Klimagesetz 2040: Wegener Center sieht Chance für Graz
Das Grazer Wegener Center für Klima und Globalen Wandel analysiert das neue Klimagesetz der Bundesregierung und sieht darin vor allem eine wirtschaftliche Chance: Österreich profitiert mit hohen Exportquoten im Green-Tech-Bereich besonders stark von einer konsequenten Klimapolitik.
Am 18. September 2026 schickte die Bundesregierung ihr lang erwartetes Klimagesetz in Begutachtung. Kernstück ist die gesetzliche Verankerung des Ziels der Klimaneutralität bis 2040. Das Wegener Center für Klima und Globalen Wandel der Universität Graz hat die neuen Eckpunkte analysiert und positioniert sich dabei als Vermittler zwischen den kritischen Stimmen aus der Umweltbewegung und jenen aus der Industrie.
Hohe Exportquoten als Argument
Für das Grazer Forschungsinstitut steht vor allem der wirtschaftliche Nutzen im Vordergrund. Österreich verfügt im Bereich Green Tech über bemerkenswert hohe Exportquoten: Bei Solarthermie liegt diese bei 88 Prozent, bei Biomasse-Feueranlagen sogar bei 91 Prozent und bei Wärmepumpen bei 69 Prozent. Diese Zahlen unterstreichen, dass ein konsequentes Klimagesetz heimischen Unternehmen direkt in die Hände spielt - und damit auch dem Wirtschaftsstandort Steiermark.
Das neue Gesetz richtet seinen Fokus vorrangig auf Sektoren außerhalb des EU-Emissionshandels, darunter Verkehr, Gebäude, Landwirtschaft, Kleinindustrie und Abfallwirtschaft. Genau in diesen Bereichen liegen laut dem Wegener Center erhebliche Potenziale für heimische Technologieanbieter.
Warnung vor der Standortklausel
Diskutiert wird im Begutachtungsverfahren auch eine sogenannte Standortklausel, die eine Korrektur des Klimafahrplans bei volkswirtschaftlichen Problemen ermöglichen würde. Das Wegener Center warnt hier zur Vorsicht: Österreich wäre „gut beraten", nicht auf die Wertschöpfungsimpulse zu verzichten, die eine entschlossene Klimapolitik mit sich bringt.
Dieser Standpunkt stützt sich auf eine Analyse, die das Wegener Center im Mai 2026 im Auftrag des WWF erstellt hat. Darin wird argumentiert, dass eine Budgetsanierung ohne Klimapolitik mehrfach kontraproduktiv wäre: Kürzungen im Klima- und Umweltbereich würden zu steigenden Staatsausgaben und gleichzeitig sinkenden Einnahmen führen. Karl Steininger, Leiter des Wegener Centers, brachte es auf den Punkt: „Budgetäre Spielräume werden untergraben, wenn Klimarisiken nicht proaktiv gemanagt werden."
Frühere Beschlussfassung empfohlen
Neben der inhaltlichen Einordnung mahnt das Wegener Center auch zur Eile bei der Zeitplanung. Eine frühere Beschlussfassung des Klimafahrplans sei „hoch anzuraten", um Planungssicherheit für Unternehmen und Haushalte zu schaffen. Klima- und Umweltschutzminister Norbert Totschnig (ÖVP) bezeichnete das Gesetz bereits als „das wirkungsvollste Klimagesetz, das es je gegeben habe", und betonte, es solle einen klaren Rahmen schaffen, aber keinen „Würgegriff" darstellen.
Grazer Institut als wissenschaftliche Stimme
Das Wegener Center in der Brandhofgasse 5 in Graz vereint rund 60 Forschende aus Geophysik, Meteorologie, Volkswirtschaft, Transformationsforschung und Geographie. Geleitet wird es von Klimaökonom Karl Steininger und Transformationsforscherin Ilona M. Otto. Im Oktober 2025 feierte das Institut sein 20-jähriges Bestehen. Als direkte wissenschaftliche Stimme aus Graz in der österreichischen Klimagesetz-Debatte unterstreicht das Wegener Center, dass ein konsequentes Klimagesetz für den steirischen Green-Tech-Exportstandort ökologisch wie wirtschaftlich gleichermaßen bedeutsam ist.