Hitze in Pflegeheimen: Grazer Pflegekrise verschärft sich
Anhaltende Hitzewellen treffen ältere Menschen und Pflegepersonal in steirischen Pflegeheimen hart. Gleichzeitig prüft die Landesregierung eine Senkung des Pflegeschlüssels - was laut Opposition und Gewerkschaften rund 13.000 Bewohnerinnen und Bewohner betreffen würde.
Temperaturen von bis zu 35 Grad Celsius - und nachts kaum Abkühlung unter 20 Grad - setzen älteren und pflegebedürftigen Menschen in steirischen Pflegeheimen im Juli 2026 stark zu. Das Pflegepersonal muss Bewohnerinnen und Bewohner engmaschiger beobachten und deutlich häufiger mit Flüssigkeit versorgen. Die ohnehin angespannte Lage in der steirischen Langzeitpflege spitzt sich damit weiter zu.
Hitzeschutzmaßnahmen in Grazer Pflegeeinrichtungen
Die Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz (GGZ) reagierten mit einer konkreten Hitzeschutzaktion: In der Albert Schweitzer Klinik sowie in vier Pflegewohnheimen werden kostenlos Kühltücher verteilt. Die Maßnahme soll laut GGZ bestehende Hitzeschutzmaßnahmen ergänzen und die gesundheitlichen Risiken für ältere Menschen minimieren. Das Land Steiermark hat seinen Hitzeschutzplan in der 5. Auflage 2026 aktualisiert und die Hotline 0800 880 800 eingerichtet. Bei aktiver Warnstufe werden alle Pflegeheime, Krankenhäuser, Kindergärten und Schulen direkt mit Wetterprognosen und Handlungsempfehlungen informiert. Die Stadt Graz ergänzt dies mit einem eigenen Hitzeaktionsplan, der sogenannte Cool Spaces und Trinkwasserstellen im Stadtgebiet bündelt.
SPÖ-Chef Max Lercher fordert angesichts der Lage eine Landesförderung für Klimageräte, kühle Gemeinschaftsräume und baulichen Sonnenschutz in Pflegeeinrichtungen. Auch die Pflegeombudsschaft schlägt Alarm und drängt auf bauliche Maßnahmen sowie die Anschaffung von Klimageräten.
Drohender Personalabbau alarmiert Politik und Gewerkschaften
Die Hitze trifft die steirische Pflege in einer strukturell schwierigen Phase. Gesundheitslandesrat Karlheinz Kornhäusl (ÖVP) bestätigte im Gesundheits- und Pflegeausschuss, dass die Landesregierung eine Reduktion des Pflegeschlüssels prüft - also weniger Pflegepersonal für pflegebedürftige Menschen. Von einer solchen Senkung wären laut Gewerkschaften und Opposition rund 13.000 Bewohnerinnen und Bewohner in steirischen Pflegeheimen betroffen. Mehr als 12.500 Menschen haben sich bereits öffentlich gegen Verschlechterungen bei der Personalausstattung ausgesprochen.
Grazer Stadtrat Robert Krotzer warnte ausdrücklich: „Die drohende Verschlechterung des Pflegepersonalschlüssels geht uns alle an." KPÖ-Klubobfrau Claudia Klimt-Weithaler hatte bereits zu Jahresbeginn 2026 auf die Folgen hingewiesen: Steigende Krankenstände, höhere Fluktuation beim Pflegepersonal, zusätzliche Kosten im Gesundheits- und Sozialsystem sowie spürbare Qualitätsverluste in der Versorgung. Die KPÖ Steiermark betonte in einer Aussendung: „Das dürfen wir nicht einfach hinnehmen - es muss alles unternommen werden, um diesen Schritt zu verhindern."
Strukturelle Belastung seit Jahren bekannt
Die Steiermark leidet bereits jetzt unter einem vergleichsweise niedrigen Personalschlüssel und einem akuten Fachkräftemangel. Pflegepersonalprognosen zeigen seit Jahren steigende Belastung, hohe Teilzeitquoten und zunehmende Schwierigkeiten, Beschäftigte langfristig im Beruf zu halten. Viele reduzieren ihre Arbeitsstunden laut KPÖ nicht freiwillig, sondern weil dauerhafte Überlastung langfristig krank macht. Seit 1. Jänner 2026 gilt in ganz Österreich zudem die neue Hitzeschutzverordnung für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Freien, die Arbeitgeber ab Hitzewarnstufe 2 zu konkreten Schutzmaßnahmen verpflichtet. Für das Innenpersonal in Pflegeeinrichtungen bleibt die Rechtslage hingegen weiterhin weniger klar geregelt - ein Umstand, den Kritiker bereits länger bemängeln.