Römersteine: Grazer Forscher machen Inschriften lesbar
Forschende der Universität Graz und der TU Graz haben eine kostengünstige Methode entwickelt, um Inschriften auf antiken Römersteinen wieder zu entziffern - mit UV-Lampe, Wildkamera und Smartphone.
Forschende der Universität Graz und der TU Graz haben eine Methodik entwickelt, die es ermöglicht, Inschriften auf antiken Grabmälern, Meilensteinen und Weihealtären wieder zu entziffern - ohne teure Spezialgeräte. Das im Juli 2026 im Wissenschaftsjournal Heritage Science erschienene Paper trägt den Titel „Through a Laser Beam Darkly - Attempting a Reassessment Using Optical Diagnostics in Epigraphy" und beschreibt drei einfache, aber wirkungsvolle Verfahren.
UV-Licht, Infrarot und Wärmebildkamera
Projektleiter Gregor Diez vom Institut für Antike der Universität Graz arbeitete dabei eng mit Jakob Woisetschläger von der TU Graz zusammen, einem Experten für optische Messtechnik. Das eingesetzte Equipment ist bewusst niederschwellig gehalten: Eine UV-Lampe aus dem Baumarkt, eine handelsübliche Wildkamera und ein Smartphone reichen aus, um Inschriften sichtbar zu machen, die für das bloße Auge längst verschwunden sind.
„Wird die Inschrift mit UV-Licht mit einer Wellenlänge von 365 Nanometer angestrahlt, zeigen sich vorher unsichtbare Details. Dabei kann es sich unter anderem um Farbreste oder Schmutz in den Vertiefungen der gemeißelten Buchstaben handeln", erklärt Diez. Infrarotlicht, aufgenommen mit einer Wildkamera, liefert weitere Details - teils sogar von der Rückseite dünner Steine. Für stark beschädigte Inschriften kommt eine Wärmebildkamera zum Einsatz: „Wir haben Steine auf 60 Grad Celsius erhitzt. Aufnahmen beim Abkühlen offenbaren Störungen, die manchmal Rückschlüsse auf nicht mehr lesbare Buchstaben zulassen."
Jahrhundertelange Zweckentfremdung
Viele antike Steine wurden im Laufe der Jahrhunderte in Kirchen, Pfarrhöfen und Burgen eingemauert oder schlicht als Baumaterial zweckentfremdet. „Manche von ihnen wurden in späterer Zeit als Baumaterial verwendet, etwa als Türschwelle eingebaut, und dadurch teilweise zerstört", sagt Diez. Der Informationsverlust ist damit nicht allein auf natürliche Verwitterung zurückzuführen. Die eingemeißelten Vertiefungen speichern Wärme anders als die glatte Oberfläche - so zeichnen sich die Konturen lateinischer Buchstaben im Wärmebild ab, selbst wenn sie für das menschliche Auge nicht mehr erkennbar sind.
200 Römersteine im Grazer Depot
Für Graz ist der unmittelbarste Anwendungsfall das Depot des Universalmuseums Joanneum: Allein dort lagern rund 200 Römersteine, deren Inschriften nur mehr schwer oder gar nicht mehr lesbar sind. Im laufenden Jahr ist das Forschungsteam zudem im Raum Hartberg und im Bezirk Murau unterwegs, um Inschriften direkt vor Ort zu entschlüsseln.
Gefördert wurde das Projekt vom Land Steiermark im Rahmen des Programms UFO - Unkonventionelle Forschung. Das erklärte Ziel der Forschenden geht über die eigene Arbeit hinaus: Die Methode soll anderen Historikerinnen und Historikern als praxistaugliches Werkzeug zur Verfügung stehen, um Kulturerbe zu bewahren, auch wenn teure Forschungsgeräte nicht verfügbar sind. Die Veröffentlichung in Heritage Science ist ein erster Schritt, das Verfahren einer breiteren Fachgemeinschaft zugänglich zu machen.