Tigermücken in Graz: Kanalschächte bekommen Herzklappen
Die Stadt Graz und die Holding Graz testen in rund 50 Kanalschächten das dänische ZikaSeal-System gegen Tigermücken. Ergänzt wird die Maßnahme durch den Einsatz von bis zu 8 Millionen sterilen Männchen im Jahr 2026.
Das Gesundheitsamt der Stadt Graz und die Holding Graz setzen im Kampf gegen die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) auf eine neue technische Methode: Mitte Mai 2026 wurde in einem definierten Testgebiet das ZikaSeal™-System in ausgewählte Regeneinläufe eingebaut. Insgesamt sollen rund 50 Kanalschächte mit dem mechanischen Verschlusssystem ausgestattet werden.
Herzklappe für den Kanal
Das Prinzip des Systems ist ebenso einfach wie wirkungsvoll: Ein mechanischer Verschluss im Inneren des Schachts bleibt im Normalbetrieb geschlossen und öffnet sich nur automatisch für Sekundenbruchteile, wenn bei starkem Regen Wasser abfließen muss. Gesundheitsamtsleiterin Dr.in Eva Winter beschreibt die Funktionsweise so: „Das Prinzip erinnert an eine Herzklappe. Das System öffnet sich nur, wenn Wasser tatsächlich abfließen muss, und verschließt den Zugang danach sofort wieder." Kanalschächte zählen zu den bevorzugten Brutstätten der Tigermücke, da sich dort stehendes Wasser bildet.
Entwickelt wurde das ZikaSeal-System von der Universität Kopenhagen. Die dänischen Forscher traten selbst an die Grazer Verwaltung heran, nachdem Graz international als Vorreiter in der Tigermücken-Bekämpfung Aufmerksamkeit erregt hatte. Im Rahmen des Pilotprojekts soll unter anderem untersucht werden, ob der bisherige Aufwand für die BTI-Einbringung in bestimmten Bereichen reduziert werden kann.
Sterile Männchen: 70 Prozent Rückgang im Vorjahr
Das ZikaSeal-Projekt ergänzt das bestehende Maßnahmenbündel der Stadt. Besonders erfolgreich erwies sich bisher die sogenannte Sterile-Insekten-Technik (SIT): Im Vorjahr setzte Graz mehr als 800.000 sterile Tigermücken-Männchen aus. Das Prinzip dahurch nutzt die Biologie der Mücke: Weibchen paaren sich nur einmal im Leben - wählen sie ein steriles Männchen, können sie keine fruchtbaren Eier mehr ablegen. Im erprobten Gebiet ging die Population daraufhin um 70 Prozent zurück.
Aufgrund dieses Erfolgs plant die Stadt für 2026 den Einsatz von 6 bis 8 Millionen sterilen Männchen in weiteren betroffenen Grazer Regionen. Die Investition beträgt erneut 150.000 Euro. Die Technik wurde in Kooperation mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) entwickelt und erprobt.
Graz als österreichischer Brennpunkt
Graz gehört österreichweit zu den am stärksten betroffenen Städten. Laut AGES bestehen etablierte Populationen der Asiatischen Tigermücke bisher nur in Teilen von Wien und Graz. Die Geschichte begann im Jahr 2021, als das Gesundheitsamt den ersten Anruf der AGES erhielt, die Graz als erste österreichische Stadt mit wirklich etablierter Mückenpopulation identifiziert hatte. Seither setzt die Landeshauptstadt auf ein breites Spektrum an Maßnahmen: Monitoring, Entfernung von Brutstätten, Informationskampagnen sowie internationale Forschungskooperationen.
Gesundheitsstadtrat Robert Krotzer (KPÖ) sieht im ZikaSeal-Pilotprojekt einen weiteren Baustein der Gesamtstrategie: „Mit der Installation des ZikaSeal™-Systems setzen wir nun einen weiteren konkreten Mosaikstein, um dieses Gesamtbild Stück für Stück zu vervollständigen." Alice Loidl, Vorständin der Holding Graz, betont den infrastrukturellen Aspekt: „Dieses neue Vorhaben verbindet Gesundheitsvorsorge mit intelligenter Infrastruktur." Gesundheitsamtsleiterin Winter fordert zudem langfristige Unterstützung von Bund und Land, da Graz diese Aufgabe nicht alleine stemmen könne.