Rotahornpreis 2026: Bründl und Szalay geehrt
In Graz wurden am 16. September 2026 erstmals zwei Hauptpreise des Rotahornpreises vergeben: Hannah K. Bründl und Christoph Szalay erhalten jeweils 4.000 Euro für ihre literarischen Arbeiten.
Graz hat am Mittwoch, dem 16. September 2026, die Preisträger der 16. Auflage des Rotahornpreises bekanntgegeben. Zum ersten Mal in der Geschichte des Literaturpreises wurden zwei gleichwertige Hauptpreise vergeben: Hannah K. Bründl und Christoph Szalay erhalten jeweils 4.000 Euro, womit die Gesamtdotierung in diesem Jahr 8.000 Euro beträgt. Die Fachjury wählte die beiden Preisträger aus einer zuvor veröffentlichten Shortlist aus.
Die Preisträgerinnen und Preisträger
Hannah K. Bründl, geboren 1996 in Steyr (Oberösterreich), schreibt Lyrik, Theaterstücke und Hörspiele und arbeitet derzeit an ihrem ersten Roman. In ihren Texten gibt sie Opfern von Gewalt gegen Frauen eine Stimme. Jurymitglied Nava Ebrahimi würdigte die Preisträgerin mit den Worten: „Bründl behandelt die patriarchalen Strukturen, die oft in schreckliche Verbrechen münden."
Christoph Szalay, Jahrgang 1987, ist gebürtiger Grazer und lebt heute zurückgezogen im Ennstal. In seinen Arbeiten verbindet er Performance, Popkultur, Lyrik und Landschaftsbeschreibungen und thematisiert dabei auch Fragen rund um Klima und Natur. Mit seiner Auszeichnung stärkt der Rotahornpreis die Verbindung zwischen der Grazer Literaturszene und dem steirischen Umland.
Juryvorsitzender Andreas Unterweger begründete die Entscheidung der Jury so: „Es haben sich einfach die Preisträger und Preisträgerinnen durchgesetzt, die stärkste poetische Kraft in ihrer Sprache entwickeln." Der Jury gehörten neben Unterweger auch Valerie Fritsch und Nava Ebrahimi an - beide selbst ehemalige Rotahorn-Preisträgerinnen, was die Kontinuität und enge Vernetzung der steirischen Literaturszene unterstreicht.
Hintergrund: Preis mit langer Tradition
Der Rotahornpreis wurde 2011 von Saubermacher-Gründer Hans Roth ins Leben gerufen - ursprünglich als Geburtstagsgeschenk für den Schriftsteller Alfred Kolleritsch. Seither fördert der Preis konsequent Nachwuchsautorinnen und -autoren der österreichischen Literaturszene. Vergeben wird er in Kooperation mit der renommierten Grazer Literaturzeitschrift Manuskripte.
Juryvorsitzender Unterweger nutzte die Gelegenheit, um auf die wachsende Bedeutung privater Kulturförderung hinzuweisen und dankte Roth für sein langjähriges Mäzenatentum: „Private Mäzene werden für die Kunst- und Kulturszene immer wichtiger, weil die Öffentliche Hand ihren Aufgaben nicht mehr nachkommen kann oder will."
Graz als Zentrum der Nachwuchsliteratur
Der Rotahornpreis ist seit seiner Gründung ein fixer Bestandteil des Grazer Kulturkalenders. Die Murmetropole positioniert sich damit als eines der wichtigsten Zentren der österreichischen Nachwuchsliteratur. Die erstmalige Vergabe von zwei gleichwertigen Hauptpreisen in diesem Jahr setzt ein deutliches Zeichen: Der Preis reagiert auf die Breite und Vielfalt der zeitgenössischen literarischen Produktion im deutschsprachigen Raum.