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Quereinsteiger im Lehramt: Studie der Uni Graz

Zwei Studien der Universität Graz beleuchten, warum Berufswechsler ins Klassenzimmer wechseln und welche Faktoren darüber entscheiden, ob sie langfristig im Schuldienst bleiben.

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Was bewegt Menschen dazu, einen eingeschlagenen Berufsweg aufzugeben und stattdessen vor eine Schulklasse zu treten? Zwei Studien des Instituts für Bildungsforschung und Pädagogik der Universität Graz gehen dieser Frage nach und liefern differenzierte Einblicke in eine Berufsgruppe, die in Österreich zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Vielfältige Motive, keine homogene Gruppe

Forscherin Melanie Gürentz vom Institut für Bildungsforschung und Pädagogik der Universität Graz führte qualitative Interviews mit 13 Lehrpersonen an allgemeinbildenden Pflichtschulen in Graz. Ihr zentrales Ergebnis: „Es gibt nicht die eine Gruppe der Quereinsteiger." Die Beweggründe für den Berufswechsel sind ebenso unterschiedlich wie die Menschen selbst - sie reichen von echter pädagogischer Berufung bis hin zum pragmatischen Wunsch nach schulfreien Wochen. Wie stark sich die Neo-Lehrkräfte mit ihrem neuen Beruf identifizieren, beeinflusst laut Gürentz maßgeblich, ob sie langfristig im Schuldienst bleiben oder ihn wieder verlassen.

Eine zweite Studie, durchgeführt von Claudia Mair, vergleicht Quereinsteiger mit fachgeprüften Lehrerinnen und Lehrern. Für diese Untersuchung wurde eine deutlich größere Stichprobe herangezogen: 619 Pädagoginnen und Pädagogen aus ganz Österreich nahmen daran teil. Im Fokus standen unter anderem Selbstwirksamkeit, Kompetenzen sowie die Bedeutung von Mentoring und der Aufnahme im Kollegium für den langfristigen Verbleib im Beruf.

Fachfremder Einsatz als Qualitätsproblem

Quereinsteiger werden in Österreich für ein bestimmtes Unterrichtsfach zertifiziert. Gürentz stellt jedoch fest, dass sie in der Praxis teilweise auch in anderen Fächern eingesetzt werden, um personelle Lücken zu schließen. Sie bewertet das als „insgesamt problematisch für die Qualität des Unterrichts". Erschwerend kommt hinzu, dass viele Quereinsteiger bereits eine volle Lehrverpflichtung tragen und gleichzeitig berufsbegleitende pädagogische Kurse absolvieren müssen.

Struktureller Lehrermangel als Treiber

Der Hintergrund dieser Entwicklung ist der strukturelle Lehrermangel in Österreich. Österreichweit werden zwar jährlich rund 5.500 Lehrpersonen in den Schuldienst aufgenommen, doch in bestimmten Fächern und Regionen reicht das vorhandene Personal nicht aus. Seit 2023 können Menschen mit einschlägiger beruflicher Vorerfahrung und einer begleitenden pädagogischen Ausbildung offiziell an österreichischen Schulen unterrichten.

Für den Standort Graz und die Steiermark ist die Universität Graz dabei eine zentrale Schaltstelle: Die Bildungsdirektion Steiermark setzt beim Aufnahmeverfahren auf ein dreistufiges Verfahren, das ein Online-Assessment der Uni Graz umfasst, dem ein persönliches Gespräch vor einer Kommission folgt.

Lehramt in Graz: Studium wird gestrafft

Parallel zur wachsenden Bedeutung des Quereinsteigs reformiert die Universität Graz ihr reguläres Lehramtsstudium. Mit dem Wintersemester 2026/2027 wurde das Bachelorstudium Lehramt von acht auf sechs Semester verkürzt; daran schließt ein viersemestriges Masterstudium an. Im Studienjahr 2024/25 schlossen bereits rund 450 Absolventinnen und Absolventen ihre Ausbildung an der Uni Graz ab. Die Forschungsergebnisse zu Quereinsteigern sollen dazu beitragen, Ausbildung, Begleitung und Verbleib dieser wachsenden Lehrergruppe gezielter zu gestalten.