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Koffein bei Ameisen: Uni Graz zeigt lebensverlängernden Effekt

Biologinnen der Universität Graz haben nachgewiesen, dass Koffein das Leben von mit einem Pilzerreger infizierten Ameisen verlängern kann. Die erkrankten Tiere griffen dabei gezielt zu koffeinhaltigem Futter – gesunde Tiere mieden es.

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Ameisen greifen im Krankheitsfall offenbar gezielt zu natürlichen Wirkstoffen: Biologinnen der Universität Graz haben in einer aktuellen Studie nachgewiesen, dass Koffein das Überleben von Pilz-infizierten Ameisen deutlich verlängern kann. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Animal Behaviour veröffentlicht.

Erkrankte Ameisen bevorzugen Koffein

Im Mittelpunkt der Studie stand die Waldameisenart Formica fusca, die in Österreich weit verbreitet ist. Die Tiere wurden mit dem Pilzerreger Beauveria bassiana infiziert, einem häufig auftretenden Schaderreger bei Insekten. Die Beobachtung war eindeutig: Während gesunde Ameisen das koffeinhaltige Futter konsequent mieden, tendierten erkrankte Tiere klar zu ebendiesem. Bevorzugt fraßen sie Nahrung mit einer Konzentration von 100 mg/kg Koffein - das entspricht etwa einem Zehntel der Koffeinmenge eines Espressos.

Die Auswirkungen waren messbar: „Die Ameisen blieben länger aktiv und die Sterblichkeit verzögerte sich", sagt Danae Nyckees, Doktorandin am Institut für Biologie der Uni Graz und Erstautorin der Studie. Zusätzlich verlangsamte Koffein das Wachstum des Pilzes selbst - ein doppelter Effekt, der die Überlebenschancen der Tiere erhöhte.

Die Natur als Apotheke

Koffein ist ein Wirkstoff, der von rund 80 Pflanzenarten weltweit produziert wird. In der Natur finden Ameisen ihn beispielsweise in Zitrusgewächsen. „Die Natur ist die Apotheke der Ameisen. Sie nehmen zur Bekämpfung von Krankheiten bestimmte Substanzen zu sich", fasst Nyckees die zentrale Botschaft der Forschung zusammen. Dalial Freitak, Leiterin der Arbeitsgruppe Insektengesundheit und -biologie an der Uni Graz, ergänzt: Während Menschen Koffein über Kaffee zu sich nehmen, finden Ameisen es in bestimmten Pflanzen - „Im Mittelmeerraum zum Beispiel in Zitrusgewächsen."

Grazer Forschung zur Insekten-Immunabwehr

Die aktuelle Studie erweitert ein Forschungsfeld, das an der Uni Graz seit Jahren systematisch bearbeitet wird. Freitak hatte bereits zuvor gezeigt, dass Ameisen bei Kontakt mit Krankheitserregern ihre Ernährung anpassen und dabei gezielt sonst unerwünschte Substanzen aufnehmen können. Die Koffein-Studie rückt nun einen der weltweit verbreitetsten Pflanzenwirkstoffe in den Fokus dieses Konzepts der Selbstmedikation bei Insekten. Erst im Februar 2026 hatte dieselbe Arbeitsgruppe eine Studie zu den Auswirkungen von Umweltgiften wie Titandioxid und Glyphosat auf Ameisen veröffentlicht.

An der Studie beteiligt waren neben Nyckees und Freitak auch Christoph Hahn von der Universität Graz sowie Heikki Helanterä von der Universität Oulu in Finnland. Da Formica fusca in österreichischen Wäldern heimisch ist, sind die Erkenntnisse über Selbstmedikation bei Insekten auch für heimische Ökosysteme von Bedeutung. Für Freitak sind Ameisen hervorragende Modelle, um die Mechanismen hinter der Immunabwehr von Insekten grundlegend zu verstehen.