Koralmbahn: 7.000 Fahrgäste täglich nach sechs Monaten
Seit der Eröffnung am 14. Dezember 2025 nutzen täglich rund 7.000 Fahrgäste die Koralmbahn. Die ÖBB ziehen eine positive Zwischenbilanz - trotz weiterhin fehlender Haltestelle am Flughafen Graz.
Gut sechs Monate nach der Eröffnung zieht die Koralmbahn eine beachtliche Zwischenbilanz: Täglich sind rund 7.000 Fahrgäste auf der neuen Verbindung zwischen Graz und Klagenfurt unterwegs. Das gaben die ÖBB bekannt, die die Strecke nach 27 Jahren Bauzeit am 14. Dezember 2025 in Betrieb genommen hatten.
Schnell, häufig und günstig für den Güterverkehr
Im Fahrplan 2026 sind 29 tägliche Direktverbindungen zwischen den beiden Landeshauptstädten vorgesehen. Die schnellste Verbindung beträgt laut ÖBB 41 Minuten. Auch der Güterverkehr profitiert erheblich: In den ersten 100 Betriebstagen transportierten über 1.000 Güterzüge mehr als eine Million Tonnen Güter durch den 33 km langen Koralmtunnel - eines der längsten Eisenbahnbauwerke der Welt. ÖBB-Vorstandsvorsitzender Andreas Matthä präsentierte diese Zahlen als Beleg für die wirtschaftliche Bedeutung der insgesamt 130 km langen Strecke.
Für die Steiermark stellt die Koralmbahn eine infrastrukturelle Zäsur dar. Rund 1,1 Millionen Menschen sowie zahlreiche Unternehmen profitieren von den verkürzten Fahrzeiten und den neuen Verbindungen in den Süden. Die ÖBB investieren im Jahr 2026 zusätzlich 552 Millionen Euro in die steirische Schieneninfrastruktur.
Kulturelle und wirtschaftliche Vernetzung sichtbar
Die engere Anbindung zeigt sich bereits im Kulturbereich: Die Oper Graz verzeichnet ein neues gemeinsames Abo-Modell mit dem Stadttheater Klagenfurt - von 120 Abonnentinnen und Abonnenten kommen 100 aus Kärnten nach Graz. Veranstaltungsorte wie das Orpheum, der Dom im Berg und die Kasematten melden im selben Zeitraum einen Besucherzuwachs von 25 Prozent.
Holding Graz-CEO Wolfgang Malik sieht in der Koralmbahn den Ausgangspunkt für einen neuen Wirtschaftsraum: „Graz wird dabei zur zentralen Drehscheibe einer urbanen Achse zwischen der Steiermark und Kärnten mit mehr als einer Million Einwohnerinnen und Einwohnern." Verkehrslandesrätin Claudia Holzer spricht von einem „neuen, richtungsweisenden Kapitel" für den öffentlichen Verkehr und verweist auf den Semmering-Basistunnel, der ab 2030 die Südstrecke in ihrer vollen Ausdehnung komplettieren soll.
Flughafen-Halt bleibt politischer Streitpunkt
Ein offenes Reizthema bleibt die fehlende Haltestelle am Flughafen Graz. ÖBB-Chef Matthä erteilte entsprechenden Forderungen erneut eine klare Absage. Kritiker aus Wirtschaft und Tourismus sehen darin eine vertane Chance, da eine direkte Schienenanbindung des Flughafens internationale Reisende und Messebesucher gleichermaßen ansprechen würde. Eine politische Einigung zeichnet sich derzeit nicht ab.
Mit der Koralmbahn ist erstmals seit Jahrzehnten eine völlig neue Bahnstrecke in Österreich in Betrieb gegangen. Die ersten Monate im Regelbetrieb zeigen, dass die Nachfrage sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr die Erwartungen erfüllt - und in einzelnen Bereichen übertrifft.