Grazer Sportvereine: Förderung wegen Budgetengpass gestrichen
Rund 20 Grazer Sportvereine warten auf fix einkalkulierte Förderungen, die die Stadt Graz wegen finanzieller Engpässe bisher nicht ausgezahlt hat. Finanzstadtrat Manfred Eber (KPÖ) kündigte eine politische Entscheidung noch diese Woche an.
Rund 20 Grazer Sportvereine befinden sich in einer akuten Finanznot: Die Stadt Graz hat fest eingeplante Förderungen bisher nicht ausgezahlt. Grund dafür ist eine Haushaltssperre, die Finanzstadtrat Manfred Eber (KPÖ) mit unerwarteten Millionen-Nachforderungen im Behindertenbereich begründet. Ein Sondergemeinderat zur Finanzlage hatte bereits am 17. September 2026 stattgefunden, ohne dass eine abschließende Lösung für die betroffenen Vereine gefunden wurde.
Budgetloch von mindestens 30.000 Euro pro Verein
Die Konsequenzen für die Vereine sind konkret und gravierend. Jürgen Mayrhofer, Vorstandsmitglied eines betroffenen Vereins, bringt die Lage auf den Punkt: „Wenn das so bliebe und wir die Förderung nicht kriegen, haben wir ein Budgetloch von mindestens 30.000 Euro, und die Betriebskosten werden ja nicht günstiger in Zukunft." Viele Vereine stehen bereits seit Längerem unter Druck - stark gestiegene Energiekosten und höhere Hallenmieten haben die Lage zusätzlich verschärft.
Finanzstadtrat Eber erklärte dazu: „Wir haben aufgrund der angespannten finanziellen Situation jetzt eine Vorgangsweise gewählt, die so aussieht, dass bis Ende dieser Woche die Förderanträge von allen Abteilungen priorisiert werden und dann politisch entschieden werden. Aber natürlich bemühen wir uns, da einen möglichst großen Anteil freizuschaufeln, damit alle Förderanträge zur Auszahlung gelangen können." Die Auszahlung soll demnach noch im Jahr 2026 erfolgen; auch Förderanträge für 2027 sollen dann wieder bearbeitet werden können.
Sportbudget weit hinter Kulturbudget
Die Zahlen verdeutlichen das strukturelle Ungleichgewicht in der Grazer Förderpraxis: Das Sportbudget der Stadt wurde bereits von 5,2 Mio. Euro (2024) auf 4,5 Mio. Euro für 2025 abgesenkt. Im Vergleich dazu beläuft sich das Kulturbudget derzeit auf 36,4 Mio. Euro. Vertreter aller neun Grazer Bundesligamannschaften hatten bereits im Juni 2026 eine kurzfristige Erhöhung des Sportbudgets auf 5,5 Mio. Euro gefordert - bislang ohne Erfolg.
Nachwuchsarbeit in Graz gefährdet
Die neun Grazer Bundesligisten beschäftigen zusammen mehr als 250 Trainerinnen und Trainer und betreuen mehr als 2.000 Jugendliche. Ein Wegfall der städtischen Förderungen würde damit nicht nur den laufenden Vereinsbetrieb treffen, sondern die gesamte Nachwuchsarbeit im Grazer Sport gefährden. Vereine, die seit Jahrzehnten auf Stadtförderung angewiesen sind, hätten kaum Möglichkeiten, kurzfristig alternative Finanzierungsquellen zu erschließen.
Zusätzlichen Druck erzeugt das angekündigte Aus der ORF-Landesabgabe: Damit würden der Stadt jährlich rund 30 Mio. Euro wegfallen - drei Viertel davon sind zweckgebunden für Kultur- und Sportförderung. Sollte diese Einnahme tatsächlich entfallen, dürfte sich die Finanzierungslage für den Grazer Breitensport in den kommenden Jahren weiter zuspitzen. Die Grazer Sportförderung steht damit vor einer grundlegenden Neuausrichtung - ob mit ausreichend Mitteln, entscheidet sich noch diese Woche.