Pumpspeicher Koralm: VwGH zieht endgültig Schlussstrich
Nach 14 Jahren ist das Pumpspeicherkraftwerk Koralm endgültig gescheitert: Der Verwaltungsgerichtshof wies die Revision des Projektwerbers ab. Verbund sucht nun in der Obersteiermark nach einem Alternativstandort.
Das geplante Pumpspeicherkraftwerk Koralm wird nicht gebaut. Der Verwaltungsgerichtshof (VwGH) hat die außerordentliche Revision des Projektwerbers zurückgewiesen und damit das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts (BVwG) aus dem Jahr 2023 dauerhaft rechtskräftig gemacht. Die verfahrensbeteiligte Umweltorganisation VIRUS bestätigte den Beschluss am 13. August 2026.
Wolfgang Rehm, Umweltverfahrensexperte bei VIRUS, kommentierte die Entscheidung so: „Nach dem Verfassungsgerichtshof hat nun auch das zweite anrufbare Höchstgericht alles klar gemacht. Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aus 2023, mit dem die Genehmigung versagt wurde, bleibt somit dauerhaft rechtskräftig, nun herrscht endlich Rechtssicherheit."
14 Jahre Planungs- und Verfahrensgeschichte
Die Betreiberfirma Pumpspeicherkraftwerk Koralm GmbH war im August 2012 gegründet worden, das Projekt wurde im Jänner 2013 erstmals den betroffenen Gemeinden vorgestellt. Geplant waren ein Unterbecken mit 4,7 Millionen Kubikmetern und ein Oberbecken mit 5,5 Millionen Kubikmetern, verbunden durch einen 600 Meter hohen Höhenunterschied. Das Krafthaus sollte im Berginneren entstehen. Mit einer projektierten Maximalleistung von rund 960 Megawatt wäre es das leistungsstärkste Kraftwerk der Steiermark geworden. Der Investitionsaufwand war 2017 mit 800 Millionen bis 1 Milliarde Euro veranschlagt worden.
Das Land Steiermark hatte dem Projekt 2021 mit einem positiven UVP-Bescheid die Genehmigung erteilt - dagegen brachten 17 Parteien Beschwerden ein. Ein zentraler Streitpunkt war die Lage des Projekts im Geltungsbereich der Alpenkonvention sowie die Lage des Oberspeichers im Europaschutzgebiet Koralpe. Der Rechnungshof hatte zudem bereits früh bemängelt, dass das Land Steiermark versucht hatte, durch die Aufhebung des Landschaftsschutzgebietes Koralpe dem Projektwerber eine UVP zu ersparen.
Verbund prüft Alternativstandort in der Obersteiermark
Das endgültige Scheitern des Projekts verlagert die Debatte über Pumpspeicherkapazität nun auf einen neuen Schauplatz. Verbund analysiert derzeit Möglichkeiten für ein neues Pumpspeicherprojekt im Bereich des bestehenden Speicherkraftwerks Salza in der Obersteiermark. Geologische Untersuchungen laufen bereits; geprüft werden Standort und Volumen eines möglichen Oberbeckens sowie die Natur- und Umweltverträglichkeit.
Cristof Sumereder vom Institut für Energie-, Verkehr- und Umweltmanagement an der FH Joanneum sieht in diesem Ansatz klare Vorteile: „Das hat den großen Vorteil: dort gibt es bereits seit vielen Jahren das Wasserkraftwerk. Der Verbund analysiert gerade, welche Variante die beste wäre, was da technisch möglich ist, natürlich mit geologischen Gutachten."
Energiepolitische Fragen für die Steiermark
Für die steirische Energiepolitik stellt das Scheitern des Koralm-Projekts nach 14 Jahren eine erhebliche Zäsur dar. Pumpspeicherkraftwerke gelten als unverzichtbare Technologie, um Strom aus Windkraft und Photovoltaik langfristig speichern und bedarfsgerecht ins Netz einspeisen zu können. Sumereder betont den dringenden Bedarf an solchen Kapazitäten für das Gelingen der Energiewende - und verweist auf das Salza-Projekt als realistischeren Ansatz, der auf bestehender Infrastruktur aufbaut und damit einen Teil der naturschutzrechtlichen Hürden von vornherein vermeiden könnte.