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Sermilik-Station: Uni Graz forscht in der Arktis

Österreichs einzige arktische Forschungseinrichtung in Südostgrönland nimmt 2026 den regulären Betrieb auf. Ein Team der Universität Graz analysiert dort Klimadaten, die bis zu Alfred Wegener zurückreichen, und dokumentiert den dramatischen Rückzug der Gletscher.

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Rund 3.700 Kilometer von Graz entfernt, an der Ostküste Grönlands, nimmt Österreichs einzige arktische Forschungseinrichtung ihren regulären Betrieb auf: Die Sermilik-Forschungsstation der Universität Graz wurde 2025 fertiggestellt und ist seit diesem Sommer 2026 wieder aktiv von einem Grazer Forschungsteam besetzt. Die offizielle Eröffnung fiel ebenfalls in dieses Jahr.

Eine Station für bis zu 26 Forschende

Die Station liegt in Südostgrönland, nahe der Ortschaft Tasiilaq mit rund 2.000 Einwohnerinnen und Einwohnern, von der aus die Forschenden per Boot zur Anlage gelangen. Für den Aufbau wurden 9 Schiffscontainer mit Equipment von der Steiermark nach Grönland transportiert. Die Station bietet Platz für bis zu 26 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und steht Forschenden aus allen Disziplinen offen - von Glaziologie und Ozeanographie über Biogeochemie bis hin zu Geschichte und Sprachwissenschaften.

Wissenschaftlicher Leiter Andreas Trügler betont die globale Relevanz des Standorts: „Grönland oder die Arktis generell sind zurzeit die Wetterküche Europas. Was in der Arktis passiert, bleibt nicht dort. Das ist dann zum Beispiel die nächste Hitzewelle. Und das ist der Grund, warum es die Forschungsstation gibt."

100 Jahre alte Daten, dramatische Befunde

Ein zentrales Projekt der aktuellen Expedition ist die Auswertung eines 100 Jahre alten Datenschatzes: Forscherin Florina Schalamon analysiert Klimamessungen aus den Grönland-Expeditionen von Alfred Wegener (1906-1930) - dem Polarforscher und ehemaligen Uni-Graz-Professor - und stellt sie aktuellen Beobachtungen gegenüber. Das Ergebnis ist alarmierend: Der untersuchte Gletscher ist seit Wegeners Zeit um bis zu 120 Meter dünner geworden und hat sich um mehr als zwei Kilometer zurückgezogen.

Die Vergleichsdaten zeigen zudem, dass es in Westgrönland bereits in Wegeners Expeditionszeit eine erste Warmphase mit einer Temperaturerhöhung von knapp 3 °C gab - eine vergleichbare Erwärmung wird seit Mitte der 1990er-Jahre erneut beobachtet. Die Häufigkeit der Wettersysteme unterschied sich zwischen beiden Phasen deutlich, der Einfluss einzelner Wettersysteme auf die lokale Temperatur blieb jedoch stabil.

Entdeckungen und lokale Verankerung

Bereits während des Testbetriebs lieferte die Station bemerkenswerte Funde: In der Nähe wurde eine alte grönländische Siedlung entdeckt sowie eine bisher unbekannte Flechtenart beschrieben. Rektor Peter Riedler unterstreicht, dass die Universität Graz auf eine enge Einbindung der lokalen Bevölkerung setzt: „Was wir jedenfalls verhindern wollen, ist der Eindruck, dass unsere Wissenschaftler:innen einfach nur nach Ostgrönland kommen, ein paar Messungen machen und dann wieder verschwinden."

Nutzen für die Steiermark

Die Erkenntnisse aus der Arktis sind auch für die Steiermark direkt relevant: Das Verständnis arktischer Klimadynamiken hilft, Hitzewellen, Winterstürme und Klimaextreme besser vorherzusagen. Die ersten Nachwuchsforschenden, die nach der technischen Fertigstellung die Station nutzten, waren Studierende der FH Joanneum. Rektor Riedler sieht die Sermilik-Station als wichtigen Baustein in der Ausbildung des steirischen Forschungsnachwuchses. Weitere Informationen zur Station finden sich auf der offiziellen Website der Universität Graz.