Amoklauf Graz: Rotes Kreuz würdigt 280 Helfer
Knapp ein Jahr nach dem Amoklauf am BORG Dreierschützengasse in Graz hat das Rote Kreuz Steiermark am 2. Juni 2026 rund 280 Einsatzkräfte mit einer Würdigungsurkunde geehrt. Der Jahrestag der Tragödie am 10. Juni 2026 rückt näher.
Fast ein Jahr nach dem schwersten Amoklauf in der Geschichte der Zweiten Republik hat das Rote Kreuz Steiermark seine Einsatzkräfte offiziell gewürdigt. Am Dienstag, 2. Juni 2026, erhielten rund 280 Rotkreuz-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Rettungsdienst, Leitstelle, Krisenintervention und Kummernummer eine Würdigungsurkunde als Zeichen des Dankes. Knapp 200 von ihnen nahmen die Urkunde sowie einen gerahmten Patch persönlich von Siegfried Schrittwieser, dem Präsidenten des Roten Kreuz Steiermark, entgegen.
Nach einer Schweigeminute fand Schrittwieser klare Worte: „Wir wollen Raum geben, um Danke zu sagen." Peter Hansak, Landesrettungskommandant, richtete sich direkt an die Einsatzkräfte: „Ihr seid in den Einsatz gegangen, ohne dass ihr die genaue Lage gekannt habt." Gerald Schöpfer, Präsident des Roten Kreuz Österreich, ergänzte: „Wenn ich mich in die einzelnen Rotkreuzler versetze, dann denke ich mir, dass es schrecklich sein muss, junge Menschen sterben zu sehen und zu sehen, dass man nicht helfen kann. Das muss ungeheuer belastend sein."
Tragödie vom 10. Juni 2025
Am 10. Juni 2025 hatte ein 21-jähriger ehemaliger Schüler am BORG Dreierschützengasse im Grazer Stadtbezirk Lend einen Amoklauf verübt. Neun Schülerinnen und Schüler sowie eine Lehrerin wurden getötet, elf weitere Personen verletzt. Der Täter erschoss sich anschließend selbst. Die abgeschlossenen Ermittlungen bestätigten, dass er als Einzeltäter handelte; als zentrales Motiv gilt eine intensive Beschäftigung mit sogenannten School Shootings. Insgesamt kamen elf Menschen ums Leben.
In den Tagen unmittelbar nach der Tat gingen Hunderte Menschen zum Blutspenden und retteten damit anderen das Leben. Das österreichische Waffenrecht wurde in der Folge verschärft. Im November 2025 richteten Sozialministerium und der Weiße Ring einen Hilfsfonds mit 15 Millionen Euro für die Opfer ein.
Psychosoziale Betreuung bleibt aktiv
Bettina Galli-Magerl, Leiterin der psychosozialen Betreuung beim Roten Kreuz Steiermark, betonte, dass ihr Team sowohl am Tag der Tat als auch in den Wochen danach für Schülerinnen, Schüler und Lehrpersonal im Einsatz war. Sie wies ausdrücklich darauf hin, dass der bevorstehende Jahrestag am 10. Juni 2026 abermals viele Emotionen hervorrufen könne, und bot weiterhin Unterstützung an.
Graz steht damit wenige Tage vor dem offiziellen Jahresgedenken. Die Würdigungsveranstaltung vom 2. Juni setzt bewusst ein Zeichen: für die Einsatzkräfte, die unter extremen Bedingungen gehandelt haben, und für eine Stadt, die die Ereignisse des vergangenen Jahres noch immer verarbeitet. Das Rote Kreuz Steiermark hält seine psychosozialen Angebote aufrecht und ruft Betroffene auf, bei Bedarf Hilfe in Anspruch zu nehmen.