sternförmig in alle Richtungen, und der Blick auf den Uhrturm zeigt zuverlässig nach Westen.

Wie der Park gepflegt wird

Hinter dem, was wie selbstverständliche Grünfläche aussieht, steht ein umfangreiches Regelwerk. 2008 entwickelte die Abteilung Grünraum und Gewässer gemeinsam mit NGOs einen Masterplan, den die Stadtpolitik als Richtlinie für zwei Jahrzehnte beschloss. Darauf aufbauend beauftragte die Stadt 2010 ein Parkpflegewerk: Fachleute sichteten alte Pläne, begutachteten alle 2.000 Bäume und legten im Juli 2013 ihre Vorschläge vor.

Das Ergebnis enthält Maßnahmen für die langfristige Entwicklung des Gehölzbestands samt Alleen, Gestaltungsvorgaben für zu sanierende Bereiche und Aspekte zur Verbesserung der Biodiversität. Ende September 2011 wurden an drei Baumriesen sogar Zugversuche durchgeführt: Mit Zuggeräten simulierte man Windlasten, um Stand- und Bruchsicherheit zu messen - darunter an der Franckeiche. Die vollständige Dokumentation samt Baumgutachten stellt die Stadt Graz zum Parkpflegewerk bereit.

Die laufende Pflege übernimmt die Holding Graz, ganzjährig und über Reinigung, Erhaltung und Neupflanzung hinweg. Bei Neupflanzungen wird inzwischen der Klimawandel mitgedacht - Arten, die in einem heißeren Graz bestehen können, ersetzen nach und nach jene, die es nicht mehr tun. Das ist bei einem Bestand aus der Gründerzeit heikler, als es klingt: Viele der prägenden Bäume sind über 150 Jahre alt, wurden für ein kühleres Klima gepflanzt und lassen sich nicht eins zu eins ersetzen, ohne das denkmalgeschützte Erscheinungsbild zu verändern.

Was Sie im Park tun können

  • Durchqueren: Der Park ist die direkte Verbindung zwischen Innenstadt und Universitätsviertel und wird täglich von tausenden Menschen als Weg genutzt.
  • Veranstaltungswiese: Neben dem Paulustor entstand für den Katholikentag 1981 eine Freifläche, die bis heute für Großveranstaltungen dient.
  • Radfahren: Mehrere Radwege führen durch den Park.
  • Sitzen: Rund 600 gusseiserne Bänke stehen zur Verfügung - die höchste Bankdichte aller Grazer Grünflächen.
  • Mit Kindern: Die Spielmöglichkeiten im Park und in der Umgebung stehen im Überblick zu Graz mit Kindern und zu den Spielplätzen in Graz.

Ein Punkt, der immer wieder für Diskussionen sorgt: Der Schutzstatus verhindert praktisch jede bauliche Veränderung. 2016 scheiterte der Plan, den Park um einen angrenzenden Parkplatz von 4.000 Quadratmetern zu erweitern, der früher zum Parkareal gehört hatte - die dort ansässige Polizei lehnte ab, obwohl die Stadt Ausweichflächen zusagte. Der Park bleibt damit, was er seit 1872 ist: 22 Hektar, die niemand bebauen darf.

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