E-Scooter-Unfälle Graz: Polizei sucht flüchtige Lenker
Im Grazer Bezirk Lend wurden innerhalb einer Woche zwei Radfahrer bei Kollisionen mit E-Scootern schwer verletzt. Die Polizei fahndet nach den bislang unbekannten Lenkern und bittet die Bevölkerung um Hinweise.
Zwei schwer verletzte Radfahrer, ein beschädigter Streifenwagen und mehrere gefährdete Fußgänger: Innerhalb weniger Tage hat sich im Grazer Bezirk Lend eine Serie von E-Scooter-Vorfällen ereignet, die die Polizei nun zu öffentlichen Fahndungsaufrufen veranlasst. In beiden Hauptfällen entfernten sich die E-Scooter-Lenker nach kurzem Gespräch von der Unfallstelle, ohne ihre Identität zu hinterlassen.
Schlüsselbeinbruch nach Kollision auf der Keplerstraße
Der erste Unfall ereignete sich am 6. Juli 2026 am Nachmittag auf dem Geh- und Radweg der Keplerstraße. Ein 35-jähriger Radfahrer kollidierte mit einem E-Scooter-Lenker, der plötzlich nach links gelenkt hatte. Beide Beteiligten stürzten. Zunächst schien der Radfahrer unverletzt, doch kurz darauf meldeten sich starke Schmerzen - ein Arztbesuch ergab eine Fraktur des Schlüsselbeines. Der E-Scooter-Fahrer hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits von der Unfallstelle entfernt.
Handgelenkbruch nach Zusammenstoß am 2. Juli
Bereits am 2. Juli 2026 war es gegen 14:00 Uhr ebenfalls auf der Keplerstraße zu einem ähnlichen Vorfall gekommen. Eine 21-jährige Radfahrerin aus dem Bezirk Murau war Richtung Lendplatz unterwegs, als ein entgegenkommender E-Scooter-Lenker zu weit in die Mitte des Weges geriet. Bei der Kollision stürzte die Frau, im Laufe des Tages wurde im LKH Graz ein Bruch des Handgelenks diagnostiziert. Auch in diesem Fall entfernte sich der E-Scooter-Fahrer nach einem kurzen Gespräch.
Ebenfalls am 2. Juli, diesmal im Stadtbezirk Liebenau, entzogen sich zwei Jugendliche auf E-Scootern einer Polizeikontrolle. Bei ihrer Flucht mussten mehrere Fußgänger ausweichen, um nicht erfasst zu werden. Dabei wurde auch ein Streifenwagen der Polizei beschädigt.
Hinweise an die Verkehrsinspektion
Die Landespolizeidirektion Steiermark ersucht Zeugen sowie die unbekannten E-Scooter-Lenker selbst, sich bei der Verkehrsinspektion Graz I unter der Telefonnummer 059/133/654110 zu melden. Sachdienliche Hinweise zum Unfallhergang werden dringend erbeten.
Neues Gesetz und steirische Unfallstatistik
Die Vorfälle fallen in eine Phase verschärfter Regulierung: Seit 1. Mai 2026 gelten in Österreich neue Regeln für E-Scooter. Sie werden offiziell als Fahrzeuge eingestuft, die Promillegrenze sinkt auf 0,5, und für Unter-16-Jährige gilt Helmpflicht. Die aktuelle Unfallserie stellt damit die Wirksamkeit der neuen Bestimmungen auf den Prüfstand.
Die Zahlen untermauern die Dringlichkeit: In der Steiermark wurden im vergangenen Jahr knapp 2.100 Unfälle mit E-Scootern registriert. Österreichweit werden jährlich mehr als 10.000 Verletzte nach E-Scooter-Unfällen in Krankenhäusern behandelt - die Zahl der verletzten E-Scooter-Fahrenden stieg zuletzt um 24 Prozent. Jede 18. verletzte Person im Straßenverkehr war auf einem E-Scooter unterwegs, ein Viertel davon Kinder.
Die Grazer Vorfälle reihen sich in ein bekanntes Muster ein: Bereits am 2. April 2026 beschäftigten mehrere E-Scooter-Zwischenfälle die Grazer Polizei. Das steirische Verkehrssicherheitsprogramm 2026+ bekennt sich ausdrücklich zum Ziel, Anzahl und Schwere von Verkehrsunfällen kontinuierlich zu reduzieren - ob die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen dazu ausreichen, bleibt nach der jüngsten Häufung von Unfällen offen.