Flughafen Graz: Wien-Strecke fällt, neue Märkte nötig
Austrian Airlines streicht ab dem Winterflugplan 2026/27 die direkte Verbindung Graz-Wien. Der letzte Flug findet am 24. Oktober 2026 statt - für den Graz Airport ist es nach dem Abgang von Eurowings die zweite einschneidende Airline-Entscheidung in kurzer Zeit.
Der 24. Oktober 2026 markiert das Ende einer Ära für den Luftfahrtstandort Graz: An diesem Tag hebt die letzte Austrian-Airlines-Maschine auf der Direktverbindung zwischen Graz und Wien ab. Ab dem Winterflugplan 2026/27, der am 25. Oktober 2026 in Kraft tritt, ist die Strecke gestrichen. Die Airline begründet die Entscheidung damit, dass die Route „seit Jahren hoch defizitär" gewesen sei. Im ersten Halbjahr 2026 wies Austrian Airlines ein bereinigtes Betriebsergebnis von minus 93 Millionen Euro aus.
Zweiter schwerer Einschnitt in kurzer Zeit
Die Streichung trifft den Graz Airport zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Bereits zuvor hatte Eurowings Graz als Fixstandort aufgegeben - die AUA-Entscheidung ist damit der zweite einschneidende Rückzug einer Fluggesellschaft innerhalb kurzer Zeit. Airport-Geschäftsführer Wolfgang Grimus wies in einer Aussendung darauf hin, dass die Streichung direkte Auswirkungen auf internationale Geschäftsbeziehungen haben kann: Längere Anreisezeiten bedeuteten für ansässige Unternehmen einen Zeitverlust im Wettbewerb. Grimus betonte zudem, dass der Verlust etablierter Strecken meist rasch erfolge, die Neuakquise von Airlines oder die Erschließung alternativer Punkt-zu-Punkt-Ziele jedoch „oft mehrjährige Verhandlungen und finanzielle Anreize erfordert".
Als strukturellen Grund für den Rückzug nennen Branchenbeobachter die hohen Betriebskosten und die Abgabenstruktur in Österreich. Grimus verwies im ORF-Samstagsgespräch auf die heimische Flugticketabgabe: „In Österreich wird eine Flugticket-Abgabe in der Höhe von zwölf Euro pro Passagier eingehoben, in 19 anderen europäischen Ländern nicht. Da sehen wir schon einen Wettbewerbsnachteil." Für Kurzstrecken beträgt die Abgabe laut Experten sogar 30 Euro - das entspricht rund 20 Prozent des durchschnittlichen Ticketpreises.
Teilkompensation und aktuelle Kennzahlen
Als Teilkompensation plant Austrian Airlines auf den Strecken nach München und Frankfurt den Einsatz größerer Flugzeuge sowie zwei Zusatzflüge pro Woche nach Zürich. Im laufenden Sommerflugplan bedient der Graz Airport rund 35 Destinationen in 14 Ländern. Im ersten Halbjahr 2026 wurden 366.158 Passagiere gezählt - nahezu unverändert gegenüber dem Vorjahreszeitraum (-0,04 %), während die Flugbewegungen um 4,8 Prozent auf 10.625 zurückgingen. Im Gesamtjahr 2025 hatte der Flughafen 831.095 Passagiere betreut, im Frachtbereich wurde mit 19.500 Tonnen ein Rekordergebnis erzielt.
Strategischer Kontext: Koralmbahn und Holding Graz
Mit Jahresbeginn 2026 wurde der Flughafen der Vorstandssparte „Mobilität & Freizeit" der Holding Graz zugeordnet. Holding-Vorstand Mark Perz sieht den Airport dank Koralmbahn und Semmeringtunnel als Knotenpunkt „im Zentrum eines der dynamischsten Wirtschaftsräume Mitteleuropas". Die aktuelle Situation verleiht der Forderung nach einer Koralmbahn-Haltestelle direkt am Flughafen Graz neuen Schub - sie wird als wichtige infrastrukturelle Antwort auf den Wegfall der Wien-Direktverbindung gesehen. Als Regionalflughafen sichert der Graz Airport die internationale Erreichbarkeit für die steirische Wirtschaft, zieht Investoren und Fachkräfte an und unterstützt die heimische Exportwirtschaft - Funktionen, die durch den Streckenverlust künftig stärker unter Druck geraten.