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Stadion Liebenau: Umbau für 60 bis 70 Millionen Euro

Eine vertiefte Machbarkeitsstudie der Stadtbaudirektion Graz zeigt: Das Stadion Liebenau kann für 60 bis 70 Millionen Euro auf Champions-League-Niveau modernisiert werden – mit rund 20.100 Plätzen. Nun ist das Land Steiermark gefragt.

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Die vertiefte Machbarkeitsstudie zur Modernisierung des Stadions Liebenau liegt vor: Am 11. Mai 2026 schließt die Stadtbaudirektion Graz die technische Grundlagenarbeit ab. Das Ergebnis zeigt, dass ein umfassender Zu- und Umbau des bestehenden Stadions innerhalb eines Kostenrahmens von 60 bis 70 Millionen Euro realisierbar ist – deutlich bescheidener als ursprünglich geplant, aber ausreichend für internationale Anforderungen.

Schlankeres Konzept statt Vollausbau

Eine erste Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2025 hatte noch einen Vollausbau auf rund 23.000 Plätze samt 2.000 Hospitality-Plätzen vorgesehen – die damals veranschlagten Kosten beliefen sich auf rund 120 Millionen Euro, zuzüglich etwa 30 Millionen Euro für notwendige Grundstücksankäufe. Das nun vorliegende Konzept wählt einen anderen Ansatz: Große Teile der bestehenden Struktur – insbesondere die Tribünen im Norden, Osten und Süden inklusive Dach – bleiben erhalten. Kostspielige Grundstücksankäufe entfallen damit.

Nach dem Umbau soll das Stadion rund 15.700 Sitzplätze bieten. Durch flexible Steh- und Sitzplatzlösungen sowie eine geplante Absenkung des Rasens zur Kapazitätserhöhung könnte die Gesamtkapazität auf etwa 20.100 Plätze steigen. Zusätzlich ist ein neuer Hospitality- und Skyboxbereich für rund 1.700 Gäste vorgesehen. Damit würde das Stadion von der derzeit geltenden UEFA-Kategorie 4 auf Champions-League-Tauglichkeit aufgewertet – die für internationale Bewerbe geforderte Mindestkapazität von 20.000 Plätzen wäre erfüllt.

Stadtbaudirektion, Stadiongesellschaft und externe Experten beteiligt

Erarbeitet wurde die Studie unter Leitung der Stadtbaudirektion gemeinsam mit der Stadion Graz Liebenau GmbH, externen Fachkonsulentinnen und -konsulenten – darunter das Architekturbüro Wimmer ZT GmbH – sowie den beiden Grazer Vereinen SK Sturm Graz und GAK 1902, die das modernisierte Stadion weiterhin gemeinsam nutzen sollen. Der Gemeinderat hatte die Erstellung der Studie im Oktober 2024 beschlossen. Das 1997 eröffnete Stadion bietet aktuell rund 15.300 Sitzplätze.

Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) betonte: „Das ist das, was für uns – mit großer Kraftanstrengung – machbar ist. Die Vorbereitung des schlanken Umbaukonzepts ist nun abgeschlossen, dem Grundsatzbeschluss im Gemeinderat steht nichts mehr im Wege. Jetzt brauchen wir noch ein solides Betriebskonzept und vor allem das Land mit an Bord." Stadtbaudirektor Bertram Werle sprach von einer „technisch optimalen Perspektive für den Grazer Fußball", die trotz eines „sportlichen Budgetrahmens" erarbeitet werden konnte.

Land Steiermark als entscheidender Partner

Ohne eine substanzielle Beteiligung des Landes Steiermark ist das Projekt nicht umsetzbar. Der Vorschlag der Stadt sieht vor, dass das Land Miteigentümer der Stadion Verwaltungs GmbH sowie des Stadions Liebenau wird und die bauliche Modernisierung gemeinsam mit der Stadt inhaltlich und finanziell verantwortet. Aus dem Stadtparlament hieß es, Landeshauptmann Mario Kunasek sei nun gefragt, ins Handeln zu kommen.

Im kommenden Gemeinderat soll ein Grundsatzbeschluss für die weitere Projektentwicklung gefasst werden. Die Finanzdirektion soll anschließend gemeinsam mit Land, Vereinen und der Stadion Graz Liebenau GmbH die wirtschaftlichen Grundlagen erarbeiten. Ein Planungsbeschluss ist für Herbst 2026 vorgesehen. Offen bleiben vorerst Fragen zu Genehmigungsverfahren, Betrieb, Nutzung und Finanzierung – die Studie ist technische Grundlage, noch kein fertiger Baubeschluss.