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TU Graz: Baustoff aus Neusiedlersee-Schlamm

Forschende der TU Graz verwandeln Baggerschlamm und Schilf aus dem Neusiedlersee mithilfe von 3D-Druck in Ziegel, Kühlwände und Putz. Ein erstes Vorzeigeprojekt ist bereits öffentlich sichtbar - 2027 soll ein ganzes Musterhaus folgen.

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Was bisher als Abfall galt, könnte bald Wände tragen: Forschende der TU Graz entwickeln gemeinsam mit Forschung Burgenland und Ceramico Burgenland Baustoffe aus dem Baggerschlamm und Altschilf des Neusiedlersees. Bei einer Pressekonferenz am 9. Oktober 2026 präsentierten Urs Hirschberg vom Institut für Architektur und Medien der TU Graz und Martin Zloklikovits, Geschäftsführer von Forschung Burgenland, erste konkrete Ergebnisse des Projekts.

60.000 Kubikmeter Schlamm als Rohstoff

Die Seemanagement Burgenland GmbH baggert jährlich rund 60.000 Kubikmeter Schlamm und 10.000 Kubikmeter Altschilf aus dem Neusiedlersee - bislang werden diese Mengen überwiegend als Abfall behandelt. Getrockneter Schlamm aus Absetzbecken in Breitenbrunn, Rust und Illmitz wird nun mithilfe von 3D-Druck zu Baumaterialien verarbeitet. Geeignet sind die Sedimente für Ziegel, Kühlwände, Deko-Elemente und Putz. Professorin Milena Stavric von der TU Graz hebt dabei eine besondere Eigenschaft hervor: Das Material verfüge von Natur aus über eine hohe Porosität, was es für verschiedene Bauanwendungen attraktiv mache.

Die Kühlwände bestehen aus rund 23 Zentimeter großen Keramikwürfeln, die durch ihre Porosität viel Wasser aufnehmen und langsam wieder abgeben - und so die Umgebungstemperatur senken. Hirschberg fasst das Potenzial des Materials knapp zusammen: „Man löst damit ein Problem und zugleich hat man einen fantastischen Baustoff, mit dem man quasi CO2 neutral bauen kann."

Shape Lab mit patentiertem Verfahren

Wissenschaftlich verantwortet wird das Projekt unter dem Titel „Repurposing dredged mud through 3D clay printing technology" von einem Team um Britta Nader am Institut für Architektur und Medien der TU Graz. Das dortige Shape Lab forscht seit Jahren an 3D-gedruckten Baustoffen aus Ton und hat für ein entsprechendes Verfahren bereits ein Patent erhalten. Das Projekt verbindet Kreislaufwirtschaft mit moderner Fertigungstechnologie und positioniert Graz als Forschungsstandort für klimaneutrales Bauen. Das Museum der Wahrnehmung (Muwa) in Graz zeigte bereits eine Ausstellung der TU Graz zu nachhaltigen Baustoffen der Zukunft, womit das Thema in der Grazer Öffentlichkeit verankert ist.

Musterhaus für 2027 geplant

Erste Anwendungen sind ab sofort in der Installation „Schilfraum" beim Freilichtmuseum Wander Bertoni in Winden im Bezirk Neusiedl am See öffentlich sichtbar. Der nächste Schritt ist ambitionierter: Für 2027 plant Forschung Burgenland ein kleines Musterhaus, das ausschließlich aus regionalen Materialien errichtet wird und langfristig mehr CO2 speichern soll, als beim Bau freigesetzt wird. „Ziel ist es, regionale und nachhaltige Reststoffe zu verwenden - wie eben Schilf und Schlamm aus dem Neusiedlersee", erklärt Zloklikovits.

Das Projekt wird von Seemanagement Burgenland, TU Graz und Ceramico Burgenland gemeinsam getragen. Landesrätin Daniela Winkler (SPÖ) begrüßte, dass aus einer Idee zur Kreislaufwirtschaft ein konkretes, innovatives Forschungsprojekt entstanden sei. Die offizielle Pressemitteilung des Landes Burgenland ist auf der Website des Landes Burgenland abrufbar.