Die Grazer Straßenbahn: Linien, Netz und was gerade gebaut wird
Neun Linien, 61,778 Kilometer befahrene Gleise und 41.500 Kilometer pro Tag. Welche Bim wohin fährt, wo Sie gratis mitfahren und warum es keinen Zweier mehr gibt.
Welche Linie wohin fährt
Graz betreibt neun Straßenbahnlinien, und die Nummerierung ist historisch gewachsen statt logisch: Es gibt keine Linie 2, dafür eine 16, 17 und 23, die als Verstärker oder Kurzführungen laufen. Stand August 2026 sieht das Netz so aus:
| Linie | Von | Nach |
|---|---|---|
| 1 | Eggenberg/UKH | LKH Med Uni/Klinikum Nord |
| 3 | Andritz | Krenngasse |
| 4 | Reininghaus | Stadion Liebenau/Bertha-von-Suttner-Platz |
| 5 | Andritz | Jakominiplatz |
| 6 | Smart City/Peter-Tunner-Gasse/tim | St. Peter |
| 7 | Wetzelsdorf | LKH Med Uni/Klinikum Nord |
| 16 | Smart City/Peter-Tunner-Gasse/tim | St. Peter |
| 17 | Wetzelsdorf | LKH Med Uni/Klinikum Nord |
| 23 | Jakominiplatz | Krenngasse |
Die 16 und die 17 sind dabei die interessanten Nummern: Sie bedienen dieselben Endstellen wie die 6 und die 7, nehmen aber einen anderen Weg durch die Innenstadt. Wer also am Jakominiplatz in eine 17 statt in eine 7 steigt, landet zwar am selben Ziel, sieht aber unterwegs eine andere Stadt.
Zentraler Knoten ist der Jakominiplatz, wo praktisch alles zusammenläuft. Für Ortsfremde ist das die wichtigste Information überhaupt: Wer sich verfährt, fährt zum Jakominiplatz und beginnt von dort neu. Die Tarifgrundlagen, Zonen und Ticketarten stehen im Öffi-Guide für Graz.
Wie groß das Netz wirklich ist
Die Zahlen der Graz Linien sind ungewöhnlich genau, weil sie zwischen verlegten und befahrenen Gleisen unterscheiden:
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Verlegte Schienen im Stadtgebiet | 73,612 km |
| davon im Linienverkehr befahren | 61,778 km |
| Gesamtes Liniennetz inklusive Bus | rund 340 km |
| Straßenbahnen im Bestand | 85 |
| Busse im Bestand | über 170 |
| Tagesleistung Straßenbahn | rund 41.500 km |
| Tagesleistung Bus | rund 25.000 km |
Die Differenz von knapp zwölf Kilometern zwischen verlegten und befahrenen Gleisen erklärt sich durch Remisen, Werkstätten und Abstellgleise. Zusammengerechnet legen die Fahrzeuge der Graz Linien täglich mehr als 66.000 Kilometer zurück - das entspricht rechnerisch anderthalb Erdumrundungen pro Tag. Die Angaben stammen aus den FAQ der Graz Linien.
Welche Linie welchen Stadtteil erschließt
Wer neu in Graz ist, sucht meist nicht nach einer Liniennummer, sondern nach einem Ziel. Die wichtigsten Zuordnungen:
- Norden: Die Linien 3 und 5 fahren nach Andritz, die 1 und die 7 enden am LKH Med Uni/Klinikum Nord - die Bim zum Landeskrankenhaus und zum Uni-Klinikum.
- Westen: Die 1 fährt nach Eggenberg, direkt zum Schloss und zum Unfallkrankenhaus. Die 4 endet in Reininghaus, dem größten Stadtentwicklungsgebiet der Stadt. Die 6 und die 16 fahren zur Smart City bei der Peter-Tunner-Gasse.
- Süden: Die 4 erreicht das Stadion Liebenau am Bertha-von-Suttner-Platz - die Linie für Fußballspiele und Großveranstaltungen.
- Osten: Die 6 und die 16 enden in St. Peter, die 3 und die 23 in der Krenngasse nahe dem Universitätsviertel.
- Südwesten: Die 7 und die 17 fahren nach Wetzelsdorf.
Auffällig ist, was fehlt: Große Teile im Nordosten und Südosten der Stadt haben keine Straßenbahnanbindung und werden ausschließlich mit Bussen bedient. Wie sich die Bezirke verteilen, zeigt die Übersicht der Grazer Bezirke.
Betriebszeiten und Nachtverkehr
Gefahren wird täglich von 4.30 Uhr bis Mitternacht. Eine einzige Ausnahme gibt es im Jahr: Am 24. Dezember ist bereits um 18 Uhr Betriebsschluss - wer am Heiligen Abend spät noch quer durch die Stadt muss, sollte das wissen.
Danach übernimmt die Nightline, allerdings mit Bussen statt Straßenbahnen. Sie fährt von Freitag auf Samstag, von Samstag auf Sonntag und vor Feiertagen und startet um 0.30 Uhr am Jakominiplatz. Im aktuellen Fahrplan stehen die Linien N1 bis N9, die von dort sternförmig in die Bezirke und ins Umland fahren, unter anderem nach Gösting, Andritz, St. Peter, Thondorf, Premstätten und Pachern.
Die Altstadtbim: gratis durch die Innenstadt
Ein Angebot, das viele Grazerinnen und Grazer nicht kennen und Besucher schon gar nicht: Im inneren Altstadtbereich fahren Sie mit der Straßenbahn kostenlos, täglich von Betriebsbeginn bis Betriebsende, auch an Wochenenden und Feiertagen. Es gilt auf allen neun Linien sowie auf dem zugehörigen Schienenersatzverkehr - reguläre Buslinien sind ausgenommen.
| Linien | Freifahrt zwischen |
|---|---|
| 1 und 7 | Südtiroler Platz und Kaiser-Josef-Platz |
| 17 | Andreas-Hofer-Platz/Joanneumsviertel/tim und Kaiser-Josef-Platz |
| 3 und 5 | Schlossbergplatz und Finanzamt bzw. Dietrichsteinplatz |
| 4 und 6 | Südtiroler Platz und Finanzamt bzw. Dietrichsteinplatz |
| 16 | Andreas-Hofer-Platz/Joanneumsviertel/tim und Dietrichsteinplatz |
| 23 | Jakominiplatz und Dietrichsteinplatz |
Jede Haltestelle im Freifahrtsbereich ist mit einem Aufkleber gekennzeichnet, ebenso die Fahrscheinautomaten. Zwei praktische Hinweise: Wer versehentlich ein Ticket löst, bekommt es nicht erstattet, weil sich nicht prüfen lässt, wie weit es tatsächlich genutzt wurde. Und die Regelung gilt ausdrücklich auch für Hunde, für die sonst wegen ihrer Größe ein Ticket nötig wäre. Ins Leben gerufen haben das Angebot die Stadt Graz gemeinsam mit dem Tourismusverband und dem Citymanagement, die Details stehen auf der Seite zur Altstadtbim.
Die neuen Fahrzeuge
Am 27. Mai 2026 ging die erste Flexity-Straßenbahn in den Fahrgastbetrieb. Sie trägt den Namen „Theodora" - benannt nach Theodora Acham, die 1988 gemeinsam mit Inge Steiner als eine der ersten beiden Straßenbahnfahrerinnen der Graz Linien antrat.
Mit rund 34 Metern sind die Garnituren die längsten, die je in Graz gefahren sind. Sie sind vollständig niederflurig, klimatisiert und haben breite Türen sowie großzügige Mehrzweckbereiche - relevant für alle, die mit Kinderwagen oder Rollstuhl unterwegs sind. Gebaut werden sie im Werk Wien-Donaustadt.
Der Zulauf ist in Tranchen geplant:
- Mai 2026: acht Garnituren in Graz, Einsatzschwerpunkt auf den Linien 4, 7 und 17.
- Bis Ende 2026: die restlichen sieben Fahrzeuge der ersten Tranche.
- Ab März 2027: Lieferung von 16 weiteren Fahrzeugen.
- Bis Mitte 2028: insgesamt 31 Flexity-Straßenbahnen im Einsatz.
- Ab Ende 2028: Auslieferung von 24 zusätzlichen Garnituren, mitfinanziert von der Europäischen Investitionsbank.
Sind alle bestellten Fahrzeuge da, kommen mehr als 50 neue Garnituren auf einen Bestand von derzeit 85 Straßenbahnen - ein Flottenwechsel in einer Größenordnung, die es in Graz seit Jahrzehnten nicht gab. Die Ankündigung steht in der Meldung der Holding Graz zur Premierenfahrt.
Was gerade gebaut wird
Das Netz wächst und wird gleichzeitig entlastet. Drei Projekte prägen die kommenden Jahre:
Die Neutorlinie. Seit März 2023 entstand eine neue Strecke durch die Neutorgasse, über den Andreas-Hofer-Platz, die Tegetthoffbrücke, am Bad zur Sonne vorbei und nach der Vorbeckgasse in die Annenstraße. Ihr Zweck ist die Entlastung der Herrengasse, durch die bis dahin praktisch der gesamte Innenstadtverkehr der Bim lief. Die ersten Straßenbahnen darauf waren die Linien 16 und 17, ab dem 29. November.
Der zweigleisige Ausbau der Linie 1. Seit 2025 wird der Abschnitt am Hilmteich zweigleisig ausgebaut, Fertigstellung Mitte 2028. Noch 2026 folgt ein zweiter Abschnitt zwischen den Haltestellen St. Johann und Wagnesweg. Bevor in der Hilmteichstraße Gleise verlegt werden, entsteht dort zuerst ein Speicherkanal. Eingleisige Abschnitte begrenzen den möglichen Takt - deshalb ist dieser Ausbau die Voraussetzung dafür, dass die Linie 1 überhaupt dichter fahren kann.
Maintenance Graz Linien. In der Steyrergasse werden Werkstätten- und Remiseninfrastruktur neu errichtet beziehungsweise saniert. Das klingt nach reiner Technik, ist aber die Bedingung dafür, dass 34 Meter lange Fahrzeuge überhaupt gewartet werden können. Den Überblick über alle Baustellen samt Bezirksliste führt die Holding Graz auf der Seite „Fit für die Zukunft: Graz baut aus".
Seit 1878 auf Schiene
1878 fuhr die erste Pferdetramway zwischen dem damaligen Südbahnhof - dem heutigen Hauptbahnhof - und dem Jakominiplatz. Ein Jahr später, am 28. Juni 1879, hatte die spätere Linie 2 ihre Jungfernfahrt, zunächst auf einem kurzen Stück von der Glacisstraße zum Geidorfplatz.
Die Elektrifizierung wurde am 22. Juni 1895 beschlossen und in zwei Etappen umgesetzt: am 15. Juni 1899 und am 24. Juli 1899. Die erste elektrisch betriebene Straßenbahnstrecke auf Grazer Stadtgebiet war allerdings schon vorher unterwegs - die Schmalspurbahn nach Mariatrost, eröffnet am 29. Jänner 1898. Im selben Jahr 1899 schloss sich auch der Ring der Linie 2 um den Schlossberg.
Der Bruch kam mit dem Generalverkehrsplan von 1960, der Hauptverkehrsrouten für Auto und Bus reservierte und damit straßenbahnfrei machte. 1962 fiel der Abschnitt durch die Keplerstraße, am 16. Jänner 1971 wurde die Linie 2 endgültig eingestellt - zusammen mit der Teilstrecke der Linie 6 über den Griesplatz zur Herrgottwiesgasse. Seither fährt die 6 die Strecke Hauptbahnhof - St. Peter und ersetzt im Abschnitt Hauptbahnhof - Jakominiplatz die alte Linie 2. Diese Vorgeschichte hat die Holding Graz zum 50. Jahrestag aufgearbeitet.
Der letzte Betriebstag der Linie 2 war zugleich der Gründungstag des Tramway Museums Graz. Für 2028 stehen zwei Jubiläen an: 150 Jahre Straßenbahn und 100 Jahre innerstädtischer Busbetrieb. Das Museum bereitet dafür ein Programm vor und hat dazu im August 2026 eine Umfrage über das Stadtportal der Stadt Graz gestartet.
Was Sie sonst über die Bim wissen sollten
- Fahrplanzeiten sind Richtzeiten. Die Graz Linien weisen selbst darauf hin, dass Verkehrsaufkommen, Behinderungen und Falschparker auf den Gleisen die Takte beeinflussen.
- Die GrazMobil-App zeigt Echtzeitankünfte und verkauft die gängigen Tickets bargeldlos.
- Eventverkehr: Neben dem Linienbetrieb gibt es drei Reisebusse, einen Cabriobus, einen Oldtimerbus, drei Oldtimer-Straßenbahnen und einen Infobus zum Mieten.
- Anschluss an die Bahn: Die Linien 1, 3, 6 und 7 bedienen den Hauptbahnhof - Details zur Umsteigesituation stehen im Beitrag zur Anreise nach Graz.
- Wer mit dem Auto kommt, findet die Stellplatzlage im Überblick zum Parken in Graz - in der Innenstadt ist die Bim in aller Regel die schnellere Wahl.
Ein letzter Punkt, der im Alltag mehr ausmacht als jede Netzkarte: Die Linien 3 und 5 halten am Schlossbergplatz, dem Fuß des Bergs mit Lift und Standseilbahn. Wer also vom Hauptbahnhof zum Schlossberg will, fährt bis zum Südtiroler Platz und steigt dort um - oder geht die letzten Minuten über die Hauptbrücke zu Fuß. Was oben wartet, steht im Beitrag zum Grazer Schlossberg.