Graz-Wien-Flug gestrichen: Ticketpreise steigen
Austrian Airlines stellt die Flugverbindung Graz-Wien mit 24. Oktober 2026 ein. Bereits im Juli 2026 waren die Tickets rund 7 Prozent teurer als im Vorjahr - für den Wirtschaftsstandort Graz ein empfindlicher Verlust.
Nach mehr als sechs Jahrzehnten ist die Verbindung zwischen dem Flughafen Graz und Wien-Schwechat Geschichte: Austrian Airlines (AUA) stellt die Strecke mit 24. Oktober 2026 - dem Beginn des Winterflugplans 2026/27 - ein. Die Airline begründet den Schritt mit anhaltenden wirtschaftlichen Verlusten. Laut einer AUA-Aussendung handelt es sich um eine „bereits seit Jahren hoch defizitäre Verbindung", die nach „sorgfältiger Abwägung der Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Graz" gestrichen werde.
Kerosinpreise und Kriegsfolgen belasten die AUA
Als wesentlicher Treiber der Misere gelten die stark gestiegenen Kerosinpreise infolge des Iran-Krieges. Im ersten Halbjahr 2026 verzeichnete die Lufthansa-Tochter ein bereinigtes EBIT von minus 93 Millionen Euro. Die Treibstoffkosten lagen trotz Absicherungsgeschäften um mehr als 60 Millionen Euro über dem Vorjahreswert. Diese Belastung macht Kurzstrecken wie Graz-Wien, die ohnehin kaum rentabel sind, vollends undarstellbar.
Heuer nutzen rund 60.000 Fluggäste die Strecke - vor allem Geschäftsreisende und Passagiere mit internationalen Anschlussflügen. Bereits im Juli 2026 lagen die Ticketpreise auf dieser Route um rund 7 Prozent über dem Vorjahresniveau. Mit dem Wegfall des Angebots dürfte der Druck auf alternative Verkehrsmittel und verbleibende Verbindungen weiter steigen.
Doppelter Schlag für den Flughafen Graz
Für den Flughafen Graz kommt die Entscheidung zur Unzeit. Erst wenige Wochen zuvor hatte Eurowings die Schließung seiner Grazer Basis bekanntgegeben, wodurch ebenfalls mehrere Verbindungen wegfallen. Mit der Einstellung der Wien-Route verliert der Flughafen nun zusätzlich seine direkte Anbindung an das größte österreichische Luftfahrt-Drehkreuz.
Flughafen-Graz-Geschäftsführer Wolfgang Grimus warnt vor den Folgen für die regionale Wirtschaft: „Die Verbindung Graz-Wien war für viele Unternehmen ein essenzieller Bestandteil ihrer internationalen Geschäftsbeziehungen." Steirische Exporteure und Pendler müssen künftig auf die Bahn, den Pkw oder aufwendigere Umwege über andere Flughäfen ausweichen.
Teilkompensation über Frankfurt, München und Zürich
Als Ausgleich baut die AUA die Kapazitäten auf anderen Graz-Strecken aus: Das Sitzplatzangebot nach Frankfurt steigt um 25 Prozent, nach München um 10 Prozent und nach Zürich um 40 Prozent. Über das AIRail-Angebot soll zudem die Anbindung an das internationale AUA-Streckennetz ab Wien gewährleistet bleiben. Ob das die Lücke für Vielreisende schließt, bleibt offen.
Landeshauptmann Mario Kunasek zeigte sich gegenüber der Pressemitteilung des Landes Steiermark zurückhaltend optimistisch: „Erfreulich ist, dass die AUA die gestrichene Flugverbindung durch verstärkte Anbindungen an andere internationale Drehkreuze wie Frankfurt, Zürich und München kompensieren wird. Ich werde mit den Stakeholdern des Flughafens Graz weitere Gespräche über dessen zukünftige Ausrichtung führen." Noch im Mai hatte AUA-Chefin Annette Mann betont, die Wien-Graz-Verbindung sei eine „Standortfrage" - nun fiel die Entscheidung dennoch zugunsten der Wirtschaftlichkeit.