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CORI-Institut Graz: Superti-Furga wird Gründungsdirektor

Die Österreichische Akademie der Wissenschaften hat den renommierten Biomediziner Giulio Superti-Furga zum wissenschaftlichen Gründungsdirektor des neuen CORI-Instituts für Stoffwechselforschung in Graz ernannt. Das Institut soll im Vollausbau bis zu 150 international rekrutierte Forschende beschäftigen.

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Die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) hat Giulio Superti-Furga zum wissenschaftlichen Gründungsdirektor des neuen CORI Institute of Molecular and Computational Metabolism in Graz ernannt. Das gab die ÖAW am 29. April 2026 bekannt. Das Institut soll Europas führendes interdisziplinäres Zentrum für Metabolismusforschung werden und die molekularen Grundlagen von Stoffwechselprozessen systematisch erforschen - mit dem Ziel, neue therapeutische und technologische Lösungen zu entwickeln.

Einzigartiges Partnerschaftsmodell

Das CORI-Institut ist aus einer in Österreich einzigartigen Partnerschaft entstanden: Die ÖAW betreibt das Institut, während die Universität Graz, die Medizinische Universität Graz und die Technische Universität Graz die Infrastruktur bereitstellen. Künftiger Standort sind zwei eigens eingerichtete Forschungsgebäude in der Grazer Leechgasse - geografisch im Mittelpunkt zwischen den drei Partneruniversitäten. Zunächst wird das Institut in provisorischen Räumlichkeiten arbeiten, ehe die ersten wissenschaftlichen Aktivitäten bereits im September 2026 aufgenommen werden sollen.

Im Vollausbau wird das CORI bis zu 150 international rekrutierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in bis zu einem Dutzend Forschungsteams beschäftigen. Forschende aus Biologie, Medizin, Mathematik, Informatik und Ingenieurwesen werden dabei interdisziplinär zusammenarbeiten. Die Rekrutierung der ersten Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter sowie der administrativen Leitung hat bereits begonnen.

Namensgeber mit Grazer Wurzeln

Das Institut trägt den Namen des österreichisch-amerikanischen Biochemikerpaares Gerty und Carl Cori, die 1947 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet wurden. Die beiden gelten als Ikonen der Stoffwechselforschung und entdeckten unter anderem den Glykogen-Metabolismus. Vor ihrer Emigration in die USA hatten sie in Graz mit dem späteren Nobelpreisträger Otto Loewi zusammengearbeitet - eine historische Verbindung, die die Wahl des Standorts Graz zusätzlich unterstreicht.

Renommierter Wissenschaftler an der Spitze

Superti-Furga gilt als einer der renommiertesten biomedizinischen Wissenschaftler Europas. Er ist vierfacher ERC-Preisträger, Professor für Medizinische Systembiologie an der Medizinischen Universität Wien, Mitglied in fünf wissenschaftlichen Akademien und Mitbegründer von fünf Biotechnologieunternehmen. Als Gründungsdirektor des CeMM in Wien leitete er dieses zwei Jahrzehnte lang und baute es zu einem international anerkannten Institut auf. ÖAW-Präsident Heinz Faßmann würdigte die Ernennung: „Mit Giulio Superti-Furga haben wir einen international herausragenden Wissenschaftler und ausgewiesenen Gestalter wissenschaftlicher Institutionen gewonnen, um das CORI-Institut aufzubauen."

Superti-Furga selbst betonte die Ambition des neuen Hauses: „Unser Ziel ist es, eine neue Art von Institut zu schaffen, das Mathematik, Künstliche Intelligenz und experimentelle Biologie verbindet, um den Stoffwechsel verständlich und vorhersagbar zu machen."

Anknüpfung an Grazer Forschungstradition

Für den Grazer und steirischen Wissenschaftsstandort bedeutet das CORI einen bedeutenden Schub. Uni-Graz-Rektor Peter Riedler verwies auf die bestehende interuniversitäre Plattform BioTechMed Graz sowie den Exzellenzcluster MetAGE und den Profilbereich BioHealth, an die das neue Institut nahtlos anknüpft. Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs, die in vielen Fällen von Stoffwechselstörungen ausgelöst werden, sollen am CORI gezielt erforscht werden - mit einer Strahlwirkung, die weit über die Steiermark hinausgehen soll.