GRAZ JOURNAL

Tierheim Graz: Adoption, Fundtiere und Hilfe

Die Arche Noah in Liebenau mit Öffnungszeiten und Vergabeterminen, der Ablauf einer Adoption, was bei entlaufenen Tieren zu tun ist und welche Regeln für Hundehaltung in Graz gelten.

· 12 Min. Lesezeit · Von
Tierheim Graz: Adoption, Fundtiere und Hilfe

Die Arche Noah in Liebenau

Das Tierheim der Stadt heißt Arche Noah und wird vom Verein Aktiver Tierschutz Austria betrieben, der 1977 gegründet wurde und zu den größten Tierschutzvereinen Österreichs zählt. Untergebracht sind Hunde und Katzen, dazu Pferde und Ponys. Zum Verein gehört außerdem eine eigene Tierarztpraxis am Standort.

Tierheim Arche Noah
Tierheim · Vermittlung · Tierschutzverein
Neufeldweg 211
8041 Graz
(Bezirk Liebenau)

Geöffnet ist das Tierheim Montag bis Freitag von 8:00 bis 12:00 und von 13:00 bis 17:00 Uhr. Telefonisch erreichbar ist das Haus von 8:00 bis 12:00 und von 14:00 bis 17:00 Uhr. Für die Tiervergabe gelten eigene Nummern: Katzen +43 676 84 24 17 434, Hunde +43 676 84 24 17 437.

Wichtig: Die Tiervergabe funktioniert ausschließlich nach Terminvereinbarung. Der Grund ist kein bürokratischer, sondern ein praktischer - für ein Kennenlernen zwischen Mensch und Tier braucht es Zeit und einen ruhigen Rahmen, den ein spontaner Besuch am Samstagnachmittag nicht bietet. Stand August 2026.

Mo bis Fr 8-17 Uhr Vergabe nur mit Termin Seit 1977

Aktuell wird umgebaut: Nach dem ersten Bauabschnitt startet der zweite, weshalb das Heim Menschen sucht, die einem Hund während der Bauarbeiten ein Zuhause auf Zeit geben. Wer sich eine dauerhafte Adoption noch nicht zutraut, findet hier einen Einstieg mit klarem Ende.

Wie eine Adoption abläuft

Der Verein beschreibt den Weg in vier Schritten, und er beginnt nicht beim Tier, sondern beim Gespräch.

  • Erster Kontakt: anrufen und einen Termin vereinbaren. Sie müssen weder wissen, welches Tier zu Ihnen passt, noch alle Fragen beantworten können - das klärt das Gespräch.
  • Auswahl: Alle vermittelbaren Tiere stehen auf der Website des Vereins. Beraten wird nach Wohnsituation, Alltag, Erfahrung und Möglichkeiten, nicht nach Sympathie für ein Foto.
  • Kennenlernen: Es findet im Tierheim statt, begleitet von den Tierpflegerinnen und Tierpflegern. Bei Tieren mit schwieriger Vorgeschichte braucht es oft mehr als einen Termin - das gilt ausdrücklich nicht als Hindernis.
  • Adoption: Wenn es passt, sind die Formalitäten schnell erledigt, und das Tier darf mit. Der Verein bleibt auch danach Ansprechpartner.

Ein realistischer Hinweis vorweg: Ein Tier aus dem Heim ist kein Schnäppchen-Haustier. Viele Hunde und Katzen bringen Vorgeschichten mit, die Geduld verlangen, und die laufenden Kosten für Futter, Tierarzt und Versicherung unterscheiden sich nicht von denen eines gekauften Tieres. Wer das mitbedenkt, macht beiden Seiten einen Gefallen.

Vor dem ersten Besuch

Wer mit einer konkreten Vorstellung ins Tierheim geht, sollte sie mitbringen, aber nicht daran festhalten. Die Erfahrung der Vergabeteams ist eindeutig: Der Hund, der auf dem Foto passt, ist selten der, mit dem es am Ende funktioniert. Rasse, Farbe und Alter sagen weniger über den Alltag aus als Energielevel, Verträglichkeit mit anderen Tieren und die Frage, wie viele Stunden das Tier allein bleiben muss.

Nehmen Sie deshalb alle mit, die im Haushalt leben - Kinder inklusive, wenn sie alt genug sind. Bestehende Hunde kommen beim zweiten Termin dazu, damit sich die Tiere auf neutralem Boden begegnen können. Und planen Sie den Termin nicht zwischen zwei Verpflichtungen: Eineinhalb bis zwei Stunden sind realistisch, wenn das Kennenlernen ernsthaft laufen soll.

Wenn ein Tier entlaufen ist

Für den Ernstfall hat der Verein einen klaren Ablauf, und der erste Schritt ist ein Anruf: 0316 42 19 42, dazu ein aktuelles Foto per Nachricht. Die Suchmeldung wird über die Lost-and-Found-Seite des Vereins geteilt.

Parallel dazu gilt: Notieren Sie so genau wie möglich, wann und wo das Tier zuletzt gesehen wurde, dazu besondere Merkmale, die Adresse, von der es entlaufen ist, und die Chipnummer. Auffällige Halsbänder, Fellzeichnungen, Narben oder bestimmte Verhaltensweisen helfen bei der eindeutigen Zuordnung.

Suchen Sie zuerst die unmittelbare Umgebung ab und bitten Sie Nachbarinnen und Nachbarn, in Garagen, Kellern, Schuppen, Gartenhäusern und hinter Hecken nachzusehen. Gerade Katzen verstecken sich häufig ganz in der Nähe und kommen nicht sofort hervor. Wer umgekehrt ein zugelaufenes Tier findet, meldet es beim Tierheim - dort laufen die Meldungen beider Richtungen zusammen.

Helfen, ohne zu adoptieren

Nicht jede Wohnung und nicht jeder Alltag verträgt ein eigenes Tier. Der Verein bietet deshalb mehrere Wege, trotzdem zu helfen:

  • Ehrenamt im Tierheim, von der Betreuung bis zur Mitarbeit bei Aktionen
  • Spaziergeher für die Hunde des Heims - regelmäßige Runden, die den Tieren Struktur und Bewegung geben
  • Patenschaften für einzelne Tiere, die schwer vermittelbar sind oder lange bleiben
  • Sach- und Futterspenden, dazu Spendenkörbchen in Geschäften
  • Geldspenden auf das Konto des Vereins, Testamentsspenden und Vermächtnisse

Der Verein engagiert sich außerdem über Graz hinaus: Regelmäßig gehen Hilfstransporte mit Futter nach Rumänien, wo die Lage für Straßenhunde und -katzen im Sommer besonders angespannt ist. Wer eine kaputte Leine oder ungeöffnetes Futter übrig hat, findet dort einen sinnvollen Abnehmer.

Was ein Tier aus dem Heim kostet

Für die Übernahme wird eine Schutzgebühr eingehoben, deren Höhe sich nach Tierart, Alter und bereits erfolgten Behandlungen richtet - im Tierheim erfahren Sie den konkreten Betrag beim Vergabetermin. Enthalten sind in der Regel Kastration, Impfungen, Chip und Registrierung, also Leistungen, die bei einem privat gekauften Tier extra anfallen. Rein rechnerisch ist die Adoption damit fast immer die günstigere Variante.

Die laufenden Kosten unterschätzen viele. Futter, Impfungen und Wurmkuren, Versicherung, Zubehör und Betreuung im Urlaub summieren sich bei einem Hund schnell auf einen dreistelligen Betrag pro Monat, bei einer Katze etwas weniger. Dazu kommen unvorhersehbare Tierarztkosten: Eine Operation nach einem Unfall kostet in Österreich rasch mehrere hundert bis über tausend Euro. Wer das Budget vorher durchrechnet, verhindert genau jene Rückgaben, die für die Tiere am belastendsten sind.

Ein Wort zum Thema Weihnachten: Seriöse Tierheime vergeben keine Tiere als Überraschungsgeschenk. Wer ein Tier für jemand anderen adoptieren will, bringt die Person zum Kennenlernen mit - alles andere endet zu oft im Jänner mit einer Rückgabe.

Ein letzter Hinweis für Wohnungssuchende mit Tier: In Graz ist Tierhaltung in Mietwohnungen nicht automatisch erlaubt, sondern hängt vom Mietvertrag ab. Klären Sie das vor dem Vergabetermin - das Tierheim fragt ausdrücklich danach.

Die Tierarztpraxis am Standort

Der Verein betreibt in Liebenau eine eigene Tierarztpraxis, die auch Tiere behandelt, die nicht aus dem Heim stammen. Geöffnet ist Montag von 8:30 bis 12:00 und 14:00 bis 16:00 Uhr, Dienstag bis Donnerstag von 8:30 bis 12:00 Uhr sowie Freitag von 8:30 bis 12:00 und 14:00 bis 16:00 Uhr. Samstag und Sonntag ist geschlossen, um telefonische Terminvereinbarung wird gebeten.

Für Notfälle außerhalb dieser Zeiten brauchen Sie einen tierärztlichen Notdienst - die Praxis am Tierheim ist keine Nachtambulanz. Es lohnt sich, die Nummer der eigenen Tierarztpraxis und einer Notfallklinik im Handy zu haben, bevor der Fall eintritt.

Katzen: die stille Mehrheit im Heim

In fast jedem Tierheim stellen Katzen die größere Gruppe, und in Graz ist das nicht anders. Der Grund liegt in der Biologie: Ein unkastriertes Katzenpaar und seine Nachkommen bringen es rechnerisch binnen weniger Jahre auf eine dreistellige Zahl an Tieren. Genau deshalb ist die Kastration von Freigängerkatzen das wirksamste Mittel gegen überfüllte Heime - und für Bauernhöfe und Siedlungen am Stadtrand relevanter als für Wohnungskatzen.

Für die Vermittlung heißt das zweierlei. Erstens werden Katzen häufig paarweise abgegeben, wenn sie aneinander gewöhnt sind: Zwei Tiere sind im Alltag oft einfacher als eines, weil sie sich gegenseitig beschäftigen. Zweitens sind Freigänger und reine Wohnungskatzen unterschiedliche Fälle - im Vergabegespräch wird deshalb genau gefragt, ob ein sicherer Freigang möglich ist oder ob die Wohnung katzensicher gestaltet werden kann.

Was Graz von Hundehaltern verlangt

Eine gute Nachricht zuerst: Eine Hundeabgabe gibt es in Graz nicht mehr. Der Gemeinderat hat die Grazer Hundeabgabenordnung aufgehoben, seit 1. Jänner 2019 leben Hunde in der Stadt steuerfrei. Angemeldet werden muss der Hund bei der Stadt damit nicht.

Was bleibt, sind drei Pflichten. Erstens der Hundekundekurs: Wer sich nach 2013 einen Hund anschafft, muss Kenntnisse über Hundehaltung nachweisen. Zweitens die Kennzeichnung per Mikrochip und die Registrierung in der Heimtierdatenbank - genau diese Chipnummer ist es, die im Fall eines entlaufenen Tieres über eine schnelle Rückführung entscheidet. Drittens eine Haftpflichtversicherung mit ausreichender Deckungssumme.

Dazu kommen die Regeln im öffentlichen Raum: Leinenpflicht in den meisten Bereichen, Freilauf nur auf den ausgewiesenen Hundewiesen. Wo diese liegen, führt die Stadt in ihrer Übersicht rund um den Hund samt Hundestadtplan und der Broschüre GRAZWUFF. Welche Parks eigene Hundezonen haben, steht auch in unserem Artikel zu den Parks in Graz.

Wer einen Hund aus dem Ausland übernimmt - etwa über eine der Rumänien-Vermittlungen - hat zusätzliche Pflichten: EU-Heimtierausweis, gültige Tollwutimpfung und die Einhaltung der Wartefristen. Seriöse Vereine legen diese Papiere ungefragt vor. Fehlen sie, ist das kein Formalfehler, sondern ein Warnsignal, das auf illegalen Welpenhandel hindeuten kann. Die Stadt Graz nimmt Hinweise auf Tierquälerei und illegalen Handel über das Veterinärreferat entgegen, der Tierschutzverein hat dafür eine eigene Meldestelle.

Für den Alltag mit Hund praktisch: Die Stadt betreibt einen eigenen Hundebadeteich, und viele Grazer Gastgärten lassen Hunde zu. Wo Sie mit Vierbeiner sitzen können, ohne vorher zu fragen, steht in unserem Überblick zu den Gastgärten in Graz. Und wer mit Hund unterwegs ist und in Bahn oder Lift zusteigt: Für größere Hunde gilt in den Öffis der ermäßigte Tarif, die Details stehen im Öffi-Guide.

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