Andritz: Stellenabbau bei Tochter Schuler in Deutschland
Der Grazer Anlagenbauer Andritz baut bei seiner deutschen Tochter Schuler im laufenden Jahr rund 500 weitere Stellen ab. Auslöser ist die schwache Nachfrage aus der Automobilindustrie.
Der Grazer Technologiekonzern Andritz AG setzt seine Restrukturierung fort: Bei der deutschen Tochter Schuler, einem Pressenhersteller mit Sitz in Göppingen, sollen im Jahr 2026 rund 500 weitere Stellen abgebaut werden. Das gab Konzernchef Joachim Schönbeck in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters bekannt - anlässlich des 25-jährigen Börsenjubiläums von Andritz Anfang Juli 2026.
Automobilindustrie als Auslöser
Als Hauptgrund für den Stellenabbau nennt Schönbeck die anhaltend schwache Nachfrage aus der Automobilindustrie. Schuler beliefert die Branche mit Anlagen zur Metallumformung sowie für die Batterieproduktion. Der aktuelle Schritt ist kein Einzelereignis: In den vergangenen fünf Jahren fielen bei Schuler bereits mehr als 2.000 Stellen weg. Neben dem Personalabbau sollen auch Randbereiche wie Werkzeugbau und Pilotproduktionen voraussichtlich eingestellt werden. Schönbeck formulierte die geografische Schwerpunktsetzung klar: Die Restrukturierung treffe das Unternehmen „insbesondere bei Schuler und in Deutschland".
Langfristig zeigt sich der Konzernchef gleichwohl zuversichtlich: Er geht davon aus, dass sich die Elektromobilität auch in Europa durchsetzen werde, sobald die Fahrzeuge günstiger und die Reichweitenproblematik gelöst seien. Parallel setzt Andritz auf Wachstum bei erneuerbaren Energien, Rechenzentren sowie neuen Technologien wie grünem Wasserstoff.
Wachstum im Wasserkraftgeschäft
Trotz des Gegenwinds im Automobilsektor blickt Andritz insgesamt stabil in die Zukunft. Für das Geschäftsjahr 2026 peilt der Konzern einen Umsatz von 8,0 bis 8,3 Milliarden Euro sowie eine Ebita-Marge von 8,7 bis 9,1 Prozent an - auch wenn Schönbeck einräumt: „Aber wir sind halt nicht dort, wo wir sein möchten." Rückenwind kommt derzeit vor allem aus dem Wasserkraftgeschäft, wo Andritz das stärkste Wachstum erwartet. Weltweit beschäftigt der Konzern rund 30.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in über 80 Ländern.
Als größtes strategisches Risiko sieht Schönbeck den zunehmenden Protektionismus im Welthandel: „Der grassierende Protektionismus" stelle die größte Gefahr dar. Das Geschäftsmodell des Konzerns basiere auf dem freien Export - „Wir sind auf den freien Handel angewiesen."
Grazer Stammsitz bleibt bedeutender Arbeitgeber
Für Graz ist die strategische Neuausrichtung von Andritz unmittelbar relevant. Am Stammsitz in der Stattegger Straße in Graz-Andritz - einem Vorort, der dem Unternehmen seit der Gründung im Jahr 1852 seinen Namen gab - arbeiten rund 1.200 hochqualifizierte Beschäftigte. Auf einer Fertigungsfläche von rund 95.000 Quadratmetern werden Komponenten für rund 90 verschiedene Produkte in den Bereichen Wasserkraft, Zellstoff und Papier, Metalle sowie Umwelt und Energie produziert. Der aktuelle Stellenabbau trifft zwar primär den deutschen Standort Göppingen, doch als einer der bedeutendsten Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktoren der Landeshauptstadt bleibt Andritz für den Industriestandort Steiermark von zentraler Bedeutung.
Zum Börsenjubiläum zog Schönbeck eine positive Gesamtbilanz: Seit dem Börsengang habe sich der Umsatz verachtfacht und die Belegschaft versiebenfacht. Das Unternehmen zählt heute zu den globalen Technologie- und Marktführern in der Wasserkraft, der Zellstoff- und Papierindustrie sowie der metallverarbeitenden Industrie.