Parken in Graz wird teurer: Blaue Zone ab Jänner 1,60 Euro
Ab 4. Jänner 2027 kostet die halbe Stunde in der Blauen Zone 1,60 statt 1,30 Euro, in der Grünen Zone 1,20 statt 1 Euro. Die Stadt rechnet mit rund 4,5 Millionen Euro Mehreinnahmen pro Jahr.
Wer in Graz an der Straße parkt, zahlt ab Montag, 4. Jänner 2027 spürbar mehr. In der Blauen Kurzparkzone steigt der Tarif von 1,30 auf 1,60 Euro pro halbe Stunde, in der Grünen Zone von 1 Euro auf 1,20 Euro. Das Büro von Finanzstadtrat Manfred Eber (KPÖ) rechnet mit Mehreinnahmen von rund 4,5 Millionen Euro pro Jahr. Die Erhöhung ist Teil des ersten Konsolidierungspakets, das der Gemeinderat am 24. September 2026 beschlossen hat.
Was das Parken ab Jänner kostet
Gerechnet auf die übliche Parkdauer wird der Unterschied deutlicher als beim Blick auf die 30 Cent pro halbe Stunde. Drei Stunden in der Blauen Zone, die dort geltende Höchstparkdauer, kosten künftig 9,60 statt 7,80 Euro.
| Zone | bisher | ab 4.1.2027 | Plus |
|---|---|---|---|
| Blaue Zone, 30 Minuten | 1,30 € | 1,60 € | 23 % |
| Blaue Zone, 1 Stunde | 2,60 € | 3,20 € | 23 % |
| Blaue Zone, 3 Stunden (Maximum) | 7,80 € | 9,60 € | 23 % |
| Grüne Zone, 30 Minuten | 1,00 € | 1,20 € | 20 % |
| Grüne Zone, 1 Stunde | 2,00 € | 2,40 € | 20 % |
Stundenwerte aus den Halbstundentarifen gerechnet. Quelle: Stadt Graz, Stand Oktober 2026.
An den Zeiten ändert sich nach bisherigem Stand nichts. Die Blaue Zone ist Montag bis Freitag von 9 bis 20 Uhr und samstags von 9 bis 13 Uhr gebührenpflichtig, die Grüne Zone nur werktags von 9 bis 20 Uhr und ohne Höchstparkdauer. Ob auch die Pauschalen für Bewohnerinnen und Bewohner sowie die Monats- und Jahreskarten der Grünen Zone angepasst werden, hat die Stadt bisher nicht bekanntgegeben. Wer regelmäßig länger als zwei Stunden in der Innenstadt steht, sollte nachrechnen: Mit 3,20 Euro pro Stunde rücken die Tiefgaragen und Park-and-Ride-Anlagen preislich näher an die Straße heran.
Weit über der Teuerung
Die letzte Erhöhung trat am 11. September 2023 in Kraft. Damals stieg die Blaue Zone von 1 Euro auf 1,30 Euro pro halbe Stunde, die Grüne Zone von 80 Cent auf 1 Euro, wie ORF Steiermark berichtete. Seither ist das allgemeine Preisniveau um rund 9,5 Prozent gestiegen. Der neue Tarif in der Blauen Zone liegt mit plus 23 Prozent also mehr als doppelt so hoch wie die Teuerung im selben Zeitraum. Gegenüber dem Stand vor 2023 kostet die halbe Stunde in der Innenstadt ab Jänner 60 Prozent mehr.
Die Stadtregierung spricht trotzdem von einer Indexierung. Eber verweist auf die Tradition, Parktarife zu Beginn jeder Gemeinderatsperiode anzuheben: „Gebührenanpassungen wurden in Graz schon unter unterschiedlichen politischen Konstellationen mit jeder neuen Periode vorgenommen.“ Laut der Darstellung der KPÖ zum Konsolidierungspaket gab es die vorigen Anpassungen 2019 und 2023.
Graz rückt nahe an Wien heran
Schon 2023 hatte Graz mit 2,60 Euro pro Stunde den höchsten Kurzparktarif unter den Landeshauptstädten, damals noch vor Wien. Inzwischen hat Wien auf 1,70 Euro pro halbe Stunde erhöht. Mit 1,60 Euro liegt die Grazer Innenstadt ab Jänner nur 10 Cent darunter, und deutlich über Salzburg, Innsbruck und Linz.
| Stadt | 30 Minuten | Anmerkung |
|---|---|---|
| Wien | 1,70 € | Mo-Fr 9-22 Uhr, max. 2 Stunden |
| Graz, Blaue Zone | 1,60 € | ab 4. Jänner 2027 |
| Salzburg | 1,25 € | ab 2027, bisher 1,10 € |
| Innsbruck | 1,10 € | seit April 2025 unverändert |
| Linz | 1,00 € | Mo-Fr 8-18.30 Uhr, Sa 8-12 Uhr |
Quellen: Stadt Wien, Salzburg24, ORF Tirol, Stadt Linz. Stand Oktober 2026.
Auch die anderen Städte drehen an der Schraube, nur an anderen Stellen. Salzburg erhöht 2027 Parktarife und Öffi-Preise gemeinsam. Innsbruck lässt den Tarif gleich, dehnt aber ab 2. November 2026 die gebührenpflichtigen Zeiten bis 21 Uhr aus und verteuert das Bewohnerparken von 6,18 auf 9,96 Euro im Monat.
Ein Baustein im Grazer Sparpaket
Hintergrund ist die angespannte Finanzlage der Stadt. Bis Ende 2026 rechnet Graz mit Schulden von rund 2 Milliarden Euro, Eber hatte deshalb eine Haushaltssperre verhängt. Das erste Konsolidierungspaket soll das operative Ergebnis 2027 um rund 20 Millionen und 2028 um rund 30 Millionen Euro verbessern. Dazu gehören unter anderem:
- Personal: Jede vierte frei werdende Stelle in der Verwaltung wird 2027 und 2028 nicht nachbesetzt. Ausgenommen sind Feuerwehr, Kinderbetreuung und Pflege.
- Aufsichtsräte: Die Mandate in den städtischen Beteiligungen sinken von 84 auf 57, der Aufsichtsrat der Holding Graz schrumpft von 15 auf 8 Mitglieder.
- Gebühren: Parkgebühren und Kanalanschlussbeitrag werden angehoben. Beide Indexierungen zusammen sollen 2027 und 2028 jeweils rund 6,3 Millionen Euro bringen.
- Bund und Land: Der größte Brocken stammt aus Maßnahmen anderer Ebenen, mit 9,1 Millionen Euro 2027 und 16,3 Millionen Euro 2028.
Ein zweites Paket mit Einschnitten in der Organisation will die Koalition aus KPÖ und Grünen im Dezember gemeinsam mit dem Budget vorlegen. Zur Debatte über die Finanzlage im Sondergemeinderat vom 17. September hat die Stadt Graz einen Bericht veröffentlicht.
Opposition spricht von Belastungspaket
Die ÖVP unter Kurt Hohensinner kritisiert, dass echte Einsparungen nur einen kleinen Teil des Pakets ausmachen. Den größeren Teil tragen nach ihrer Lesart Gebührenzahler sowie Bund und Land. Die FPÖ lehnte die Erhöhung der Parkgebühren ab. Stadtrat René Apfelknab forderte per Dringlichkeitsantrag eine „Parkgebührenbremse“, wie MeinBezirk berichtete. Vor jeder Erhöhung sollte die Stadt die Tarife mit Linz, Salzburg, Innsbruck und Klagenfurt vergleichen und die Folgen für die Betriebe in der Innenstadt erheben.