Joanneumgarten: Neue Ausstellung zur Gartengeschichte
Die Steiermärkische Landesbibliothek zeigt seit 21. Mai 2026 die Ausstellung zur Geschichte des Joanneumgartens – jenem botanischen Paradies, das einst fünf Hektar im Herzen von Graz umfasste und 1904 endgültig verschwand.
Ein verschwundenes Stück Graz kehrt zumindest in Bildern und Dokumenten zurück: Am 21. Mai 2026 eröffnete die Steiermärkische Landesbibliothek in der Kalchberggasse 2 die Ausstellung „Der Garten – Vom Entstehen und Vergehen des Joanneumgartens in Graz bis zu heutigen Begrünungs-Initiativen in der Stadt". Die Schau ist bis 30. April 2027 zu sehen, der Eintritt ist frei.
Ein botanisches Paradies mitten in der Stadt
Der Joanneumgarten geht auf das Jahr 1811 zurück, als Erzherzog Johann den barocken Garten des Lesliehofs als Ausgangsareal für die botanische Sammlung des Joanneums plante. Der Garten erstreckte sich ursprünglich von der Neutorgasse bis zum Eisernen Tor und umfasste zuletzt eine Fläche von fünf Hektar - bis zum Jakominiplatz. Erzherzog Johann holte renommierte Botaniker an das Joanneum; die Lehranstalt entwickelte sich zu einem wissenschaftlich bedeutenden Zentrum, dessen Garten entsprechend den Forschungsschwerpunkten gestaltet wurde.
Mit zunehmendem Stadtentwicklungsdruck wurden Teile des Areals schrittweise in Bauflächen umgewandelt. Um 1890 wurde der Joanneumgarten schließlich - unter dem Protest vieler Grazerinnen und Grazer - aufgelassen. Die Pflanzen und Bäume wurden in den neu gegründeten Botanischen Garten der Universität in der Schubertstraße übersiedelt. 1904 fielen die letzten Bäume.
Bibliophile Schätze und zeitgenössischer Bezug
Die Kuratorinnen und Kuratoren Monika Primas und Markus Kostajnsek haben für die Ausstellung außergewöhnliche bibliophile Schätze aus den Beständen der Landesbibliothek zusammengestellt. Historische Objekte und Dokumente machen greifbar, was sich einst zwischen Neutorgasse und Eisernes Tor erstreckte. Eröffnet wurde die Schau von LAbg. Sandra Holasek.
Katharina Kocher-Lichem, Leiterin der Steiermärkischen Landesbibliothek, brachte die Intention der Ausstellung auf den Punkt: „Mit der Ausstellung soll dieser Garten mitten in Graz symbolhaft wieder aufblühen. Gezeigt wird auch, wie schnell etwas zerstört ist und welch hohe Anstrengungen nötig sind, um Bruchteile dessen zurück zu holen." Bei der Eröffnung wurde zudem betont, dass die wissenschaftliche Dokumentation große Bedeutung für die Stadtplanung habe und Impulse für urbane Herausforderungen liefern könne.
Eingebettet ins Jahresthema BLOOM
Die Ausstellung ist Teil des stadtweiten Jahresthemas BLOOM 2026, das insgesamt zehn Ausstellungen am Universalmuseum Joanneum und im Kunsthaus Graz umfasst. BLOOM beleuchtet, wie Blumen Kulturen verbinden, Wissenschaften inspirieren und Mythen erschaffen - aber auch, wie sie historisch den Kolonialismus angetrieben haben. Den Höhepunkt bildet der Festivalmonat Juni 2026, wenn die acht Standorte mit einer Vielzahl an Veranstaltungen bespielt werden.
Für Graz ist das Thema des verschwundenen Grünraums hochaktuell: Die Geschichte des Joanneumgartens liefert konkrete Anknüpfungspunkte für die laufende Debatte über urbane Begrünung in der steirischen Landeshauptstadt. Die Ausstellung in der Kalchberggasse 2 im Joanneumsviertel ist zu den regulären Öffnungszeiten der Landesbibliothek zugänglich.