GRAZ JOURNAL
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Grazer Fachhochschulen fordern mehr Budget 2026

Die Fachhochschulen in Graz schlagen Alarm: Ohne eine deutliche Aufstockung der Bundesmittel drohen Einschränkungen im Studienangebot. Die Rektorate fordern eine nachhaltige Finanzierungsstrategie.

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Die Fachhochschulen in Graz fordern eine deutliche Erhöhung der Bundesmittel für den Hochschulsektor. Ohne zusätzliche Budgetmittel drohen nach Angaben der Einrichtungen Kürzungen beim Studienangebot und Einschränkungen bei Forschungsprojekten. Wie ORF Steiermark berichtet, haben sich die Leitungen mehrerer steirischer Fachhochschulen zu einer gemeinsamen Initiative zusammengeschlossen.

Steigende Kosten bei stagnierendem Budget

Das Kernproblem ist aus Sicht der Fachhochschulen eine seit Jahren wachsende Diskrepanz zwischen steigenden Kosten und einem weitgehend stagnierenden Bundesbudget. Personalkosten, Mietausgaben und die Anforderungen an moderne technische Ausstattung seien in den vergangenen Jahren massiv gestiegen, während die öffentliche Finanzierung nicht im gleichen Maß nachgezogen habe.

Besonders die FH Joanneum und die FH Campus 02 in Graz sehen sich mit der Situation konfrontiert, dass der laufende Betrieb zunehmend schwieriger aufrechtzuerhalten ist. Beide Einrichtungen zählen zu den größten Fachhochschulen der Steiermark und bilden jährlich tausende Studierende in technischen, wirtschaftlichen und sozialen Fachrichtungen aus.

Konkrete Forderungen an den Bund

Die Fachhochschulen fordern eine Erhöhung der Bundesförderung pro Studienplatz. Derzeit liegt dieser Fördersatz laut den Einrichtungen deutlich unter den tatsächlichen Kosten, die für eine qualitativ hochwertige Ausbildung anfallen. Die Differenz müsse bislang durch Eigenmittel der Erhalter sowie durch Beiträge der Länder und Gemeinden kompensiert werden.

Darüber hinaus wird eine mehrjährige Finanzierungsvereinbarung gefordert, ähnlich den Leistungsvereinbarungen, wie sie bereits für öffentliche Universitäten existieren. Eine solche Planungssicherheit würde es den Fachhochschulen ermöglichen, langfristig in neue Studienplätze, Forschungsinfrastruktur und qualifiziertes Personal zu investieren.

Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Graz

Die Debatte um die Finanzierung hat auch eine wirtschaftspolitische Dimension. Fachhochschulen gelten als zentrale Ausbildungsstätten für den regionalen Arbeitsmarkt. Die FH Joanneum allein bietet über 60 Studiengänge an mehreren Standorten in der Steiermark an und zählt damit zu den größten Fachhochschulen Österreichs.

Vertreter der steirischen Wirtschaft haben wiederholt darauf hingewiesen, dass gerade in Bereichen wie Informatik, Ingenieurwesen und Gesundheitswissenschaften ein erheblicher Fachkräftemangel herrscht. Eine Reduktion von Studienplätzen an den Grazer Fachhochschulen könnte diesen Mangel weiter verschärfen und den Wirtschaftsstandort Graz schwächen.

Reaktionen aus der Politik

Aus dem steirischen Landtag kamen gemischte Reaktionen auf die Forderungen. Vertreter mehrerer Parteien zeigten grundsätzlich Verständnis für die finanzielle Lage der Fachhochschulen und betonten deren Bedeutung für die regionale Entwicklung. Gleichzeitig wurde auf die angespannte Budgetsituation des Bundes verwiesen, die den Spielraum für Erhöhungen einschränke.

Das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung hat sich bislang nicht konkret zu den Forderungen geäußert. Die laufenden Verhandlungen zum Bundesfinanzrahmen 2026 könnten jedoch ein Fenster für Anpassungen bieten. Die Fachhochschulkonferenz, der Dachverband aller österreichischen Fachhochschulen, unterstützt die Grazer Initiative und fordert eine bundesweite Lösung.

Vergleich mit öffentlichen Universitäten

Ein zentraler Kritikpunkt der Fachhochschulen ist die unterschiedliche Behandlung im Vergleich zu den öffentlichen Universitäten. Während die Universität Graz, die Technische Universität Graz und die Medizinische Universität Graz über dreijährige Leistungsvereinbarungen mit dem Bund verfügen, fehlt ein vergleichbares Instrument für die Fachhochschulen.

Diese strukturelle Benachteiligung führe dazu, dass Fachhochschulen trotz steigender Studierendenzahlen und wachsender gesellschaftlicher Relevanz im Wettbewerb um Ressourcen ins Hintertreffen geraten. Die Rektorate betonen, dass Fachhochschulen in der Praxis oft kürzere Studiendauern, höhere Berufseinstiegsquoten und eine engere Verzahnung mit der Wirtschaft aufweisen.

Wie es weitergeht

Die Grazer Fachhochschulen haben angekündigt, ihren Druck auf die politischen Entscheidungsträger in den kommenden Wochen zu erhöhen. Geplant sind unter anderem Gespräche mit Abgeordneten sowie öffentliche Veranstaltungen, bei denen Studierende und Lehrende auf die Situation aufmerksam machen sollen.

Ob und in welchem Umfang zusätzliche Mittel bereitgestellt werden, dürfte sich frühestens im Zuge der Budgetverhandlungen im Herbst 2026 entscheiden. Bis dahin bleibt die Finanzierungsfrage eine der drängendsten Herausforderungen für den Hochschulstandort Graz.