Gemeinderatswahl Graz 2026: KPÖ liegt klar vorne
Am 28. Juni 2026 wählt Graz einen neuen Gemeinderat. Laut einer aktuellen Hajek-Umfrage führt die KPÖ mit 31 Prozent deutlich, doch der endgültige Ausgang gilt als offen.
Am 28. Juni 2026 findet die Grazer Gemeinderatswahl statt. In 272 Wahllokalen können die Grazerinnen und Grazer zwischen 7 und 16 Uhr ihre Stimme abgeben. Bürgermeisterin Elke Kahr hatte den Termin persönlich verkündet und begründete ihn so: „Die Monate im Sommer können dadurch genutzt werden, um die neue Periode gut vorbereiten zu können."
KPÖ laut Umfrage klar in Führung
Eine aktuelle Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Peter Hajek Public Opinion Strategies vom März 2026 sieht die KPÖ mit 31 Prozent deutlich an der Spitze. Das wäre ein weiterer Zuwachs gegenüber dem Wahlergebnis von 2021, als die Kommunisten mit 28,8 Prozent überraschend gewonnen hatten. Hajek fasst die Lage zusammen: „Die Karten für die Grazer Gemeinderatswahl scheinen laut neuer Umfrage klar verteilt: Die KPÖ liegt mit 31 Prozent vorne, dahinter matchen sich ÖVP und FPÖ um den zweiten Platz."
Die ÖVP kommt demnach auf 20 Prozent, was gegenüber 2021 (25,9 %) einem Minus von sechs Prozentpunkten entspräche. Die FPÖ liegt bei 18 Prozent, die Grünen bei 14 Prozent. SPÖ und NEOS rangieren gleichauf bei je 8 Prozent. Meinungsforscher Hajek prognostiziert der SPÖ schwere Zeiten und ein Duell mit den NEOS um den fünften Platz.
In einer fiktiven Direktwahl des Bürgermeisters führt Elke Kahr mit 43 Prozent noch deutlicher. ÖVP-Spitzenkandidat Kurt Hohensinner folgt mit 18 Prozent, FPÖ-Kandidat René Apfelknab kommt auf 7 Prozent. Hajek hält fest, Kahr habe im Amt als Bürgermeisterin „weiter an Statur gewonnen".
Koalitionsfrage bleibt offen
Trotz der klaren Umfragewerte ist die Frage, wer künftig das Rathaus regiert, noch nicht beantwortet. Eine Zusammenarbeit zwischen KPÖ und FPÖ schließen beide Seiten aus. Eine Koalition zwischen KPÖ und ÖVP gilt zwar als nicht vollständig ausgeschlossen, in der Praxis aber als schwer vorstellbar. ÖVP-Stadtparteiobmann Hohensinner übte bereits scharfe Kritik: „Nach der Frage um die Spitzenkandidatin inszeniert die Kahr-KPÖ zum zweiten Mal künstlich Vorwahl-Spannung, bleibt aber schuldig, wofür sie gewählt wurde: Lösungen für Graz."
Graz tickt anders als die Steiermark
Für den lokalen Kontext ist ein Hinweis des Meinungsforschers aufschlussreich: Als Universitäts- und Studentenstadt verhalte sich Graz wahltechnisch anders als das Bundesland Steiermark insgesamt. Das zeigte sich bereits 2021, als Elke Kahr als erste Frau, erste Tochter einer Arbeiterfamilie und erste Kommunistin an die Spitze der zweitgrößten Stadt Österreichs gewählt wurde - ein Ergebnis, das internationale Medien von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bis zur New York Times für eine Sensation hielten. Damals hatte keine Umfrage den KPÖ-Sieg vorhergesagt. Auch diesmal mahnt Hajek zur Vorsicht bei der Interpretation der Daten.
Wer brieflich wählen möchte, konnte eine Wahlkarte bereits ab 16. April 2026 beantragen. Der Versand der Briefwahlunterlagen beginnt am 8. Juni 2026. Weitere Informationen zur Wahl stellt die Stadt Graz auf ihrem Stadtportal bereit.