GRAZ JOURNAL

Der Grazer Schloßberg und der Uhrturm

28 Meter hoch, 425 Meter Seehöhe, drei Glocken und vertauschte Zeiger: der Uhrturm und der Berg unter ihm. Mit allen vier Aufstiegen, aktuellen Preisen und dem, was im Berg steckt.

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Der Grazer Schloßberg und der Uhrturm

Der Uhrturm: 28 Meter über der Stadt

Der Uhrturm ist 28 Meter hoch und steht auf rund 425 Meter Seehöhe. Erstmals urkundlich erwähnt wurde er im 13. Jahrhundert, sein heutiges Aussehen bekam er Mitte des 16. Jahrhunderts. Im Dach hatte der Türmer sein Zimmer und hielt von dort Feuerwache: Brannte es in der Stadt, läutete er die Feuerglocke.

Drei Glocken hängen bis heute im Turm - die Stundenglocke, die Feuerglocke und die Armesünderglocke, die früher bei Hinrichtungen geläutet wurde. Das Uhrwerk baute Michael Sylvester Funck im Jahr 1712; seit Mitte des 20. Jahrhunderts läuft es elektrisch.

Die Eigenheit, an der sich jeder Besuch aufhängt, sind die vertauschten Zeiger: Der kleine Zeiger weist die Minuten, der große die Stunden. Die Erklärung ist praktisch, nicht kurios. Bis ins 18. Jahrhundert hatte die Uhr nur einen einzigen Zeiger, den großen für die Stunden - aus der Entfernung war ohnehin nur einer gut zu sehen, und man orientierte sich stärker an den Glockenschlägen. Als später der Minutenzeiger dazukam, blieb die alte Aufteilung. Alle Daten stehen im Uhrturm-Steckbrief der Stadt Graz.

Vier Wege hinauf

Der Berg lässt sich zu Fuß, mit der Bahn, mit dem Lift oder über die Straße erreichen. Welcher Weg der richtige ist, hängt weniger von der Kondition ab als davon, wo Sie oben ankommen wollen.

  • Felsensteig, 260 Stufen: vom Schloßbergplatz direkt zum Uhrturm. Je nach Tempo 10 bis 15 Minuten, kostenlos, im Winter bei Eis heikel.
  • Schloßbergbahn: ab der Talstation in der Sackstraße auf den Gipfel, von dort etwa fünf Minuten bergab zum Uhrturm.
  • Schloßberglift: vom Schloßbergplatz durch den Berg direkt zum Uhrturm, Fahrzeit 30 Sekunden.
  • Straße ab Karmeliterplatz: etwas steil, aber durchgehend befahr- und begehbar, rund 5 bis 10 Minuten.

Die Schloßbergbahn fährt bereits seit 1894 und überwindet als Standseilbahn eine Steigung von 60 Prozent. Die Wagen verkehren alle 15 Minuten zur vollen Viertelstunde, bei Andrang auch öfter, und haben ein Glasdach.

Die beiden Schloßberglifte sind deutlich jünger: Gebaut wurden sie für die Landesausstellung 2000 und das Kulturhauptstadtjahr 2003, die Projektkosten lagen bei 4,1 Millionen Euro. Der Lift hält beim Schloßbergplatz, beim Dom im Berg, bei den Uhrturmkasematten und oben beim Uhrturm-Café Aiola Upstairs. Die beiden mittleren Haltestellen werden nur bei Veranstaltungen bedient.

Was die Auffahrt kostet

Für Bahn und Lift gelten die Tickets der Zone 101 der Graz Linien - von der Stundenkarte bis zum KlimaTicket Österreich. Wer ohne gültiges Öffi-Ticket unterwegs ist, kauft direkt:

TicketStundenkarte24-StundenkarteKombikarte Schloßberg
Erwachsene3,30 €7,20 €4,90 €
Kinder1,70 €3,60 €3,10 € (1,90 € in den Schulferien)
Jugendliche2,10 €4,50 €-
Eltern und Seniorinnen2,10 €4,50 €-
Ermäßigt1,70 €3,60 €-
Größere Hunde1,70 €3,60 €-

Die Kombikarte deckt je eine Fahrt mit der Schloßbergbahn und eine mit dem Lift ab, zeitlich unbegrenzt - für die klassische Runde hinauf mit der Bahn und hinunter mit dem Lift ist sie die günstigste Variante. Alle Preise und die Beförderungsbedingungen stehen bei der Schloßbergbahn der Holding Graz. Stand August 2026.

Für 2026 sind vier Wartungstage der Lifte angesetzt, an denen sie vormittags stillstehen: 10. März, 18. Juni, 15. September und 17. November, jeweils von 7:30 bis etwa 12:30 Uhr. Wer an diesen Vormittagen hinaufwill, nimmt die Bahn oder die Stufen.

Oben und im Berg

Rund um den Uhrturm führt ein Rundweg entlang der alten Befestigungsanlagen, vorbei am Türkenbrunnen, am Glockenturm mit der Liesl, an der Kanonenbastion und am Rosengarten. Informationstafeln erklären die einzelnen Stationen, die komplette Runde dauert rund 30 Minuten und kostet nichts.

Im Berg selbst steckt fast so viel wie darauf. Die Schloßbergrutsche ist mit 175 Metern nach Angaben der Holding Graz die höchste Underground-Rutsche der Welt. Die Märchenbahn führt Kinder durch einen Stollen aus jenem System, das ab 9. August 1943 als Luftschutzanlage in den Dolomitfels gesprengt wurde - die Geschichte dieser Stollen steht in unserem Artikel über Graz im Zweiten Weltkrieg. Der Dom im Berg dient als Veranstaltungshalle mit 600 Stehplätzen, und die Kasemattenbühne ist im Sommer eine der größten Freiluftbühnen der Stadt. Beide beschreiben wir samt Kapazitäten im Artikel über die Veranstaltungsorte in Graz.

Dazu kommt das Graz Museum Schlossberg, das täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet ist. Vorgelagert ist der „Wundergarten" mit seinen schattenspendenden Hainbuchen - er ist jeweils zwei Stunden vor Öffnung und nach Schließung des Museums bei freiem Eintritt zugänglich, was ihn zu einem der ruhigsten Plätze am Berg macht. Für den Rundgang gibt es einen Audioguide in Deutsch und Englisch, zusätzlich in Leichter Sprache und mit Audiodeskription für blinde und sehbehinderte Menschen; nutzbar mit Leihgerät, eigenem Smartphone oder online. Am Tag des Denkmals, heuer am 27. September 2026, ist der Eintritt frei.

Gastronomie gibt es am Berg in allen Preislagen, vom Biergarten bis zum Haubenrestaurant. Wer den Berg zum Sonnenuntergang ansteuert, findet die besten Plätze und Zeiten in unserem Artikel zum Sonnenuntergang in Graz.

Der Berg im Jahreslauf

Der Schloßberg ist kein reines Ausflugsziel, sondern für viele Grazerinnen und Grazer Alltag. Im Frühjahr und Herbst ist der Felsensteig die kürzeste Trainingsstrecke der Innenstadt: 260 Stufen am Stück, wer will, mehrfach. Wie sich der Berg in längere Laufrunden einbauen lässt, steht in unserem Artikel zu den Laufstrecken in Graz.

Im Sommer verlagert sich alles nach oben: Die Kasematten spielen Konzerte, Musical und Kabarett, dazu kommt Freiluftkino unter der Felswand. Welche Filme wo laufen, sammelt unser Überblick zum Open-Air-Kino in Graz. Die Gastgärten am Berg sind an heißen Abenden deutlich angenehmer als die Innenstadt, weil es hier oben regelmäßig ein paar Grad kühler ist und Luft geht.

Im Advent zieht der Markt am Schloßberg vor den Glockenturm Liesl und in die Kasematten - eine Kulisse, die kein anderer Grazer Markt bieten kann. Die Termine stehen in unserem Veranstaltungskalender. Im Winter selbst ist der Felsensteig bei Eis eine ernsthafte Rutschpartie; die Stadt streut, aber nicht überall, und die Stufen liegen im Schatten. Wer bei Frost hinaufwill, nimmt besser den Lift.

Die Festung, die nie eingenommen wurde

Der Schloßberg war jahrhundertelang die natürliche Festung im Norden der Stadt: Kanonenterrassen, Garnison, dicke Mauern. Im Dreißigjährigen Krieg und im Zweiten Türkenkrieg zwischen 1683 und 1699 hielt die Anlage, Graz wurde nie belagert oder eingenommen.

Das Ende kam nicht durch einen Sturm, sondern durch einen Vertrag. 1809 zerstörten Napoleons Truppen die Festung nach den Bestimmungen des Friedens von Schönbrunn weitgehend. Uhrturm und Glockenturm blieben nur deshalb stehen, weil die Grazer Bürgerinnen und Bürger sie freikauften. Seither gilt der Uhrturm als Wahrzeichen der Stadt - ein Wahrzeichen, das es ohne Privatinitiative nicht mehr gäbe. Wie das Verteidigungssystem der Stadt insgesamt aufgebaut war und was von den Stadtmauern übrig ist, steht in unserem Artikel über die Grazer Stadtbefestigung.

Sichtbar ist diese Geschichte bis heute an den Bruchkanten: Die Kasematten sind die Reste der Kasemattenanlage, die Stallbastei und die Kanonenbastion markieren die alten Geschützstellungen, und der Türkenbrunnen erinnert an die Wasserversorgung der Besatzung. Dass der Berg heute grün ist, ist ebenfalls Folge der Schleifung - die Aufforstung begann erst danach, weshalb der Baumbestand jünger ist, als er wirkt.

Der Schloßberg mitsamt Uhrturm und Glockenturm liegt in der Kernzone des UNESCO-Welterbes, zu dem die Grazer Altstadt seit 1999 zählt. Die Begründung und die genaue Abgrenzung der Zone erklärt unser Artikel zum Welterbe Graz.

Häufige Fragen zum Schloßberg

Kostet der Uhrturm Eintritt? Nein. Der Turm selbst ist von außen frei zugänglich, ein Innenbesuch ist nicht möglich. Bezahlt wird nur die Auffahrt mit Bahn oder Lift, und auch die nur, wenn kein gültiges Zone-101-Ticket vorliegt.

Wie lange braucht man für alles? Für Uhrturm und Aussicht reicht eine halbe Stunde. Der Rundweg über die Befestigungsanlagen dauert weitere 30 Minuten, mit Museum, Rutsche und einer Pause in einem der Gastgärten wird ein halber Tag daraus.

Wann ist es am ruhigsten? Werktags vormittags, bevor die Reisegruppen kommen, und in der Stunde nach Sonnenuntergang, wenn die Tagesgäste schon unten sind. Der Wundergarten beim Museum ist auch am Nachmittag meist leer.

Praktisches für den Besuch

Der Berg ist rund um die Uhr frei zugänglich, Bahn und Lifte haben eigene Betriebszeiten, die saisonal variieren - vor einem späten Abstieg lohnt der Blick auf die letzte Fahrt, sonst bleiben nur die Stufen. Mit Kinderwagen und Rollstuhl ist der Lift der einzige praktikable Weg nach oben; der Felsensteig ist es nicht.

Zur Talstation der Schloßbergbahn in der Sackstraße und zum Schloßbergplatz kommen Sie zu Fuß in wenigen Minuten vom Hauptplatz; mit dem Auto ist der Berg selbst tabu, geparkt wird in den Garagen der Innenstadt. Welche davon wie viel kostet, steht in unserem Artikel zum Parken in Graz. Hunde dürfen mit, größere zahlen in Bahn und Lift den ermäßigten Tarif von 1,70 Euro.

Wer den Aufstieg mit Kindern plant, kombiniert am besten Märchenbahn und Rutsche mit der Bahnfahrt; Details zu allen kindertauglichen Zielen der Stadt stehen in unserem Überblick Graz mit Kindern. Und wer den Berg als Teil einer größeren Runde durch die Altstadt sehen will, findet die passende Reihenfolge in unserem Überblick zu den Sehenswürdigkeiten in Graz.

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