Cybersicherheit 2026: Graz berät gegen Internetkriminalität
Am 28. September 2026 fand im Weißen Saal der Grazer Burg der Sicherheitsgipfel „Extremismus und Cybersicherheit" statt. Experten aus Politik, Polizei und Verwaltung berieten über die drastisch gestiegene Internetkriminalität in der Steiermark und die Gründung des neuen Bundesamts für Cybersicherheit.
Im Weißen Saal der Grazer Burg kamen am 28. September 2026 hochrangige Vertreter aus Politik, Polizei und öffentlicher Verwaltung zum Sicherheitsgipfel „Extremismus und Cybersicherheit" zusammen. Landeshauptmann Mario Kunasek und Landeshauptmann-Stv. Manuela Khom berieten sich mit einem breiten Expertenkreis über die wachsende Bedrohung durch Internetkriminalität und notwendige Schutzmaßnahmen für die digitale Infrastruktur der Steiermark.
Drastischer Anstieg der Cyberkriminalität
Die Zahlen, die beim Gipfel präsentiert wurden, zeigen einen deutlichen Trend: Österreichweit wurden vor zehn Jahren 13.104 Fälle von Internetkriminalität angezeigt - im Jahr 2025 waren es bereits 63.459. In der Steiermark stieg die Zahl der registrierten Delikte von 7.278 im Jahr 2024 auf 8.099 im Jahr 2025. Besonders stark wuchs Cybercrime im engeren Sinne - etwa Hacking - um 27,4 Prozent auf 2.189 Fälle. Internetbetrug legte um 5,6 Prozent auf 4.332 Anzeigen zu.
Noch drastischer zeigt sich die Entwicklung im längeren Vergleich: 2016 wurden in der Steiermark lediglich 1.045 Fälle von Internetbetrug angezeigt - seither hat sich die Zahl mehr als vervierfacht. Reinhard Gartner vom Cybercrime-Training-Center der steirischen Polizei betonte, dass sich die Gesamtzahl der Anzeigen seit 2015 sogar versechsfacht habe. Investmentbetrug, Lösegelderpressungen und Phishing-Angriffe gehören dabei zu den häufigsten Delikten. Besonders alarmierend: Nur etwa ein Drittel aller Cybercrime-Fälle kann aufgeklärt werden.
Neue Bundesstruktur ab 1. Oktober
Gernot Goluch, stellvertretender Abteilungsleiter im Innenministerium für Netz- und Informationssystemsicherheit, machte die Dringlichkeit des Handlungsbedarfs deutlich: „Cybersicherheit ist längst eine Frage der staatlichen und gesellschaftlichen Sicherheit. Cyberkriminelle werden professioneller, die Bedrohungen nehmen zu. Deshalb braucht es rasche Lagebilder, klare Strukturen und eine enge Zusammenarbeit. Mit dem neuen Bundesamt für Cybersicherheit und dem NISG 2026 schaffen wir ab 1. Oktober eine zentrale Struktur für Prävention, Aufsicht und die Koordination bei größeren Cybervorfällen."
Das Bundesamt für Cybersicherheit (BCS) nimmt am 1. Oktober 2026 seinen Betrieb auf und bündelt zentrale Aufgaben in Bereichen wie Energie, Verkehr, Gesundheit und digitale Infrastruktur. Parallel tritt das NISG 2026 in Kraft, das als österreichisches Bundesgesetz zur Umsetzung einer EU-Richtlinie erstmals verbindliche Mindestanforderungen an Cybersicherheitsmaßnahmen sowie verpflichtende Meldeprozesse für Unternehmen in kritischen Sektoren festschreibt.
Steiermark investiert in digitale Schutzmaßnahmen
Der lokale Schaden ist erheblich: Allein in vier aktuellen Fällen aus dem September 2026 erbeuteten Kriminelle in der Steiermark fast eine halbe Million Euro. Das Land Steiermark plant daher umfassende Schutzmaßnahmen für seine digitale Infrastruktur, darunter moderne Technologien, mehrstufige Sicherheitssysteme und regelmäßige Tests. Angestrebt wird zudem die ISO-27001-Zertifizierung, ein international anerkannter Standard für Informationssicherheits-Management.
Als Zukunftsrisiko stufen die Experten KI-gestützte Angriffe ein: Deepfake-Betrug, automatisiertes Phishing und KI-generierte Schadsoftware gewinnen zunehmend an Bedeutung. Die Behörden appellieren an die Bevölkerung, Cybercrime-Vorfälle konsequent anzuzeigen - nur so könnten Tätergruppen verfolgt, Entwicklungen frühzeitig erkannt und gezielte Präventionsmaßnahmen gesetzt werden. Das Cybercrime-Training-Center in Graz, aktuell noch als Pilotprojekt der steirischen Polizei im Einsatz, gilt dabei als ein erster wichtiger Baustein in der regionalen Prävention.