GRAZ JOURNAL

Die Eiskrippe im Landhaushof: 35 Tonnen Eis und die Frage, ob sie hält

Seit 1996 steht im Advent eine Krippe aus klarem Eis im Grazer Landhaushof. Zum 30-Jahr-Jubiläum wird sie am 28. November 2026 eröffnet und bleibt bis 6. Jänner.

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Die Eiskrippe im Landhaushof: 35 Tonnen Eis und die Frage, ob sie hält

28. November bis 6. Jänner, Eintritt frei

Die Eiskrippe 2026 wird am Samstag, 28. November, um 17 Uhr eröffnet, eine Stunde nachdem am Hauptplatz der Christbaum beleuchtet wird. Sie steht bis 6. Jänner 2027 im Hof des Landhauses in der Herrengasse 16. Der Besuch kostet nichts, man geht einfach durch das Tor.

PunktAngabe
Zeitraum28. November 2026 bis 6. Jänner 2027
EröffnungSamstag, 28. November, 17.00 Uhr
Zugangtäglich 8.00 bis 21.00 Uhr
OrtLandhaushof, Herrengasse 16, 8010 Graz
Eintrittfrei
Eisrund 35 Tonnen
Größeetwa 5 Meter hoch, 7 Meter lang
KünstlerKimmo Frosti, Finnland

Die Eckdaten nennt Graz Tourismus im Adventkalender. Der Hof selbst ist als Durchgang zwischen Herrengasse und Schmiedgasse schon ab 6 Uhr offen, für die Krippe gelten die Zeiten von 8 bis 21 Uhr.

Warum der Abend die bessere Zeit ist

Bei Tageslicht ist die Krippe sehenswert, am Abend ist sie etwas anderes. Klares Eis zeigt untertags vor allem Umrisse und Kanten. Erst wenn es dämmert und die Beleuchtung angeht, leuchten die Figuren von innen, und mit ihnen die Arkaden dahinter. Ende November ist das in Graz ab etwa 16.30 Uhr der Fall.

Der Haken am Abend sind die anderen Leute. Rund 165.000 Menschen kommen pro Saison in diesen Hof. Auf die vierzig Tage zwischen Eröffnung und Dreikönig umgelegt, sind das im Schnitt mehr als 4.000 am Tag, und sie verteilen sich nicht gleichmäßig: Die Adventsamstage tragen die Spitzen. Wer Platz zum Schauen und Fotografieren will, kommt unter der Woche oder nach Weihnachten. In der ersten Jännerwoche steht die Krippe noch, die Märkte rundherum sind aber abgebaut.

Ein Hof aus dem Jahr 1557

Die Krippe hätte auf jedem Grazer Platz Raum, sie steht aber seit dreißig Jahren im Landhaushof, und das liegt an der Kulisse. Entworfen hat ihn Domenico dell'Allio, ein Baumeister aus der Gegend von Lugano, der in Graz zuvor die Stadtbefestigung modernisiert hatte. Der Grundstein wurde 1557 gelegt, Bauherren waren die steirischen Stände, die sich damit ein Versammlungshaus an der Herrengasse errichteten. Bis heute tagt im Landhaus der Landtag.

Die Arkaden laufen auf drei Geschoßen um den Hof und werden im Advent mitbeleuchtet, sodass Eis und Stein am Abend ein gemeinsames Bild ergeben. Die ganze Geschichte des Gebäudes steht im Beitrag über den Landhaushof und seine Renaissance-Architektur.

Wie man aus Eis eine Krippe baut

Gebaut wird aus Blöcken, nicht aus einem Guss. 2025 waren es 182 kleine und 12 große Eisblöcke, ein großer wiegt etwa 1,2 Tonnen. Das Eis kommt aus Lettland, weil es dort in einer Qualität hergestellt wird, die für Skulpturen taugt: klar und ohne Bläschen. Dafür wird das Wasser vorher über Umkehrosmose gereinigt. Hergestellt und gelagert wird nach Angaben des Teams mit Strom aus Wasser-, Wind- und Sonnenkraft.

Vor Ort arbeitet ein siebenköpfiges Team unter dem Finnen Kimmo Frosti und Projektleiter Antti Pedrozo. Beim Aufbau hilft flüssiger Stickstoff, mit dem sich Fugen und Oberflächen rasch nachfrieren lassen. Mit dem richtigen, scharfkantigen Werkzeug lasse sich Eis „wie Butter" formen, sagte Pedrozo im Vorjahr zu ORF Steiermark. Planung, Schnitzen und Figurentausch zusammen kommen auf rund 200 Arbeitsstunden.

Dargestellt sind die Heilige Familie, Ochs und Esel samt Kuh und die Heiligen Drei Könige, alle etwa lebensgroß.

Der Mann mit dem passenden Namen

Kimmo Frosti heißt wirklich so. Er kommt aus Lappeenranta im Südosten Finnlands und führt seit dem Jahr 2000 die Firma Frostiart, nach eigenen Angaben das erste finnische Unternehmen, das sich auf Bauten aus Eis, Schnee und Sand spezialisiert hat. Im Winter schnitzt das Team Eis, im Sommer baut es Sandskulpturen, die Aufträge reichen von Russland über Europa bis in die USA. 2017 war Frosti künstlerischer Leiter der Weltmeisterschaft im Höhlen-Eisschnitzen im finnischen Leppävirta.

Nach Graz kam er 2014 als Einspringer und blieb. Für einen Eiskünstler ist die Stadt ein schwieriger Ort: Im Dezember liegt die Temperatur hier oft über null, und genau darum dreht sich seit dreißig Jahren die Konstruktion.

Drei Garnituren Figuren

Die wichtigste Eigenheit sieht man nicht: Jede Figur gibt es dreimal. Zwei Garnituren liegen im Kühlhaus, während die erste im Hof steht. Bis Weihnachten wird planmäßig zweimal getauscht, bei Warmwetter auch früher. Graz Tourismus formuliert das so: Falls die Krippe zu sehr leidet, übernehmen eine zweite und dritte Figurengarnitur.

Bei Tauwetter werden beschädigte Teile außerdem laufend repariert. Der Bau hinter den Figuren ist robuster als sie selbst. Seit 2024 hat die Krippe eine verstärkte Rückwand und zwei Seitenwände aus Eis, die um die Figuren eine kältere Zone schaffen, auch wenn die Luft im Hof über null Grad hat. Citymanagerin Verena Hölzlsauer begründete die Verstärkung damals mit der Stabilität. 2025 wurde die Rückwand doppelt ausgeführt, bei sechs mal drei Metern Grundfläche und bis zu fünf Metern Höhe.

Wie viel Eis es in welchem Jahr war

Die Eismenge schwankt stärker, als die runde Zahl im Prospekt vermuten lässt:

JahrEisAnmerkung
1996rund 23 Tonnen156 Blöcke, 8 Meter breit, 4 Meter hoch
2003rund 45 Tonnengrößere Blöcke
2014rund 50 Tonnenüber 300 Blöcke, erstes Jahr mit Kimmo Frosti
202444 Tonnenerstmals verstärkte Rück- und Seitenwände
202534 Tonnen182 kleine und 12 große Blöcke, 6 mal 3 Meter Grundfläche
2026rund 35 TonnenAnkündigung zum 30-Jahr-Jubiläum

Die Spanne reicht also von 23 bis 50 Tonnen. Die Holding Graz, die die Krippe organisiert, kalkuliert mit bis zu 36 Tonnen pro Saison.

Was die Krippe kostet und wer zahlt

Rund 80.000 Euro kostet die Eiskrippe pro Saison. Darin stecken das Eis, der Transport, die Logistik und das Team. 2024 stand sie deshalb auf der Kippe: Die Holding Graz sprach offen von einer schwierigen Haushaltslage und massiv gestiegenen Kosten. Gerettet hat sie der Tourismusverband Region Graz, der seither die Hälfte übernimmt, also rund 40.000 Euro. Auch Steiermark Tourismus beteiligt sich.

Bei 165.000 Besuchern sind das weniger als 50 Cent pro Kopf. Wirtschaftsstadtrat Günter Riegler nannte die Krippe damals eine „einzigartige Kombination aus künstlerischer, kultureller und saisonaler Attraktivität". Michael Feiertag, Geschäftsführer von Steiermark Tourismus, sprach davon, dass die Steiermark damit in der Vorweihnachtszeit als starke Marke auftrete. Sein Nachfolger als Wirtschaftsstadtrat, Kurt Hohensinner, nannte sie 2025 „ein kulturelles Aushängeschild". Der Werbewert ist messbar: Bis 2016 liefen Bilder der Krippe auf mehr als 200 Fernsehsendern weltweit.

Von Villach nach Finnland: 30 Jahre in Kurzform

Die erste Eiskrippe entstand im Advent 1996 im Auftrag der Grazer Tourismusgesellschaft. Gebaut hat sie der Villacher Eiskünstler Gert J. Hödl, und er blieb 18 Jahre lang dabei. Graz Tourismus bezeichnet sie bis heute als weltweit erste und einzige Weihnachtskrippe aus klarem Eis in dieser Dimension.

Die frühen Jahre waren ein Kampf gegen das Wetter. 2002 stürzte die Krippe noch vor der Präsentation ein, Hödl baute sie in einer Nachtschicht wieder auf. 2006 und 2009 hielt sie dem warmen Dezember nicht stand und fiel vor Weihnachten zusammen. Die Antwort darauf kam schon 2004: Seither wird in sogenannter monumentaler Bauweise errichtet, mit massiven Wänden, die wie ein Kühlhaus wirken, und seither liegen Ersatzfiguren im Kühllager. Unter Grazern wurde in warmen Wintern gewettet, ob die Krippe den Heiligen Abend erlebt. Das berichtete die Austria Presse Agentur 2014.

2003 erlaubte sich Hödl einen Scherz: Er stellte einen Bären aus Eis dazu, als Gruß an Arnold Schwarzenegger, der im selben Herbst Gouverneur von Kalifornien geworden war. 2014 konnte Hödl aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr bauen. Für ihn sprang Kimmo Frosti ein, der mit seiner Firma Frostiart seither jedes Jahr nach Graz kommt.

Was man rundherum gleich mitnimmt

Der Landhaushof liegt an der Herrengasse, wenige Schritte vom Christkindlmarkt am Hauptplatz entfernt. Dort halten auch die meisten Straßenbahnlinien, darunter 1, 3, 4 und 5. Im selben Gebäudekomplex liegt das Landeszeughaus. Den Krippenweg in der Stempfergasse gibt es einen Tag länger als die Eiskrippe, bis 7. Jänner.

Welcher der sechzehn Grazer Märkte wann offen hat, steht in der Übersicht der Christkindlmärkte in Graz. Wer den Jahreswechsel in der Stadt verbringt, findet die Eiskrippe auch zu Silvester noch vor. Alle Termine im Advent stehen im Kalender für den Dezember.

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