GRAZ JOURNAL
aktuellespolitikwirtschaft

Trockenheit in Graz: Stadtbäume sterben, neue Arten kommen

Die anhaltende Trockenheit setzt dem Grazer Baumbestand massiv zu: Birken, Linden und Buchen werden aus dem Stadtbild verschwinden. Die Stadt Graz setzt auf hitzeresistente Ersatzarten und eine verschärfte Baumschutzverordnung.

· Von

Abgestorbene Birken in Innenhöfen, von unten braun werdende Fichten, vertrocknete Linden entlang von Grazer Straßen: Die seit Monaten anhaltende Trockenheit hinterlässt im Stadtbild der steirischen Landeshauptstadt unübersehbare Spuren. Robert Wiener, Leiter der Grünraum- und Gewässerabteilung der Stadt Graz, bestätigt den Ernst der Lage: Bergahorn, Birken, Linden, Buchen und Nadelbäume werden in der Stadt sukzessive verschwinden.

Rekordtrockenheit trifft Steiermark besonders hart

Der Frühling 2026 war laut Geosphere Austria der trockenste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1858. Österreichweit fiel rund zwei Drittel weniger Niederschlag als im langjährigen Durchschnitt. Besonders gravierend: Im April wurden österreichweit nur rund 23 Millimeter Regen gemessen - ein Minus von etwa 65 Prozent. Die Steiermark zählt zu den am stärksten betroffenen Regionen. Entlang von Mur und Mürz sowie in der Südsteiermark wurden Niederschlagsdefizite von 70 bis 85 Prozent registriert, mit massiven Folgen für Böden, Landwirtschaft und Wasserreserven. Das Grazer Becken gilt unter Experten als eine der Problemregionen, in der klimabedingte Trockenheit künftig deutlich zunehmen wird.

Schädlinge nutzen geschwächte Bäume aus

Der Klimawandel lässt Tropentage, Hitzewellen und verlängerte Trockenperioden zunehmen, während Schnee- und Regentage seltener werden. Wenn Regen fällt, trifft er häufig als Starkregen auf ausgetrocknete Böden, die das Wasser kaum aufnehmen können. An Linden und Ahornbäumen sind bereits im Frühsommer braune Blattnekrosen zu beobachten. Geschwächte Bäume werden zudem verstärkt von Schädlingen befallen: Die Miniermotte setzt der im Grazer Stadtbild vertrauten weißblühenden Rosskastanie immer stärker zu.

Hitzeresistente Baumarten als Ersatz

Die Stadt Graz reagiert mit einer klaren Strategie. Als Ersatz für ausfallende heimische Arten setzt die Stadtgartnerei auf hitzeresistente Baumarten: Japanischer Schnurbaum, Japanische Zelkove, Blasenbaum, Zürgelbaum, Gleditschie und Blumenesche sollen künftig das Stadtgrün prägen. Wiener zeigt sich vorsichtig optimistisch: „Man hat schon rechtzeitig und frühzeitig begonnen mit klimaverträglichen Baumarten zu operieren. Zum Beispiel den Schnurbäumen, denen geht es verhältnismäßig gut."

Parallel dazu erarbeitet die Stadt neue Bewässerungskonzepte: Regen- und Straßenwässer sollen auf Grünflächen umgeleitet werden. Erste Projektverträge mit Hausbesitzern - etwa in der Leonhardstraße - wurden bereits abgeschlossen.

Neue Baumschutzverordnung und globale Initiative

Auch rechtlich zieht die Stadt Graz Konsequenzen: Eine neue Baumschutzverordnung sieht vor, dass die Kompensationszahlung für genehmigte Baumfällungen von 400 auf 1.500 Euro angehoben wird. Je nach Stammumfang sind zudem mehrere Ersatzpflanzungen vorgeschrieben. Vizebürgermeisterin Judith Schwentner wertet dies als Trendwende: „2024 wurden erstmals mehr Bäume als Ersatz vorgeschrieben, als gefällt werden durften - das ist ein echter Kurswechsel. Damit wächst der Baumbestand."

Graz ist außerdem Teil der Trees in Cities Challenge der UNECE, einer globalen Initiative, der mittlerweile 80 Städte angehören. Im Rahmen des Projektes „Klimabaumhain" wird gemeinsam mit Wien und Innsbruck untersucht, welche Baumarten sich langfristig als Straßen- und Stadtbäume eignen. Die Ergebnisse werden die Bepflanzungsstrategie der Landeshauptstadt in den kommenden Jahren maßgeblich bestimmen.