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Graz-Wahl 2026: NEOS öffnen sich für KPÖ-Koalition

Vor der Grazer Gemeinderatswahl am 28. Juni 2026 zeichnet sich bei den NEOS eine strategische Kurskorrektur ab: Spitzenkandidat Philipp Pointner, der zu Wahlkampfbeginn eine Koalition mit dem "linken oder rechten Rand" ausgeschlossen hatte, scheint die Tür zur führenden KPÖ nun nicht mehr geschlossen zu halten.

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Zwölf Tage vor der Grazer Gemeinderatswahl am 28. Juni 2026 verdichten sich die Signale, dass die NEOS ihre ursprüngliche Koalitionsabsage an die KPÖ überdenken. Spitzenkandidat Philipp Pointner hatte zu Beginn des Wahlkampfes im April noch klar formuliert, NEOS würden keine Koalition mit dem politisch „linken oder rechten Rand" eingehen. Eine öffentliche Öffnung in Richtung der aktuell führenden KPÖ wäre eine deutliche Abkehr von dieser Linie.

Umfragen als Wegweiser

Der Hintergrund dieser möglichen Kurskorrektur liegt in der Ausgangslage vor der Wahl. Laut einer Umfrage des Instituts Peter Hajek aus dem März 2026 führt die KPÖ mit 31 Prozent, gefolgt von der ÖVP mit 20 Prozent und der FPÖ mit 18 Prozent. Die Grünen liegen bei 14 Prozent, während SPÖ und NEOS mit je 8 Prozent im einstelligen Bereich verharren. Für die Pinken würde eine Annäherung an die wahrscheinlich erneut stärkste Kraft strategisch Sinn ergeben: Eine Koalitionsoption mit der KPÖ könnte NEOS zur Schlüsselpartei in Regierungsverhandlungen machen.

Pointner: Finanzen und Bildung im Fokus

Inhaltlich setzt Pointner im Wahlkampf vor allem auf Stadtfinanzen und Bildung. „Wir müssen endlich ins Tun kommen. Es braucht Reformen, weil die Finanzen der Stadt sind aus dem Gleichgewicht. Sonst wird der Sanierer bald vor der Tür stehen", wird der NEOS-Spitzenkandidat auf der Wahlkampfseite der Partei zitiert. Der Schuldenstand der Stadt sei auf „fast zwei Milliarden Euro" angewachsen. Als zentrales Ziel nennen die NEOS erstmals Regierungsverantwortung in Graz - konkret einen „pinken Bildungsstadtrat": „Warum sollte Graz nicht vom ersten pinken Bildungsstadtrat träumen?", heißt es in einem NEOS-Blogbeitrag vom Mai 2026.

Gleichzeitig bleibt die offizielle Linie der Partei gegenüber der KPÖ-geführten Stadtregierung scharf. Auf der NEOS-Wahlkampfseite heißt es noch immer: „KPÖ, Grüne und SPÖ verwalten den Stillstand." Eine direkte, belegbare Aussage Pointners zur Öffnung gegenüber der KPÖ als Koalitionspartnerin liegt aus offiziellen Primärquellen der Partei derzeit nicht vor.

Historische Ausgangslage in Graz

Der Kontext ist in der Steiermark-Metropole ein besonderer: Bei der Gemeinderatswahl 2021 war die KPÖ erstmals zur stärksten Kraft in Graz geworden, mit fast 29 Prozent der Stimmen. Elke Kahr wurde daraufhin zur ersten kommunistischen Bürgermeisterin einer österreichischen Landeshauptstadt gewählt und führt seither eine Koalition mit Grünen und SPÖ. Rund 266.000 Wahlberechtigte sind am 28. Juni zur Urne gerufen, auf dem Stimmzettel kandidieren insgesamt 10 Parteien.

Ob die NEOS tatsächlich eine formelle Koalitionsbereitschaft mit der KPÖ erklären, bleibt bis zu einer offiziellen Stellungnahme der Partei offen. Auf der Wahlkampfseite von NEOS Steiermark finden sich dazu bislang keine eindeutigen Signale - die strategische Frage dürfte aber spätestens in der Wahlnacht zum zentralen Thema werden.