Migräne-Behandlung: LKH Graz setzt auf neue Medikamente
In der Kopfschmerzambulanz am LKH-Universitätsklinikum Graz kommen neue Antikörpertherapien und eine seit Herbst 2025 verfügbare Tablette gegen Migräne zum Einsatz. Bis zu 190.000 Steirerinnen und Steirer könnten davon profitieren.
Zwischen 10 und 15 Prozent aller Steirerinnen und Steirer leiden unter Migräne - das entspricht bei rund 1,27 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern einer Betroffenenzahl von bis zu 190.000 Personen. Frauen erkranken zwei- bis dreimal so häufig wie Männer. Die Kopfschmerzambulanz am LKH-Universitätsklinikum Graz ist für diese Patientinnen und Patienten eine zentrale Anlaufstelle - und setzt nun auf neue Therapieansätze, die Häufigkeit und Dauer der Anfälle deutlich reduzieren sollen.
Antikörpertherapien verändern die Prophylaxe
Seit 2018 stehen in Österreich monoklonale Antikörper gegen den sogenannten CGRP-Signalweg zur Verfügung, der eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Migräneattacken spielt. Vier Wirkstoffe - Erenumab, Fremanezumab, Galcanezumab und Eptinezumab - haben die medikamentöse Vorbeugung der episodischen und chronischen Migräne seither grundlegend verändert. Dr. Tamara Gattringer, Leiterin der Kopfschmerzambulanz am LKH Graz, zeigt sich von den Ergebnissen überzeugt: „Wir sehen in unserem klinischen Alltag, dass die meisten Patientinnen und Patienten sehr gut auf die neuen medikamentösen Prophylaktika ansprechen." Nebenwirkungen treten zudem seltener auf als bei älteren Präparaten.
Neue Tablette seit Herbst 2025 im Einsatz
Neben den Antikörperspritzen steht seit Herbst 2025 eine neue Tablette zur Verfügung, die einen doppelten Nutzen bietet: Sie wird jeden zweiten Tag als vorbeugendes Medikament eingenommen und kann an den übrigen Tagen zusätzlich als Akutmedikament eingesetzt werden, sollte es zu einem Anfall kommen. „Diese neuen Medikamente greifen dort an, wo die Migräneattacke entsteht", erklärt Dr. Gattringer. Zu dieser Wirkstoffklasse zählen auch die sogenannten Gepante und Ditane, die eine Behandlung akuter Attacken ohne vasokonstriktive Risiken ermöglichen - ein Vorteil gegenüber älteren Migränemitteln wie Triptanen, die bei bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht eingesetzt werden dürfen.
Kostenübernahme an Bedingungen geknüpft
Trotz der vielversprechenden Ergebnisse übernimmt die Krankenkasse die Kosten für diese neuen Therapien erst dann, wenn herkömmliche vorbeugende Behandlungen nicht ausreichend gewirkt haben oder unverträglich waren. Aktuelle Daten deuten darauf hin, dass CGRP-Antikörper Betroffenen häufig erst spät im Krankheitsverlauf verschrieben werden - beeinflusst durch Kostenrestriktionen und kassenärztliche Vorgaben. Die aktuelle S1-Leitlinie aus dem Jahr 2025 integriert die neuen Therapieoptionen und definiert klare Eskalationsstufen für die Behandlung.
Kopfschmerzambulanz am LKH Graz
Migräne kann den Alltag der Betroffenen erheblich beeinträchtigen: Manche Patientinnen und Patienten erleiden mehrere Attacken pro Monat, die bis zu drei Tage andauern können. Stress gilt laut Dr. Gattringer als einer der häufigsten Auslöser. Die Kopfschmerzambulanz der Universitätsklinik für Neurologie am LKH-Universitätsklinikum Graz ist mittwochs von 08:00 bis 14:00 Uhr im Erdgeschoß geöffnet. Terminvereinbarungen sind unter +43 316 385-12426 möglich.