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TU Graz: Kleinere Wohnungen senken CO2 am stärksten

Ein internationales Forschungsprojekt unter Beteiligung der TU Graz zeigt: Die Reduktion der Wohnfläche pro Person um nur zwei Quadratmeter wirkt sich stärker auf die CO2-Bilanz des Gebäudesektors aus als Sanierungsmaßnahmen oder Energieeffizienz. Bis 2050 wäre im besten Szenario eine Reduktion von 90 Prozent möglich.

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Ein internationales Forschungsprojekt unter Beteiligung der Technischen Universität Graz hat den gesamten europäischen Gebäudebestand über seinen kompletten Lebenszyklus auf CO2-Emissionen untersucht. Das überraschende Ergebnis: Nicht die Sanierungsrate und nicht die Energieeffizienz sind die wirksamsten Stellschrauben zur Reduktion der Treibhausgasemissionen im Gebäudesektor, sondern die Verkleinerung der durchschnittlichen Wohnfläche pro Person.

Zwei Quadratmeter mit großer Wirkung

Nicolas Alaux, Dissertant am Institut für Tragwerksentwurf der TU Graz, erklärt das zentrale Ergebnis: „Bei unseren Berechnungen stellte sich heraus, dass die Verringerung des durchschnittlichen Wohnraums pro Person um nur zwei Quadratmeter die größte Auswirkung hat." Dahinter folgten laut Alaux die Renovierungsrate, die Verringerung des Energiebedarfs, die Nutzung erneuerbarer Energie sowie die Reduktion des Leerstands. „Die Ergebnisse machen sichtbar, welche Maßnahmen im Gebäudesektor besonders wirksam sind. Das liefert eine wichtige Entscheidungshilfe für das zukünftige Vorgehen."

Gebäude verursachen rund 40 Prozent der CO2-Emissionen in der Europäischen Union. Bisherige Debatten konzentrierten sich fast ausschließlich auf Dämmung, Wärmepumpen und erneuerbare Energien. Die neue Studie, im Auftrag der EU-Kommission durchgeführt, weitet den Blick: Sie berücksichtigt erstmals systematisch auch Emissionen aus Materialherstellung, Bauprozessen, Renovierung, Wartung sowie Rückbau und Entsorgung - also den sogenannten Whole-Life-Carbon-Ansatz. Alexander Passer vom Institut für Tragwerksentwurf der TU Graz betont: „In bisherigen Analysen standen vor allem die Emissionen im Gebäudebetrieb im Fokus."

Prognose-Tool PULSE-EU und drei Szenarien

Eigens für das Projekt entwickelte das Forschungsteam das Tool PULSE-EU, mit dem sich unterschiedliche Szenarien zur CO2-Reduktion im Gebäudebereich berechnen lassen. Grundlage bildet die gemeinsam mit der KU Leuven und weiteren Partnern erstellte Modellierung von rund 15.000 repräsentativen Gebäudetypen, die verschiedene Bauweisen, Altersklassen und Energiestandards für ganz Europa abbilden. Neben TU Graz und KU Leuven waren die Aalborg University, das Politecnico Di Milano, IIASA sowie Ramboll Management Consulting in Zusammenarbeit mit BPIE beteiligt.

Die Analyse unterscheidet drei Hauptszenarien: Der ambitionierteste Pfad - strikte Politik, effiziente Technologien und Verhaltensänderungen kombiniert - könnte bis 2050 eine Reduktion von 90 Prozent der CO2-Emissionen ermöglichen. Ein rein technologischer Ansatz würde eine Verringerung zwischen 84 und 86 Prozent ergeben. Werden hingegen nur die aktuellen Regelungen mit geringfügigen Anpassungen beibehalten, droht mit einem Rückgang von lediglich 66 Prozent ein deutliches Verfehlen der EU-Klimaziele. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht.

Relevanz für Graz und Österreich

Für Österreich wurden im Rahmen der Studie fünf Szenarien zur CO2-Reduktion untersucht. Die Erkenntnisse liefern damit direkte politische und planerische Handlungsempfehlungen - auch für Graz als wachsende Stadt mit stetig steigendem Wohnflächenbedarf. Das Konsortium hat das Modell gemeinsam mit einem öffentlich zugänglichen Scenario Explorer bereitgestellt, in dem Nutzerinnen und Nutzer verschiedene Szenarien selbst durchrechnen können. Die Studie erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem die EU ihre Gebäuderichtlinie verschärft und der Druck auf Städte und Gemeinden wächst, den Wohnungsneubau klimaverträglich zu gestalten.

Weitere Informationen zur Studie stellt die Technische Universität Graz auf ihrer Website zur Verfügung.