Uni-Kürzungen: 500 Mio. Euro weniger für Graz und Leoben
Die steirischen Universitäten stehen vor massiven Budgetkürzungen: Für die Leistungsvereinbarungsperiode 2028 bis 2030 drohen TU Graz, Uni Graz, MedUni Graz, Kunstuniversität Graz und Montanuniversität Leoben zusammen 500 Millionen Euro weniger. TU Graz-Rektor Horst Bischof warnt vor dem Verlust von 20 Prozent der Stellen.
Die österreichischen Universitäten stehen vor der größten Budgetkrise seit Jahren: Für die kommende Leistungsvereinbarungsperiode von 2028 bis 2030 plant die Bundesregierung eine Kürzung von insgesamt einer Milliarde Euro gegenüber dem laufenden Budget. Allein auf die steirischen Hochschulen - TU Graz, Universität Graz, MedUni Graz, Kunstuniversität Graz und Montanuniversität Leoben - entfallen davon rund 500 Millionen Euro.
Dramatische Warnung der Rektoren
TU Graz-Rektor Horst Bischof formuliert die Konsequenzen unmissverständlich: „Wenn ich mir die Zahlen so anschaue und schnell überschlage, heißt das: Das sind 500 Jobs bei uns, die wir nicht nachbesetzen können. Das ist dramatisch bei 4.000 Angestellten, das sind 20 Prozent der Jobs." Auch Uni Graz-Rektor Peter Riedler zeigt sich besorgt: „Das ist nominal eine Milliarde Euro weniger und, wenn man die Inflation mit berücksichtigt, 2,5 Milliarden Euro weniger. Das übersteigt natürlich auch das, was der Bund sonst einspart." Riedler ergänzt, man habe den Eindruck, „da geht es darum, dort einzusparen, wo die Lobby am schwächsten ist."
Die Ausgangslage ist angespannt: Die laufende Periode 2025 bis 2027 umfasst 16,5 Milliarden Euro für alle 22 öffentlichen Universitäten Österreichs. Die Hochschulen hatten auf Basis von WIFO-Prognosen einen Bedarf von 18 Milliarden Euro für die Folgeperiode errechnet - und dabei auf Offensivforderungen verzichtet, um die angespannte Haushaltslage des Bundes zu berücksichtigen. Stattdessen plant die Regierung nun nicht nur ein Einfrieren, sondern eine aktive Kürzung des bestehenden Budgets.
Sofortmaßnahmen bereits angelaufen
Die Universitäten reagieren mit ersten Sparmaßnahmen. Nach einem Treffen mit Wissenschaftsministerin Eva Maria Holzleitner kündigte Rektor Riedler an, dass 100 Stellen durch natürliche Abgänge eingespart werden sollen. Bereits im kommenden Jahr plant die Uni Graz eine Reduktion der Sachausgaben um 16 Prozent, unter anderem in den Bereichen Marketing und Kommunikation. In der zentralen Verwaltung gilt bereits ein Aufnahmestopp; bis Ende 2027 sollen rund 50 Stellen wegfallen, da etwa 80 Prozent der Kosten auf Personal entfallen. Die endgültige Entscheidung über die Kürzungen ist vorerst vertagt; im Doppelbudget 2027/28 wird der derzeitige Budgetansatz von rund 5,2 Milliarden Euro formal fortgeschrieben.
Graz als Hochschulstadt besonders betroffen
Für den Standort Graz sind die Folgen besonders weitreichend. Die Steiermark weist eine Forschungsquote von 5,31 Prozent auf und ist für mehr als ein Fünftel der gesamten Forschungs- und Entwicklungsleistungen Österreichs verantwortlich. Rektor Riedler verweist zudem auf die gesellschaftliche Dimension: 20 Prozent der Grazer Bevölkerung sind Studierende - die Kürzungen treffen damit eine Stadt, deren wirtschaftliches und gesellschaftliches Leben unmittelbar mit dem Hochschulstandort verknüpft ist.
Anfang September 2026 veröffentlichte die Österreichische Universitätenkonferenz (Uniko) eine gemeinsame Positionierung aller 22 öffentlichen Universitäten unter dem Titel „Strukturreform Im Hochschulsystem - Neue Wege Und Perspektiven". In Wien demonstrierten Zehntausende gegen die Pläne, in Graz kamen mehrere Tausend Protestierende in die Innenstadt. Die steirischen Rektorinnen und Rektoren warnen, dass „Entwicklung und Konkurrenzfähigkeit des Wissenschafts-, Kultur- und Wirtschaftsstandortes kurzfristigen Sparzielen geopfert" werden.