GRAZ JOURNAL
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Grazer Rathaus: Umbau für erste Rollstuhlfahrerin im Gemeinderat

Mit Barbara Sima-Ruml zieht nach der Grazer Gemeinderatswahl vom 28. Juni 2026 voraussichtlich die erste Rollstuhlfahrerin in den Gemeinderat ein. Das historische Rathaus ist für eine gleichberechtigte Teilnahme jedoch noch nicht ausreichend gerüstet.

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Nach der Grazer Gemeinderatswahl vom 28. Juni 2026 steht eine historische Premiere bevor: Barbara Sima-Ruml von den Grünen wird aller Voraussicht nach als erste Rollstuhlfahrerin in den Grazer Gemeinderat einziehen. Sie kandidierte auf Listenplatz 4, der als klar mandatssicher gilt. Damit rückt eine strukturelle Frage in den Mittelpunkt, die das Rathaus in seiner historischen Bausubstanz bislang nie lösen musste.

Bestehende Lösungen reichen nicht aus

Im Gemeinderatssaal des Rathauses gibt es zwar technische Behelfe wie einen Lift oder alternative Sitzplätze, diese würden Sima-Ruml jedoch abseits der anderen Gemeinderätinnen und Gemeinderäte positionieren. Eine gleichberechtigte, nicht separierte Teilnahme ist mit dem derzeitigen baulichen Zustand nicht möglich. Konkrete Pläne, Kosten und ein Zeitplan für die notwendigen Umbauten waren bis Redaktionsschluss über offizielle Quellen nicht zu verifizieren.

Sima-Ruml selbst ist keine politische Neueinsteigerin: Sie kandidierte bereits bei Nationalrats- und Landtagswahlen, ihr inhaltlicher Schwerpunkt liegt auf Inklusion und Barrierefreiheit. In einem Interview mit dem österreichischen Informationszentrum Bizeps sagte sie: „Seit fast 25 Jahren nutze ich einen Rollstuhl und weiß, wie es ist, ohne und mit Behinderung zu leben."

Kein völliges Neuland im Grazer Gemeinderat

Einen Gemeinderat mit Behinderung gab es in Graz bereits: Mario Kowald, blinder ÖVP-Politiker, war ab 2008 als Mandatar vertreten. Die Herausforderung einer Rollstuhlnutzerin im Sitzungssaal stellt das Rathaus baulich jedoch vor eine andere Dimension. Sima-Ruml zieht als Teil des Teams rund um Grünen-Spitzenkandidatin Judith Schwentner ein, die Grünen blieben bei der Wahl - mit einer Wahlbeteiligung von 54,17 Prozent - stabil im Gemeinderat vertreten. Den ersten Platz sicherte sich die KPÖ.

Glaubwürdigkeitstest für die Inklusionsstrategie

Der Fall macht ein strukturelles Defizit im Herzen der Grazer Demokratie sichtbar - und das zu einem politisch brisanten Zeitpunkt. Graz beschloss 2023 auf Initiative von Kurt Hohensinner die Inklusionsstrategie „Graz Inklusiv - Eine Stadt Für Alle" mit einer eigenen Koordinationsstelle im Sozialamt und positioniert sich damit auf kommunaler Ebene österreichweit als Vorreiterin. Inklusionsstadträtin Claudia Unger betonte jedoch, der erste Zwischenbericht zeige, wo noch Handlungsbedarf bestehe - besonders bei Verkehr und Gemeindewohnungen.

Dass nun ausgerechnet das eigene Rathaus als baulicher Problemfall ins Rampenlicht gerät, ist für die Stadt eine besondere Herausforderung. Die notwendigen Umbauten sind damit weit mehr als eine bauliche Pflichtaufgabe: Sie werden zum konkreten Prüfstein dafür, ob Graz den eigenen Anspruch auf gelebte Inklusion auch im Zentrum seiner demokratischen Institutionen einlösen kann.

Die Baudirektion der Stadt Graz sowie der Grüne Gemeinderatsklub wurden um Stellungnahme zu konkreten Umbaumaßnahmen und deren Zeitplan gebeten.