GRAZ JOURNAL
aktuelleskulturwirtschaft

HeinrichBiCool: Uni Graz forscht an Gebäudebegrünung

Die Universität Graz begrünt ihr Universitätszentrum Theologie in der Heinrichstraße 80 und erhebt erstmals systematische Vorher-Nachher-Daten zur Kühlwirkung an einem realen Gebäude. Das FFG-finanzierte Projekt „HeinrichBiCool" läuft bis Dezember 2026.

· Von

Die Universität Graz startet mit dem Projekt „HeinrichBiCool" ein Pilotvorhaben zur umfassenden Gebäudebegrünung am Universitätszentrum Theologie in der Heinrichstraße 80. Ziel ist es, das Gebäude im Sommer durch intensive Begrünung zu kühlen und dabei erstmals belastbare wissenschaftliche Messdaten zu gewinnen. Das Projekt wird im Rahmen des TIKS-Programms (Technologies and Innovations for the Climate-Neutral City, 3. Ausschreibung 2024) von der FFG finanziert und läuft bis Dezember 2026.

Forschungslücke im Fokus

Trotz wachsenden Interesses an Gebäudebegrünungen fehlten bisher umfassende Vorher-Nachher-Messungen an tatsächlich genutzten Gebäuden. Genau diese Lücke will „HeinrichBiCool" schließen. Das Monitoring erfasst drei Bereiche: Raumklima, Energieverbrauch und Artenvielfalt. Neben der Kühlwirkung soll die Begrünung einen neuen Lebensraum für Pflanzen und Tiere schaffen und so einen Beitrag zur urbanen Biodiversität leisten. Im Herbst 2026 ist zudem eine Befragung unter Nutzerinnen und Nutzern des Hauses zur Zufriedenheit mit der Maßnahme geplant.

An dem Vorhaben sind mehrere Partner beteiligt: das Institut für Nachhaltige Technologien AEE INTEC, das Technische Büro Siegfried Stark, das Landschaftsarchitektur- und Städtebaubüro Studio Boden sowie das Ökoteam Graz. Uni-Graz-Rektor Peter Riedler betont die gesellschaftliche Dimension: „'HeinrichBiCool' zeigt beispielhaft, wie Universitäten gemeinsam mit starken Partnern aus Wissenschaft und Praxis innovative Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen entwickeln und direkt vor Ort erproben können."

Graz besonders vom Wärmeinseleffekt betroffen

Der lokale Kontext verleiht dem Projekt besondere Dringlichkeit. Graz ist durch seine Kessellage stärker als viele andere österreichische Städte vom urbanen Wärmeinseleffekt betroffen: Die Alpen schwächen Störungseinflüsse aus West und Nord ab, was zu ausgeprägter Windarmut führt. Städtische Wärmeinseln treten daher häufiger und intensiver auf als etwa in Salzburg. Das Gebäude in der Heinrichstraße hatte sich in den vergangenen Jahren ab dem Frühsommer regelmäßig deutlich aufgeheizt - ein Problem, das mit der Begrünung strukturell angegangen werden soll.

Die Stadt Graz hatte im Rahmen ihrer 3D-Stadtklimaanalyse bereits die Wirkung von Fassadenbegrünungen untersucht - etwa in der Annenstraße und der Schießstattgasse. „HeinrichBiCool" geht nun einen Schritt weiter und liefert erstmals systematische Messdaten aus einem laufenden Universitätsbetrieb.

Blaupause für weitere Projekte

Die gewonnenen Erkenntnisse sollen als wissenschaftlich fundierte Grundlage für künftige Begrünungsvorhaben an Grazer Gebäuden dienen - ob privat oder öffentlich. Damit könnten die Daten die städtische Klimapolitik mit belastbaren Zahlen untermauern. Auch auf europäischer Ebene gewinnt das Thema an Bedeutung: Die neue EU-Gebäudeenergieeffizienzrichtlinie (EPBD), die 2024 in Kraft trat, nennt Gebäudebegrünung ausdrücklich als Maßnahme zur Verbesserung der Energieeffizienz.

Mit dem Universitätszentrum Theologie entsteht somit ein reales Feldlabor mitten im Grazer Stadtgebiet - eines, das über den Einzelfall hinaus Wirkung entfalten soll. Weitere Informationen zum Projekt stellt die Universität Graz auf ihrer Website bereit.